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Prof. Dr. Daisy Kopera Universitätsklinik für Dermatologie, Laserzentrum, MedUni Graz

 
Dermatologie 28. September 2010

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Laserbehandlungen in der Dermatologie sind nicht die Wundertherapien, für die sie oft gehalten werden.

50 Jahre nach seiner Erfindung mystifizieren die Medien „den Laser“ noch immer – oder sollte man sagen: mehr denn je? Vor allem für medizinische Anwendungen wird dieses Tool ob seiner „Schmerz- und Spurlosigkeit“ und seiner universellen Einsatzmöglichkeiten verherrlicht und vielfach falsch dargestellt.

Faktum ist: Hochenergielaserbehandlung ist keineswegs für alles geeignet, nicht völlig schmerzlos und bei weitem nicht immer von dem Erfolg gekrönt, der mit der Erwartungshaltung der Konsumentinnen und Konsumenten konform geht. Vielmehr ist Laserbehandlung eine höchst spezifische Angelegenheit, die ganz spezielles Know-how erfordert und deshalb auch nur von gut ausgebildeten, erfahrenen Spezialisten durchgeführt werden sollte.

Hochenergielaser sind Medizinprodukte der Klasse VI, das heißt, der Umgang mit diesen speziellen Geräten ist dafür ausgebildeten Medizinern vorbehalten und darf von medizinischem Hilfspersonal, Pflegepersonen oder in der Kosmetik tätigen Nichtmedizinern laut Gesetz nicht durchgeführt werden. Dies mit gutem Grund, denn die explizite Kenntnis der Interaktion zwischen den verschiedenen Geweben des menschlichen Körpers und den physikalischen Gesetzen der Optik ist bei der Anwendung dieses monochromatischen, kohärenten Lichts ganz bestimmter Wellenlängen erforderlich. Anders bei IPL-Geräten (intensive pulsed light) oder „Soft-Lasern“ (=Niedrigenergielaser), die in ihrer Wirkung mit der des hochenergetischen Laserlichts nicht direkt vergleichbar sind.

Laser2Foto: Marcus Klaus / pixelio.de

Freiwillig erduldete Körperverletzung

Für ästhetisch-medizinische Fragestellungen sind Behandlungsmöglichkeiten gefragt, die bei richtiger Anwendung zur möglichst narbenlosen Verbesserung eines Status führen, der von den Betroffenen zwar nicht als krankhaft angesehen wird, aber aus kosmetisch-ästhetischen Gründen als verbesserungswürdig. Es versteht sich von selbst, dass durch eine aus medizinischen Gründen nicht erforderliche Behandlung – nachdem ja keine Krankheit vorliegt – niemand Schaden nehmen will (und nachher womöglich weniger ästhetisch ansprechend aussehen als vor der „Verschönerungs“-Behandlung). Es handelt sich also nicht um Heilbehandlungen im hippokratischen Sinn, sondern um freiwillig gewünschte Maßnahmen, die zur Verbesserung des Erscheinungsbildes beitragen sollen.

Da sich diese Behandlungen am menschlichen Körper abspielen, handelt es sich dabei streng genommen um „in Auftrag gegebene“, freiwillig erduldete, „akzeptierte“ Körperverletzung. Die Möglichkeit unerwünschter Nebenwirkungen wird dabei meist ausgeklammert, auch wenn hier gilt: „wo gehobelt wird, fliegen Späne“.

Die Erreichung des erhofften Behandlungsziels erfordert sehr genaue Fachkenntnis, Geschick und Erfahrung der behandelnden Ärzte. Die präoperative Aufklärung ist daher äußerst wichtig und ist im Falle einer gerichtlichen Nachbehandlung eines solchen Eingriffs oft der Punkt der Fahrlässigkeit, da vor der Behandlung über mögliche Risiken gar nicht oder nur lapidar aufgeklärt wird.

Primum nil nocere

Es hängt dabei sehr genau davon ab, um welches Lasersystem es sich handelt, denn jede Lichtwellenlänge hat ein anderes, sehr spezifisches Anwendungsgebiet, oft nur einige weinige Indikationen. Wichtig ist es zu wissen, dass es „den Laser für alles“ nicht gibt.

Die Häufigkeit von unerwünschten Nebenwirkungen korreliert im Übrigen direkt mit der Erfahrung des behandelnden Arztes. Je genauer der Arzt, der damit umgeht, über die Interaktion während der Behandlung mit Laserlicht an der Haut Bescheid weiß, desto besser ist das zu erwartende Ergebnis. Dazu gehört es auch, gegebenenfalls die Erfahrung mitzuteilen, dass die gehegte Verbesserung des Erscheinungsbildes aus diversen Gründen im vorliegenden Fall nicht den Erwartungen entsprechen wird. Dies erfordert gelegentlich auch, von einer solchen Behandlung abzuraten: Primum nil nocere!

Lasersysteme in der Dermatologie
Laser
Wellenlänge
Farbe des LichtsHäufigste
Indikationen
Seltene, aber häufigste unerwünschte Nebenwirkungen
KTP
Variabler Puls
532 nm
grün Teleangiektasien, Couperose,
kleine Angiome, Lippenangiome, seborrhoische Warzen,
kleine Fibrome, Xanthelasmen,
Syringome
Verbrennungen, Narben, Hyperpigmentierung, Hypopigmentierung
KTP
Gütegeschaltet
532 nm
grün Rote Tätowierungen Verbrennungen, Narben, Hyperpigmentierung, Hypopigmentierung
FPDL
Farbstofflaser
585 nm, 595 nm
gelb-orange Nävi flammei,
arachnoidale Couperose, Hämangiome, Viruswarzen, Dellwarzen, Condylomata acuminata
Passagere Purpura, Blasenbildung, Hypopigmentierung, Hyperpigmentierung
Rubinlaser
694 nm
gütegeschaltet
rot Pigmentvermehrung, aktinische Lentigines, Nävus Ota,
dunkle Tätowierungen, Permanent-Make-up
Hypopigmentierung, Hyperpigmentierung
Alexandrit
Langgepulst
755 nm
rot Pigmentvermehrung, aktinische Lentigines, Nävus Ota,
dunkle Tätowierungen, Permanent-Make-up
Hypopigmentierung, Hyperpigmentierung
Alexandrit
Langgepulst
755 nm
rot Haarreduktion (dunkle Haare) Hypopigmentierung, Hyperpigmentierung
Diodenlaser
800 nm, 810 nm
dunkel-rot Haarreduktion (dunkle Haare) Hypopigmentierung, Hyperpigmentierung
Nd-YAG
gütegeschaltet
1.064 nm
nah-infrarot Pigmentvermehrung, aktinische Lentigines, Nävus Ota,
dunkle Tätowierungen, Permanent-Make-up
Verbrennungen, Narben, Hyperpigmentierung, Hypopigmentierung
Nd-YAG
langgepulst
1.064 nm
nah-infrarot Fibrome, Hämangiome, Besenreiser Verbrennungen, Narben, Hyperpigmentierung, Hypopigmentierung
Er-YAG
2.892 nm
infrarot Ablativ: Resurfacing,
Langgepulst: Narben
Verbrennungen, Narben, Hyperpigmentierung, Hypopigmentierung
CO2
10.600 nm
fern-infrarot Ablativ: Resurfacing, Lichtskalpell Verbrennungen, Narben, Hyperpigmentierung, Hypopigmentierung
Fraktionierte Laser
Verschiedene Wellenlängen
  In fraktionierter Weise immer das, was der Laser sonst kann;
Oberflächen-rekonstruktion, Hautstruktur-verbesserung
Verbrennungen, Narben, Hyperpigmentierung, Hypopigmentierung
In der Dermatologie finden diese Lasersysteme besonders häufig Verwendung. Ihre Einsatzgebiete sind schmal.

Von Prof. Dr. Daisy Kopera, Ärzte Woche 39 /2010

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