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Foto: Ärzte Woche
 
Dermatologie 30. April 2010

Editorial - hautnah 2/2010

Zu viel des Guten?

Liebe Leserinnen und Leser,

Im Februar 1890 wurde die „Wiener Dermatologische Gesellschaft“ von Moriz Kaposi gegründet und kaum einen Monat später fand bereits die erste Tagung statt, wobei diese Treffen damals nur wenige Stunden dauerten und etwa jeden zweiten Mittwoch um 17 Uhr abgehalten wurden. Zwei Jahre später fand unter Kaposis Vorsitz der II. Internationale Kongress für Dermatologie statt – ein Höhepunkt seiner Karriere.

Nicht alle Fachleute zeigten sich damals jedoch erfreut über die wachsende Zahl an Kongressen, zu denen die medizinischen Gesellschaften luden, wie zwei Leserbriefe aus der Zeitschrift Archiv für Dermatologie und Syphilis1 aus dem Jahr 1890 belegen. „Wie wird man die Geister, die man entfesselt, wieder los?“, fragte sich Prof. Schwimmer besorgt. „Was soll man mit den vielen Jahres-Congressen beginnen? Welchen soll man besuchen, welchen übergehen?“ Er prophezeite: „Die Congresse werden, wenn in solcher Weise cumulirt, dazu führen, dass das Interesse für selbe erlahmt und dass der Besuch derselben allmälig ein immer schwächerer werden muss.“ In dieselbe Kerbe schlug auch Prof. Neisser: „Wie verhalten wir uns gegenüber den Schwierigkeiten, welche den Dermatologen durch den plötzlichen Ueberfluss von Special-Versammlungen erwachsen? Ist nicht zu befürchten, dass die Quantität von Congressen die Qualität ihrer Leistungen schädigt?“ Und weiter: „Der Reiz aber – oder der Zwang – auf allen diesen Congressen mit Vorträgen vertreten sein zu wollen, muss das Niveau der Arbeiten gewiss ungünstig beeinflussen.“

120 Jahre später zeigt sich die Dermatologie allerdings als äußerst fruchtbarer Fachbereich: von Erlahmung keine Spur!

Mag. Patricia Herzberger

1 Archives of Dermatological Research auf www.springerlink.com

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