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Dermatologie 11. Jänner 2011

WeltPsoriasisTag: Psoriasis nimmt bei Kindern zu

Inzidenz-Studie bei unter 18-Jährigen: Steigende Zahlen werfen Fragen auf.

Einem Bericht im Journal of the American Academy of Dermatology (JAAD) zufolge stieg die Zahl der Kinder mit Schuppenflechte in den letzten 30 Jahren erheblich an. Nach Erklärungen wird noch gesucht.

Da die Studienlage bezüglich der Inzidenz der Psoriasis im Kindesalter noch relativ dürftig ist, analysierten Dr. Megha M. Tollefson und ihr Team von der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota, Daten des Rochester Epidemiology Project (www.rochesterproject.org), um festzustellen, in welchem Alter bei wie vielen Kindern die Schuppenflechte-Symptome tatsächlich zum ersten Mal auftreten. In der REP-Datenbank werden seit 40 Jahren Patientendaten aus der Region Olmsted County in Minnesota im niedergelassenen und im institutionellen Bereich gesammelt. Die Bevölkerung in dieser Region ist vergleichsweise homogen, der Anteil der weißen Bevölkerung beträgt rund 90 Prozent.

In die Studie aufgenommen wurden Daten von Personen unter 18 Jahren, bei denen Psoriasis-Symptome zwischen 1970 und 1999 zum ersten Mal festgestellt worden waren. Die Psoriasis-Diagnose musste außerdem von einem Dermatologen und/oder durch eine Hautbiopsie bestätigt worden sein. 357 Fälle erfüllten diese Kriterien.

Die Gesamtinzidenz unter 18 Jahren betrug 40,8 pro 100.000. Sie hat sich im Untersuchungszeitraum verdoppelt: 29,6 pro 100.000 waren von 1970 bis 1974 verzeichnet worden, aber von 1995 bis 1999 waren es bereits 62,7 pro 100.000.

Diagnostiziert wurde die Erkrankung durchschnittlich mit 10,6 Jahren. Dieser Wert veränderte sich im Laufe der Jahrzehnte nicht wesentlich. 52 Prozent waren weiblich. Die am häufigsten auftretende Form der Dermatose war die Plaque-Psoriasis (74 %), gefolgt von der Psoriasis guttata (14 %) und der Psoriasis seborrhoides (8 %). Die am häufigsten betroffene Körperregion bei den unter 18-Jährigen waren die Extremitäten (59,9 %) und der Kopf (46,8 %).

Die Forscher konnten keine zwei Häufigkeitsgipfel bei der Inzidenz finden: Nach ihren Daten stieg die Inzidenz stetig von der Geburt bis zur 70. Lebensdekade an. Frühere Studien hatten hingegen beschrieben, dass Psoriasis-Erkrankungen besonders häufig im Alter von 17 bis 21 Jahren auftreten und dann wieder zwischen 57 und 62.

Warum die Inzidenz so stark angestiegen ist, bleibt noch zu klären. Die Erklärung, dass sich der Zugang zu medizinischen Einrichtungen verbessert hätte, ist zwar naheliegend, die Autoren schließen das aber aus. Schließlich hätten schon in den 1970er-Jahren wie auch am Ende des Zeitraums 80 Prozent der Patienten eine von einem Dermatologen bestätigte Diagnose gehabt – ein Hinweis dafür, dass die Versorgungssituation unverändert geblieben ist. Eine weitere Erklärung wäre, dass die Schuppenflechte heute öfter erkannt wird als früher. Auch das erscheint aber nicht pausibel, so die Autoren, denn die klinischen Merkmale seien schon seit Jahrhunderten bekannt, und die Diagnosekriterien haben sich nicht verändert.

Bleiben also nur noch die Risikofaktoren: Als solche wurden bisher bestimmte Medikamente, Stress, Infektionen und Adipositas identifiziert, wie die Autoren zusammenfassen. Sie räumen ein, dass in den letzten Jahrzehnten die psychosoziale Belastung bei Kindern zugenommen hat, was jedoch schwer zu quantifizieren sei. Für wahrscheinlicher halten sie eine häufigere Exposition gegenüber Streptokokken und anderen Infektionserregern, da mehr Kinder als früher einen Kindergarten oder eine ähnliche Institution besuchen. Dass hingegen der Anteil übergewichtiger Kinder zugenommen hat, ist kaum zu bestreiten. Die Assoziation zwischen Psoriasis und Übergewicht bleibt zu klären.

 

Quelle: Tollefson, M. M. et al.: Incidence of psoriasis in children: A population-based study. J Am Acad Dermatol 2010; 62: 979–87

Von Mag. Patricia Herzberger, Ärzte Woche 2 /2011

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