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Abb. 1: Schmierig belegtes, übel riechendes Ulcus cruris venosum

Abb.2: Ulcus cruris venosum nach Anwendung von Medihoney® für 2 Wochen (Kompressionstherapie wurde durchgeführt)

 
Dermatologie 7. April 2010

Medizinischer Honig

Wiederentdeckung des Honigs in der Wundbehandlung

Vor mehr als 4000 Jahren wurde Honig bereits zur Behandlung von infizierten Wunden verwendet; sowohl in Schriften der Weltreligionen als auch in schriftlichen Zeugnissen der alten Kulturen – Ägypter, Chinesen, Griechen und Römer – gibt es Hinweise auf Honiganwendungen in der Medizin. Die Verwendung von Honig in der Wundbehandlung der russischen Soldaten im ersten Weltkrieg wird ebenso in der medizinischen Literatur erwähnt. Mit der Entdeckung der Antibiotika wurde der Honig im Einsatz bei infizieren Wunden zurückgedrängt. Im klinischen Alltag kam es in jüngerer Zeit zu vermehrtem Auftreten von Antibiotikaresistenzen, sodass die Honigtherapie in der Wundbehandlung wieder mehr in den Mittelpunkt der Untersuchungen gerückt wurde und eine gewisse Renaissance erlebt.

Wirkmechanismen von Honig in der Wundbehandlung

Es konnte in zahlreichen Studien in vitro und in vivo gezeigt werden, dass medizinischer Honig sowohl gegen aerobe und anaerobe, grampositive als auch gramnegative Bakterien, inklusive gegen MRSA, VRE, ESBL und Pseudomonas aeruginosa, aber auch gegen Pilze und Viren keimreduzierend wirkt. Bisher wurde über keine Resistenzentwicklungen berichtet. Abgesehen von dieser Wirkung werden noch andere wundheilungsfördernde Wirkmechanismen beschrieben. Die osmotische Aktivität des hohen Zuckergehaltes im Honig verhindert das Bakterienwachstum, indem den Keimen Wasser entzogen wird. Durch Entzug von Lymphe und Blutplasma aus dem Wundgebiet entsteht ein stetiger Flüssigkeitsstrom mit Reinigung der Wunde und Aufrechterhaltung eines feuchten Wundmilieus. Der Honig wird durch das Wundsekret verdünnt, und es entstehen niedrige Konzentrationen von Wasserstoffperoxid, welche das Bakterienwachstum hemmen, aber keine toxische Wirkung auf die Wundheilung ausüben. Die in Wundsekreten enthaltenen proteolytischen Enzyme werden ebenso durch das Wasserstoffperoxid aktiviert, und der Spüleffekt (osmotische Aktivität) führt zum Ersetzen der verbrauchten Enzyme. Zusätzliche antibakterielle Komponenten im Honig wie z. B. die phytochemische Komponente im neuseeländischen Manukahonig UMF® (Unique Manuka Factor) führen zur wasserstoffperoxidunabhängigen antibakteriellen Wirkung.

Immunmodulierende Wirkung

Weiters kommt es zu einer immunmodulierenden Wirkung: T- und B-Lymphozyten werden zur Proliferation angeregt, Zytokine, TNF-α, Interleukin 1 und -6 werden vermehrt ausgeschüttet. Die antiinflammatorische Wirkung des Honigs besteht darin, dass im Honig Antioxidantien enthalten sind, die die freien Sauerstoffradikale neutralisieren. Durch Anregung von Kollagensynthese als auch Angiogenese kommt es zusätzlich zur Förderung der Wundheilung. Der üble Geruch von chronischen Wunden weist auf eine bakterielle Besiedelung hin. Honig wirkt geruchsmindernd, einerseits durch die Reduktion der Bakterien, andrerseits durch Umstellung des Bakterienstoffwechsels. Die Umstellung des Bakterienstoffwechsels auf Glykolyse verhindert die Entstehung von Stoffwechselprodukten aus Proteinen, die den üblen Geruch bewirken.

Medizinischer Honig

Medizinischer Honig in der Wundbehandlung angewandt, bewirkt eine Reduktion von Entzündung, Ödem, Schmerzen und üblem Geruch, sowie Steigerung der antibakteriellen Aktivität, Verstärkung des autolytischen Debridements, der Granulation und Epithelialisierung. Es sollte berücksichtigt werden, dass speziell für die Wundbehandlung zugelassene Honigprodukte verwendet werden, da natürliche Honige eine unterschiedliche Zusammensetzung und damit Wirkpotential haben, Rückstände von Pestiziden oder Antibiotika enthalten können, wie auch vermehrt Pollenrückstände. Kommerziell hergestellter medizinischer Honig hat eine definierte Zusammensetzung und ist durch Gammabestrahlung sterilisiert – unter Erhaltung der Enzymaktivitäten und Zerstörung von Sporenbildnern; außerdem haben diese Produkte die CE-Zertifizierung als Medizinprodukt.

Geringe Nebenwirkungen

Das Nebenwirkungspotential von Honig ist an sich sehr gering. Bisher sind allergische Reaktionen auf topisch applizierten Honig nicht beschrieben. Eine allergische Reaktion auf spezifische in Honig enthaltene Pollen oder auf Bienenproteine ist selten möglich. Medizinischer Honig in reiner Qualität wird hingegen durch feine Filter gepresst, um den Großteil der Pollen zu eliminieren. Ein Diabetes mellitus ist keine Kontraindikation für die Anwendung von medizinischem Honig, da bisher keine nennenswerten Blutzuckererhöhungen beschrieben wurden. Bei großflächigen Wunden sind dennoch regelmäßige Blutzuckerkontrollen zu empfehlen.

Indikationen von medizinischem Honig

Die Indikationen für medizinischen Honig sind Wundhöhlen und Fisteln, nekrotische, belegte oder infizierte Wunden, ebenso Ulcera crures, Dekubitalulzera, Verbrennungen oder auch Spalthautentnahme- und -transplantationsstellen. Bestimmte Honigarten sind sicherlich geeignet, in der Wundtherapie v. a. auch bei chronischen Wunden eingesetzt zu werden. Nur sollte man wie bei allen derzeit angebotenen Wundauflagen die Anwendungsindikation überlegt stellen. Die klinische Erfahrung zeigt, dass die Verabreichung von Honig auf chronische Wunden vom Patienten gut angenommen wird. Es kann zwar nach Applikation desselben zu vorübergehend stechenden Schmerzen kommen (bedingt durch den osmotischen Effekt und durch die Verschiebung des pH-Wertes in den sauren Bereich), diese Schmerzen lassen aber bald nach. Wichtig für den Alltag in der Anwendung ist ein ausreichendes Sekretmanagment, d. h. entsprechend der Exsudatmenge sind sowohl Sekundärverband als auch die Verbandswechselintervalle anzupassen. Grundsätzlich kann medizinischer Honig bis zu sieben Tagen belassen werden.

Zusammenfassung

Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass die Anwendung von medizinischem Honig eine gute Alternative zu bisher bekannten und verwendeten Wundbehandlungen darstellt. Dass diese Form des Wundmanagements in allen Wundstadien (Abb.1 und 2) angewandt werden kann, stellt unter anderem eine Erleichterung in der Form dar, dass kurzfristige, regelmäßige Arzt- bzw. Ambulanzbesuche reduziert werden können. Die gute Wirkung bei belegten und/oder infizierten Wunden ist sicherlich von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Literatur

 

1 Dunford CE, Hanano R (2004) Acceptability to patients of a honey dressing for non-healing venous leg ulcers. J Wound Care 13: 193-197.

2 Molan PC (2006) The evidence supporting the use of honey as a wound dressing. Int J Low Extrm Wonds 5: 40-54.

3 Gethin G, Cowmann S (2009) Manuka honey vs hydrogel – a prospective, open leabel, multicentre, randomised controlled trial to compare desloughing efficacy and healing outcomes in venous ulcers. J Clin Nurs 18: 466-474.

4 Robson V, Dodd S, Thomas S. (2009) Standarized antibacterial honey (MedihoneyTM) with standard therapy in wound care: randomized clinical trial. J Adv Nurs 65: 565-575.

5 Sharp A (2009) Beneficial effects of honey dressings in wound management. Nurs Stand 24: 66-68, 70, 72 passim.

Zur Person
PD Dr. Barbara Binder
Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie
Medizinische Universität, Graz
Auenbruggerplatz 8
8036 Graz
Fax: ++43/316/385-2466
E-Mail:
  • Herr Besser als Antibiotika Hans Wer Erfahrungen mit Medihoney, 25.09.2014 um 14:14:

    „Die Hinwendung der Medizin zu natürlichen Produkten wie medizinischem Honig ist eine positive Entwicklung. Auch wenn es immer noch einige Zweifler gibt, ist Medihoney in der modernen Wundversorgung nicht mehr wegzudenken. Aus eigener Erfahrung weiß ich um die Vorteile, die Medihoney beim Wundheilungsprozess mit sich bringt. Aufgrund der zahlreichen Antibiotika-Resistenzen, die sich entwickelt haben, ist Medihoney eine hervorragende Lösung.“

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