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Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) und Vorstand der Abteilung für Dermatologie am Wiener Donauspital SMZ Ost
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Heuer findet die Jahrestagung in Wien statt.

 
Dermatologie 7. September 2010

„Dermatology down under“ bei der Jahrestagung der ÖGDV

Diesmal blicken Österreichs Dermatologen bis ans andere Ende der Welt.

Bald steht wieder die Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) vor der Tür. Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer verrät im Gespräch mit hautnah, was vom 19. bis 21. November in der Wiener Akademie der Wissenschaften alles geboten wird.

Wie viele Besucher erwarten Sie heuer?

 

Beatrix Volc-Platzer: Aufgrund des hochaktuellen Programms erwarten wir mindestens 500 bis 600 Teilnehmer.

 

Ein Schwerpunkt wurde wieder auf die onkologische Dermatologie gesetzt.

 

BVP: Es gibt so viele neue und spannende Erkenntnisse zur Tumorentstehung, beispielsweise beim häufigen Basaliom (oder Basalzellkarzinom) und beim selteneren Merkelzellkarzinom. Durch detaillierte Kenntnisse der Signalübertragung mittels „Hedgehog“- und nachgeschalteter Elemente ergeben sich neue Therapieansätze. Das ist das Thema des Vortrag von Prof. Dlugosz aus Ann Arbor.

Das Merkelzellkarzinom ist erst kürzlich wieder mehr in den Mittelpunkt des dermatologischen Interesses gerückt. Der neue Vorstand der Abteilung für Allgemeine Dermatologie der Grazer Universitätshautklinik, Prof. Jürgen Becker, wird über die Rolle von Polyomaviren bei der Entstehung des Merkelzellkarzinoms sprechen und über das zu erwartende Zunehmen auch dieses Tumors bei Immunsupprimierten und Patienten mit Organtransplantaten.

Die Entwicklung von therapeutischen Impfungen für die adjuvante Therapie des Melanoms darf nicht fehlen, wobei Dr. Peeters aus Rixensart, Belgien, über neue Adjuvantien für derartige Impfstoffe sprechen wird.

Neu ist in unserem Programm, dass in unmittelbarem Zusammenhang mit den Vorträgen zu grundlegenden Erkenntnissen in der Tumorentstehung und der Therapieentwicklung über laufende klinische Studien berichtet werden wird – beim Basalzellkarzinom ebenso wie beim Melanom.

 

Auf welche weiteren Themen dürfen wir heuer gespannt sein?

 

BVP: Genauso wichtig wie die Dermatoonkologie sind uns Themen, die auch im niedergelassenen Bereich von zunehmender Bedeutung sind. Dem wird im Symposium „Kinderdermatologie“ Rechnung getragen, wo neben unseren österreichischen Experten auch Frau Prof. Fölster-Holst aus Kiel sprechen wird. Sie ist eine der führenden Kinderdermatologinnen im deutschsprachigen Raum.

Die „Neuen und bedrohlichen Krankheitsbilder“ umfassen heuer Morbus BehÇet, Arzneimittelreaktionen, MRSA und Purpura fulminans, nicht unbedingt oder noch nicht häufige Krankheitsbilder, bei denen aber die rechtzeitige Erkennung durch Dermatologen unter Umständen lebensrettend sein kann. „Infektionen und Dermatologie“ wird heuer das Thema des Vorkongresses sein.

Freuen dürfen wir uns natürlich auch auf die traditionellen Festvorträge. Für die Hebra-Vorlesung konnten wir Prof. Richard Granstein aus New York gewinnen, gewissermaßen den „Vater“ der Forschungsrichtung der „Neuroimmunodermatologie“. Er wird über die Haut unter Stress sprechen. Frau Prof. Annamari Ranki wird in der Plenck-Vorlesung über die Rolle des Zufallsprinzips bei der Aufklärung von Tumorentstehung sprechen und damit den Schlusspunkt unter das Thema der Dermatoonkologie setzen.

 

Wo orten Sie besonderen Informationsbedarf unter den Dermatologen?

 

BVP: Die Kenntnis neuer Behandlungsmöglichkeiten auch seltener Erkrankungen wie des hereditären Angioödems ist für den Dermatologen unabdingbar, nicht zuletzt um dem Kostenträger Therapieentscheidungen zielsicher argumentieren zu können. Das ist ein Aspekt unseres fachlichen Wissens, der häufig noch unterschätzt wird!

Dazu gehört auch Wissen um die Beiträge, die die Grundlagenforschung auf dem Gebiet seltener Erbkrankheiten leistet und die in die Entwicklung von Therapien einfließen, die unter Umständen sogar weit größeren Patientengruppen zugutekommen kann.

 

Dieses Jahr gibt sich die ÖGDV ja internationaler als sonst und hat das Australasian College of Dermatologists eingeladen: Wie kam es dazu?

 

BVP: Prof. Hans-Peter Soyer aus Graz und Prof. Wolfgang Weninger aus Wien haben vor einigen Jahren den „Sprung über die Ozeane“ gewagt und leitende Positionen in der australischen Dermatologie angenommen. Wir sind natürlich stolz darauf, dass zwei unserer Mitglieder die österreichische Dermatologie im Ausland vertreten! Grund genug, unsere Kollegen vom Australasian College of Dermatologists zu unserer Jahrestagung einzuladen, nicht nur als Zuhörer, sondern auch aktiv. Prof. Soyer wird über das „Universum melanozytärer Läsionen“ sprechen, und Prof. Weninger wird uns das „Intratumorale Verhalten von T-Lymphyozyten“ im wahrsten Sinn des Wortes vor Augen führen.

Wer sich einen Einblick in die „Dermatology down under“ verschaffen will, dem sei das Nachmittagssymposium mit dem gleichnamigen Titel ans Herz gelegt.

 

Ist das der Beginn einer neuen Tradition: einzelne ausländische Gesellschaften einzuladen?

 

BVP: Die Internationalität der Jahrestagung ist in dieser Form neu, könnte aber durchaus als Modell für zukünftige Veranstaltungen dienen – wer weiß …

 

Erstmals wird bei der ÖGDV-Tagung das DigiVoting eingesetzt. Was erwarten Sie sich davon?

 

BVP: Das Digivoting hat sich bereits bestens bei anderen Veranstaltungen bewährt und wird bald als Instrument der zeitnahen Wissenüberprüfung nicht mehr wegzudenken sein – ganz abgesehen vom Lerneffekt für die Präsentatoren der „lehrreichen Fälle“ bei der Zusammenstellung der Fragen.

 

Ein dicht gedrängtes Programm.

 

BVP: Wer nun zuletzt zu dem Schluss kommt, wir würden im heurigen Programm keinen Platz für zentrale Themen unseres Fachgebiets wie Neurodermitis, Psoriasis, Akne und Hautpflege oder Allergologie haben, der irrt allerdings: Wir dürfen unsere Kollegen hiermit auf die zahlreichen und beliebten Lunch- und Nachmittagssymposien hinweisen, in denen ebenfalls Neues und Pragmatisches zu hören sein wird!

Einen Nachteil hat die Jahrestagung: Sie müssen sich Zeit nehmen, aber Sie werden nicht enttäuscht werden. Und zu guter Letzt ist für die Entspannung und für den informellen Gedankenaustausch in entsprechendem Rahmen gesorgt: beim Begrüßungsempfang in der Aula der Wissenschaften und beim Galaabend im Naturhistorischen Museum!

Programm und Anmedlung unter:  http://www.oegdv.at/

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