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Foto: flickr.com / russeljsmith
Die Wirksamkeit der topischen Therapie mit Minoxidil-Lösung ist gut dokumentiert.
 
Dermatologie 30. April 2010

Evidenzbasierte Strategie gegen androgenetische Alopezie

Eine breite Palette an therapeutischen Optionen und ein unüberschaubares Angebot an kosmetischen Mitteln gegen Haarausfall macht es schwierig, Präparate, deren Wirksamkeit nach evidenzbasierten Kriterien überprüft wurde, von nicht oder nicht ausreichend auf Wirksamkeit getesteten Mitteln zu unterscheiden.

Um Transparenz zu schaffen, hat eine interdisziplinäre Expertengruppe der deutschen Gesellschaft für Dermopharmazie eine Stellungnahme erarbeitet, die anlässlich der 14. Jahrestagung der Gesellschaft im März 2010 in Berlin vorgestellt wurde. Federführend war Prof. Dr. Hans Wolff von der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Wissenschaftlich gut dokumentiert sind demnach lediglich die systemische Therapie mit Finasterid bei Männern sowie die topische Therapie mit rezeptfrei in der Apotheke erhältlicher Minoxidil-Lösung, die für Männer in fünf- und für Frauen in zweiprozentiger Konzentration zur Verfügung steht. Die Wirksamkeit der topischen Therapie mit Minoxidil-Lösung konnte in mehreren kontrollierten Studien bei betroffenen Männern und Frauen belegt werden. Bei Frauen mit erblich-hormonellem Haarausfall können darüber hinaus bestimmte verschreibungspflichtige systemische Hormonpräparate zum Einsatz kommen.

Apothekern wird geraten, betroffene Kunden an Dermatologen zu verweisen: „Lehnt der Betroffene dies jedoch ab, kann ein Apotheker, wenn er sich der evidenzbasierten Medizin verpflichtet fühlt, eigentlich nur Minoxidil-Lösung empfehlen“, so Wolff. Denn alle anderen verfügbaren Präparate seien entweder verschreibungspflichtig oder nicht hinlänglich auf Wirksamkeit geprüft beziehungsweise für unwirksam befunden worden.

Zur Sicherung der Therapietreue sollten Ärzte und Apotheker die Patienten darüber informieren, dass es sich bei der Behandlung der androgenetischen Alopezie um eine Dauertherapie handelt, die frühestens nach Monaten zu ersten Effekten führt. Vor einer Therapie mit Minoxidil-Lösung müsse über das Shedding aufgeklärt werden, also einen verstärkten Haarausfall in der Anfangsphase der Behandlung. „Das müssen die Patienten unbedingt wissen. Sonst brechen sie möglicherweise die Therapie ab, obwohl sie in Wirklichkeit gut darauf angesprochen haben“, so Wolff.

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