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© pixelio.de / Andreas Kinski
© Sissi Furgler Fotografie

Prof. Dr. H. Peter Soyer Dermatology Research Centre, The University of Queensland, Brisbane

© Adrian Smith

Prof. Dr. Wolfgang Weninger Centenary Institute of Cancer Medicine & Cell Biology, University of Sydney

 
Dermatologie 10. November 2010

Australische Dermatologie zu Besuch in Wien

Dank zweier Auslandsösterreicher ist die ÖGDV-Tagung diesmal besonders international

Zur Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie ÖGDV ist diesmal das Australasian College of Dermatologists eingeladen. Diese Zusammenarbeit ist nicht zuletzt auf Initiative der zwei „australischen Auslandsösterreicher“ Prof. Dr. H. Peter Soyer aus Graz und Prof. Dr. Wolfgang Weninger aus Wien zustande gekommen. hautnah stellt sie vor.

 

Welches sind Ihre derzeitigen Arbeitsschwerpunkte?

 

H. Peter Soyer: Unsere Forschungsbereiche umfassen Teledermatologie, Bio-optical Imaging einschließlich Laser-Scanning und Multi-Photon-Mikrosopie (Anwendung: Melanom-Früherkennung; life of lesions; phänotypische und genotypische Charakterisierung von Naevi und Melanomen) und Cutaneous Systems Biology. Der letztere Bereich wird von Associate Professor Stephen Gilmore aufgebaut und geleitet.

 

Wolfgang Weninger: Der wissenschaftliche Schwerpunkt meiner Arbeitsgruppe ist die Visualisierung von Immunantworten in der Haut und in Lymphknoten mittels Multi-Photonen-Mikroskopie.
Wir haben eine Reihe von Infektions- und Tumormodellen in Versuchstieren etabliert, die es uns erlauben, das Verhalten von Leukozyten zu untersuchen. Konkret studieren wir, wie verschiedene Immunzellen, unter anderem dendritische Zellen, Neutrophile Granulozyten, T-Zellen und Makrophagen, durch die Haut wandern und mit Mikroben interagieren. Wir verwenden genetisch veränderte Mausstämme, die es ermöglichen, die molekularen Mechanismen dieser Prozesse zu erforschen. Von unseren Untersuchungen erwarten wir uns nicht nur ein besseres Verständnis der Immunantwort, sondern auch verbesserte Therapien gegen Hautkrankheiten.

 

Worin unterscheidet sich das Arbeits- und Forschungsumfeld in Australien und Österreich?

 

HPS: Auf diese Frage gibt es keine eindimensionale Antwort. Die sich entwickelnde akademische Dermatologie wird durch die Präsenz einer hochkarätigen Grundlagenforschung am „Biosystem Haut” bereichert. Besonders hervorzuheben ist, dass die australischen Dermatologen alle hervoragend ausgebildete „Generalisten” sind.
Der spannendste Aspekt ist die Möglichkeit zur interdisziplinären Forschungszusammenarbeit. Gemeinsam mit Epidemiologen, Genetikern, Biologen, Systembiologen, Immunologen, und Molekularbiologen u. a. an einem Tisch zu sitzen und Forschungsprojekte zu besprechen ist einfach faszinierend.

 

WW: Ich glaube, dass die Wissenschaft hier in Australien mehr Unterstützung als in Österreich hat. Das betrifft sowohl die öffentliche Förderung als auch die Akzeptanz in der Bevölkerung.
Weiters ist inbesondere die Immunologie in Australien traditionell sehr stark. Es hat hier viele bahnbrechende Erkenntnisse zum Funktionieren des Immunsystems gegeben, was man an zwei Nobelpreisen für Immunologen erkennen kann. Obwohl Australien nur zwei- bis dreimal mehr Einwohner als Österreich hat, gibt es hier eine sehr breite und interaktive Immunologie-Gemeinde, die Neuankömmlinge rasch einschließt. Das kollegiale Verhalten unter den Wissenschaftern habe ich als sehr positiv empfunden.

 

Worauf freuen Sie sich besonders, wenn Sie nach Österreich kommen?

 

HPS: So gerne ich auch in Queensland lebe und arbeite, so sehr freue ich mich, auf meinen meist halbjährlichen, kurzen Österreich-Besuchen meine Familie zu treffen – Kinder und Enkel, Eltern und Brüder–, mit alten Freunden und Kollegen zu „tratschen“, unsere „Luft und Kultur“ einzuatmen und insbesondere meine geliebten Kärntner Berge zu sehen.

 

WW: Meine Wurzeln sind in Wien – meine Eltern, mein Bruder und andere Verwandte leben dort, und ich komme immer gerne auf Besuch. Ich freue mich auch immer, meine früheren Dermatologenkollegen wieder zu treffen. Vom Kongress erwarte ich mir, das Neueste aus der Dermatologie zu erfahren.

 

Vorträge an der Jahrestagung der ÖGDV:
H.-P. Soyer: „The morphologic universe of melanocytic skin lesions“, 20.11.2010, 9:15–10:45 Uhr
W. Weninger: „Visualizing intratumoral T cell behavior“,
20.11.2010, 14:00–16:00 Uhr

Mag. Patricia Herzberger, hautnah 4/2010

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