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Dermatologie 7. September 2010

Hautschutz zum Essen

Kutane Effekte von Leinsamen- und Borretschsamenöl nach oraler Applikation.

Durch den Verzehr von Leinsamen- oder Borretschsamenöl verbessern sich die Barriere, die Sensitivität und die Oberflächenstruktur der Haut von Frauen mit trockener, sensitiver Haut.

Die Haut ist die äußere Barriere unseres Körpers und dient unter anderem der Aufrechterhaltung der Wasserhomöostase. Zur Erfüllung dieser Aufgabe ist sie auf eine ausgewogene Zufuhr von essenziellen Nährstoffen angewiesen.

Lipide spielen eine entscheidende Rolle bei der Funktion der Hautbarriere. Zur Erfüllung der Aufgabe sind im Stratum Corneum proteinreiche Korneozyten in eine lipidreiche, strukturell außergewöhnliche Lipidmatrix eingebettet. Lipide der extrazellulären Matrix sind vor allem Ceramide, freie Fettsäuren und Cholesterol, die die Wasser- und Elektrolythomöstase aufrechterhalten. Fettalkohole, Monoglyceride, Sphingolipide, Phospholipide und manche freie Fettsäuren haben antimikrobielle Wirkungen. [1]

Endogene Wirkung von Pflanzenöl

Auch mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind von Bedeutung, so ist z. B. das Ceramid 1 meist mit Linolsäure verestert. Diskutiert wird auch, dass ω-3-Fettsäuren das Entzündungsgeschehen der Haut beeinflussen. Arachidon- und Eikosapentaensäure konkurrieren als Substrate der Cyclooxygenasen und Lipoxygenasen. Eikosa pentaensäure begünstigt im Körper die Entstehung inflammatorisch weniger aktiver Verbindungen der Prostaglandin- und Leukotrienreihe. [2, 3, 4]

Durch Veränderungen in der Konzentration sowie der chemischen Zusammensetzung der Hautlipide kann es zu Störungen der Hautbarriere kommen. [5]

Heute werden zahlreiche topische Formulierungen zur Vermeidung oder Verminderung einer gestörten Hautbarriere angeboten. Neuere Studien beschäftigen sich mit der endogenen Wirkung von Nährstoffen, zu denen auch Öle, die reich an ω-3- oder ω-6-Fettsäuren sind, zählen.

Untersuchungsziel einer neuen Studie war es, die kutanen Effekte nach Verzehr bestimmter Pflanzenöle zu ermitteln. Es zeigt sich, dass sich durch Verzehr von Leinsamen- oder Borretschsamenöl die Barriere, die Sensitivität und die Oberflächenstruktur der Haut von Frauen mit trockener, sensitiver Haut verbesserten. [6]

2,2 Gramm Öl pro Tag

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Verena N. / pixelio.de

Die tägliche Zufuhr betrug rund 2,2 g Öl während zwölf Wochen. Das Probandenkollektiv wurde in drei Gruppen eingeteilt, von denen zwei das jeweilige Verum und eine ein Placebo erhielt.

Leinsamenöl ist reich an α-Linolensäure, Borretschsamenöl an γ-Linolensäure. Beide Fettsäuren gehören zu den essenziellen mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Sie enthalten 18 Kohlenstoffatome und drei Doppelbindungen. Der Unterschied der Verbindungen liegt in der Position der Doppelbindungen. Gezählt vom Methylende des Moleküls befindet sich die erste Doppelbindung bei der α-Linolensäure zwischen dem dritten und vierten C-Atom, es handelt sich um eine ω-3-Fettsäure. Bei der γ-Linolensäure befindet sich die erste Doppelbindung zwischen dem sechsten und siebenten C-Atom, es handelt sich entsprechend um eine ω-6-Fettsäure.

Messungen zur Sensitivität, zur Hydration, zum transepidermalen Wasserverlust (TEWL) und zur Oberflächenstruktur waren wichtige Parameter, um Veränderungen der Hautbarriere zu ermitteln. Ergänzend wurden Messungen zur Resorption der Öle nach dem Verzehr durch Untersuchungen des Fettsäuremusters im Plasma der Probandinnen durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass die Öle gut resorbiert wurden, da der Anteil an α-Linolensäure in der Leinsamenölgruppe und der Anteil an γ-Linolensäure in der Borretschsamenölgruppe zunahmen.

Eine Veränderung in den längerkettigen Fettsäuren, wie Eikosapentaensäure oder Dokosahexaensäure, wurde nicht beobachtet.

Weniger sensitiv

Die Hautsensitivität wurde mittels Nikotinattest untersucht. Dabei wurde die Reaktivität der sensitiven Haut auf exogene Noxen ermittelt. Durch topische Applikation einer Nikotinatlösung wurde eine primäre Immunantwort in der Haut ausgelöst, welche sich durch eine Hautrötung und einen erhöhten Blutfluss zeigten. Im Verlauf der Studie verminderte sich die Neigung zur Hautreizung in beiden Verumgruppen. Besonders deutlich war der Effekt in der Leinsamengruppe. Nach zwölf Wochen verminderte sich die induzierte Hautrötung um 45 Prozent, der Messwert zum Blutfluss um 82 Prozent. In der Borretschölgruppe verminderten sich die Werte um 35 Prozent (Rötung) sowie 34 Prozent (Blutfluss).

Wichtige Untersuchungsparameter zur Charakterisierung der Hautbarriere sind die Ermittlung des TEWL und der Hauthydration. Bei der Bestimmung dieser Parameter zeigte sich die gleiche Tendenz wie bei der Sensitivitätsmessung. Der TEWL war in der Leinsamenölgruppe im Verlauf der Studie um 26 Prozent verringert. Die Hydration erhöhte sich um 19 Prozent. In der Borretschölgruppe war der TEWL um elf Prozent verringert, die Hydration um 17 Prozent erhöht. Veränderungen in der Hautbarriere zeigten sich auch in der Oberflächenstruktur der Haut. Nach Gabe der Öle waren insbesondere die Neigung der Haut, Schuppen zu bilden, sowie die Rauigkeit geringer. Ermittelt wurden die Daten mithilfe des SELS-Verfahrens (SELS = Surface evaluation of living skin). Die Schuppigkeit in der Leinsamenölgruppe nahm durchschnittlich um 35 Prozent, die Rauigkeit um 34 Prozent ab, in der Borretschsamenölgruppe nahm die Schuppigkeit um 27 Prozent, die Rauigkeit um 15 Prozent ab.

Diese Daten zeigten, dass die Hautbarriere sowie die Neigung der Haut, auf exogene Noxen zu reagieren, durch die Gabe von geringen Mengen an Leinsamen- oder Borretschsamenöl über einen kurzen Zeitraum moduliert werden.



Silke De Spirt
Institut für Biochemie und Molekularbiologie I, Medizinische Fakulät, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Postfach 101007, 40001 Düsseldorf, Deutschland

Ulrike Heinrich
Institut für Experimentelle Dermatologie, Universität Witten-Herdecke, Alfred-Herrhausen-Str. 44, 58455 Witten, Deutschland

Literatur:

[1] Feingold KR: The outer frontier: the importance of lipid metabolism in the skin. J. Lipid Res. 2009; 50 Suppl: S417-22.

[2] Wartewig S, Neubert RHH: Properties of ceramides and their impact on the stratum corneum structure: a review. Part 1: ceramides. Skin Pharmacol. Physiol. 2007; 20: 220–229.

[3] Ziboh VA, Miller CC, Cho Y: Metabolism of polyunsaturated fatty acids by skin epidermal enzymes: generation of antiinflammatory and antiproliferative metabolites. Am. J. Clin. Nutr. 2000; 71: 361S-6S

[4] Wolters M: Diet and psoriasis: experimental data and clinical evidence. Br. J. Dermatol. 2005; 153: 706–714.

[5] Jungersted JM, Hellgren LI, Jemec GBE, Agner T: Lipids and skin barrier function--a clinical perspective. Contact Derm. 2008; 58: 255–262.

[6] De Spirt S, Stahl W, Tronnier H, Sies H, Bejot M, Maurette J-M, Heinrich U: Intervention with flaxseed and borage oil supplements modulates skin condition in women. Br. J. Nutr. 2009 101:440–445

Silke De Spirt, Ulrike Heinrich, hautnah 3/2010

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