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Dermatologie 25. November 2009

Ultraschall als Prognosehilfe bei Melanom

Vielen Krebspatienten könnten unnötige Biopsien erspart werden.

Als Entscheidungshilfe, ob ein Melanompatient operiert werden muss, könnte in Zukunft eine Ultraschalluntersuchung herangezogen werden, wie die Dermatologin Dr. Christiane Voit, Charité Universitätsmedizin Berlin, am ECCO-Kongress (European CanCer Organisation) im September berichtete.

Im Rahmen der größten onkologischen Tagung Europas – ECCO 15-ESMO34 – stellte die Dr. Christiane Voit von der Charité Universitätsmedizin Berlin eine neue Diagnosemethode für Melanome mithilfe von Ultraschall vor: „Wir haben zwei Ultraschallmuster von Lymphknotenmetastasen bei Melanompatienten identifiziert, die die Ausdehnung des Tumorbefalls in den Wächterlymphknoten in 75 bis 90 Prozent aller Fälle korrekt angeben. Dadurch könnten den Patienten unnötige Operationen erspart werden.“1

Seit 2001 haben Voit und ihre Kollegen in Deutschland und den Niederlanden 850 Melanompatienten in eine prospektive Studie aufgenommen, um den Einsatz von Ultraschall in der Diagnose und Behandlung zu untersuchen.

Sie konnten bereits nachweisen, dass mit der ultraschallgesteuerten Feinnadelaspirationszytologie bei bis zu 65 Prozent der Patienten festgestellt werden kann, ob und wie weit sich der Krebs bereits ausgebreitet hat – und zwar noch vor dem Entfernen der Wächterlymphknoten.

Zwei Muster geben Aufschluss

Die Studie zeigt, wie weit Ultraschallmuster mit dem Fortschreiten der Krankheit, der Tumormasse, dem Überleben und der Prognose bei den ersten 400 dieser Patienten mit Melanom im Stadium I/II und den längsten Nachuntersuchungen korrelieren.

Ein ballonförmiges Ultraschallmuster mit oder ohne Verlust des zentralen Echos war in bis zu 83 Prozent der Fälle ein Hinweis für eine große Menge Krebszellen im Wächterlymphknoten. „Dieses Ultraschallmuster war ein Anzeichen, das nur in Fällen fortgeschrittener Metastasen auftrat“, erklärte Voit. Ein Muster mit Ausbreitung in der Peripherie ist ein frühes Anzeichen für das Vorhandensein einer kleinen Anzahl von Krebszellen. „Das weist auf eine erste Veränderung in der normalen Architektur des Lymphknotens bei Metastasen im Frühstadium hin. Besonders wichtig ist die periphere Durchblutung, die anzeigt, dass eine Angiogenese stattfindet“, erklärte Voit.

Diesonkologiee beiden Ultraschallmuster helfen, das Gesamtüberleben eines Patienten einzuschätzen. Voit beobachtete, dass 93 Prozent der Patienten ohne Ultraschallmuster, aber nur 56 Prozent der Patienten mit ballonförmigen Bildern eine Überlebenschance von mindestens fünf Jahren haben. „Zum ersten Mal konnten wir feststellen, dass Ultraschallmuster als Kriterium für die Diagnose des Fortschreitens der Krankheit und der Tumormasse herangezogen werden können.“

80 Prozent unnötige Eingriffe

Festzustellen, ob der Krebs sich in den Lymphknoten ausgebreitet hat, ist der wichtigste Faktor in der Behandlung von Melanompatienten, denn wenn der Wächterlymphknoten krebsfrei ist, müssen dem Patienten keine weiteren Lymphknoten entnommen werden. Es wird jedoch nur bei 20 Prozent der Patienten nach einer Lymphknotenbiopsie ein Befall mit Melanomzellen gefunden. Diese Operation, die Nebenwirkungen und Folgeerscheinungen mit sich bringt, erweist sich somit für 80 Prozent der Patienten als unnötig.

Mit der Ultraschalldiagnose könnte auf nicht invasive Weise ebenfalls eine Diagnose erstellt werden. Weitere Ergebnisse müssen in randomisierten, klinischen Multicenterstudien noch bestätigt werden.

1 Voit, D. et al.: New ultrasound morphology criteria can predict melanoma metastases in the sentinel lymph node (SN) and correlate with tumour burden and survival. In: European Journal of Cancer Supplements 2009; 7(2): Abstract O-9303

Dr. Gerta Niebauer, hautnah 4/2009

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