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Prof. Dr. Matthias Schmuth Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie, Innsbruck
 
Dermatologie 30. April 2010

Neue Therapieansätze bei Störungen der Hautbarriere

Der neu bestellte Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie in Innsbruck, Prof. Dr. Matthias Schmuth, über einen Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit: die Hautbarriere als Schnittstelle zwischen Lipidstoffwechsel, epidermaler Differenzierung und Immunsystem.

„In den letzten Jahren hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden, primäre Störungen der Hautbarriere erweisen sich vermehrt als Krankheitsursachen. Die Haut bildet nicht nur eine biophysikalische Barriere gegenüber der Umwelt, sondern es besteht auch ein Wechselspiel zwischen Zellen der Epidermis und des Immunsystems“, referierte Prof. Schmuth. Ein Großteil der Barrierefunktion liegt in der Epidermis, einem geschichteten, verhornten Plattenepithel, deren Hauptzellen zu 90 Prozent Keratinozyten sind.

Nicht nur die Keratinozytendifferenzierung und der epidermale Lipidmetabolismus, sondern auch das Immunsystem der Haut sind für eine ausgeglichene Homöostase der Hautbarriere entscheidend. Sie reagiert auf jegliche Signale der Umwelt empfindlich wie ein Biosensor, der bei drohender Gefahr Mediatoren ausschüttet, die einerseits eine Warnfunktion haben und anderseits Abwehr- und Reparaturfunktionen wahrnehmen.

Weitere Schutzeigenschaften

Einige Aspekte der Barrierefunktion werden nicht direkt an der Grenze zur Umwelt im Bereich der äußersten Hautschicht, der Hornschicht, sondern in tiefer gelegenen Hautschichten wahrgenommen. Integriert in die epitheliale Architektur der Epidermis finden sich neben den Keratinozyten und den Langerhanszellen auch Pigmentzellen und Nervenzellen. Darüber hinaus bieten das dermale Bindegewebe und das subkutane Fettgewebe eine mechanische Integrität und Wärmeisolierung. Das heißt: Im weiteren Sinne deckt die Gesamtheit der Zell- und Gewebszusammensetzung in synergistischer Weise die Vielfalt der Schutzeigenschaften der Haut ab.

Genetische Ursachen für eine Barrierestörung

In den letzten Jahren wurden genetische Veränderungen für eine Reihe von Hautkrankheiten entdeckt, die eine Barrierestörung zur Folge haben. Dazu zählt die Gruppe der Ichthyosen. Ein Beispiel dafür ist die Ichthyosis vulgaris, die durch Trockenheit und übermäßige Schuppung der Haut gekennzeichnet ist. Es ist die häufigste Form der Ichthyosis.

„Es konnte nachgewiesen werden, dass eine Mutation im Filaggrin-Gen die Ursache für diese Barrierestörung ist. Filaggrin ist ein stark basisches Protein, das für die Keratinozytendifferenzierung eine wichtige Rolle spielt. Bedingt durch einen Mangel an Filaggrin wird die Hautbarriere durchlässiger. Infolge dessen kann es zu Hautentzündungen kommen, und in Wechselwirkung wird die Hautbarriere weiter beeinträchtigt“, erklärt Prof. Schmuth, zu dessen wissenschaftlichen Schwerpunkten auch die Dermato-Pharmakologie zählt.

Eine Mutation im Filaggrin-Gen ist auch für die Entzündung und Schuppung bei der atopischen Dermatitis verantworlich, eine Erkrankung, von der vor allem Kinder, etwa eine Fünftel in Europa, und Jugendliche betroffen sind. Die Krankheit geht vielfach mit Heuschnupfen und Asthma einher. „Da jedoch nur ein Teil der Betroffenen mit Ichthyosis vulgaris und mit einer Mutation des Filaggrin-Gens Entzündungen aufweist, ist es wahrscheinlich, dass weitere genetische- und Umweltfaktoren in der Entstehung der atopischen Dermatitis mitspielen“, sieht Schmuth einen weiteren Forschungsbedarf. Ebenso gibt es Hinweise, dass verwandte Gendefekte auch bei der Psoriasis vorliegen.

Neue Therapieansätze

Eine kausale Behandlung ist derzeit nicht möglich. Bei milderen Ichthyosen genügen keratolytische Massnahmen, wie Salizylsäure, Milchsäure, Kochsalz, Harnstoffsalben und rückfettende Bäder. Für die Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen sind neue Substanzen vielversprechend, die nukleäre Hormonrezeptoren modulieren. Zu der Familie der Hormonrezeptoren zählen die bereits bewährten Corticosteroid- und Retinoidrezeptoren, sowie Vitamin-D-Rezeptoren.

Weitere, erst kürzlich näher charakterisierte, Mitglieder der Rezeptorfamilie sind die Peroxisome Perliferator Activated Rezeptoren (PPAR). Sie haben den Vorteil, dass sie sowohl antientzündlich wirken als auch die Keratinozytendifferenzierung und den epidermalen Lipidstoffwechsel positiv beeinflussen. „Pharmaka mit derart kombinierten Wirkmechanismen könnten die Funktion der Hautbarriere und das Zusammenspiel ihrer verschiedenen Komponenten besonders gezielt beeinflussen“, erwartet Schmuth neue Therapiemöglichkeiten.

Bericht im Rahmen der Frühjahrstagung der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie: „Dermatologie in Zentraleuropa, Stolze Vergangenheit, Herausfordernde Zukunft“

Dr. Gerta Niebauer, hautnah 2/2010

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