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Foto: Krankenhaus der Elisabethinen, Linz
Prim. Doz. Dr. Georg Klein Leiter der Abteilung für Dermatologie, KH der Elisabethinen in Linz
 
Dermatologie 8. Juni 2010

"Uns ist es nie abgegangen"

Kontaktekzeme auf Bufexamac werden oft als Neurodermitisschub fehlinterpretiert.

Wie sehen Sie die Empfehlung der EMA, die Zulassung für Bufexamac zu widerrufen?

Klein: Fachlich betrachtet ist das nur zu begrüßen! Der Erfolgsnachweis ist eigentlich nie richtig erbracht worden. Es gibt schon Studien, die sind aber eher schwach. Sicher ist aber, und das hat sich in verschiedenen Zentren gezeigt, dass Bufexamac häufig Kontaktallergien verursacht. Wir sehen natürlich immer eine selektionierte Patientenklientel, aber wenn es zu Kontaktsensibilisierungen kommt, dann sind das in aller Regel sehr schwere. Das ist bedeutsam, weil man bei Patienten mit Neurodermitis oft nicht unterscheiden kann: Ist das jetzt ein Schub oder ist das eine Medikamentennebenwirkung? Häufig wird dann die Medikamentenreaktion, also das Kontaktekzem auf Bufexamac, als Neurodermitisschub fehlinterpretiert, und der Patient schmiert dann erst recht das drauf, was die Haut schädigt.

Wurden solche Präparate denn noch häufig verwendet?

Klein: Von praktischen Ärzten schon. Von Dermatologen auch, aber seltener. An meiner Abteilung verwenden wir es prinzipiell nicht: Ich glaube, es ist bei uns kein einziges Mal verordnet worden, und es ist uns auch nie wirklich abgegangen.

Wie kommt es dann, dass es weiterhin verschrieben wurde?

Klein: Da gibt es halt Interessen, die dahinter stehen. Das, was als großer Vorteil gegenüber anderen Medikamenten hervorgehoben wurde, war, dass es sich um eine kortisonfreie, entzündungshemmende Präparation handelte. In Zeiten der Kortisonphobie ist das wohl noch besser gelaufen.

Bereits bevor die Empfehlung abgegeben wurde, die Zulassung zu widerrufen, hat es also schon keinen Grund gegeben, das Mittel zu verwenden, weil es immer andere Medikamente mit nachgewiesenermaßen besserer Wirksamkeit gegeben hat?

Klein: Genau. Das ist aus meiner Sicht auf jeden Fall so.

 

Das Gespräch führte Mag. Patricia Herzberger

Lesen Sie dazu auch "Aus für Neurodermitis-Salbe" .

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