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Abb. 1: Moderne Windeln und Pflegeprodukte sorgen für zufriedene Babys und guten Schlaf.
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Abb. 1: xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

 
Dermatologie 21. September 2009

Windel – sicher! Creme – bei Bedarf. Feuchttücher – wieso?

Daten und Überlegungen zur Pflege des Windelbereichs

Der Haut des Windelbereichs muss bei der Babypflege besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden: Die Kinderhaut soll effektiv vor den irritierenden Wirkungen der Ausscheidungsprodukte geschützt werden. Vor allem gilt es, die Ausbildung einer Windeldermatitis zu verhindern. Dies ist prinzipiell durch geeignete Windeln sowie eine hautschonende Reinigung und Pflege beim Windelwechsel zu erreichen. Die Etablierung einer Windeldermatitis ist allerdings auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen, wie z. B. die verlängerte Exposition gegenüber Exkreten, Veränderungen des Haut-pHs, gesteigerte Feuchtigkeit und Veränderungen der mikrobiologischen Flora.

In den letzten Jahrzehnten wurde ein besseres Verständnis der Entstehung einer Windeldermatitis erlangt, was zur Entwicklung entsprechender Produkte zum Schutz und zur Pflege der Babyhaut führte. In der Windelregion haben optimierte Einmalwindeln sowie pH-neutrale Feuchttücher zur Reinigung einen großen Fortschritt im Hinblick auf die Prävention der Windeldermatitis gebracht.

Pflege des Windelbereichs

Es gibt familiäre, regionale und nationale Unterschiede in der Pflege des Windelbereichs. So ist es eine Europäische Eigenheit, nach der Reinigung Cremes oder Salben zum Schutz der Haut im von der Windel bedeckten Bereich aufzutragen. Diese Cremes sind prinzipiell Wasser-in-Öl- oder Öl-in-Wasser- Emulsionen oder fettige Salben, wobei viele Zinkoxid als aktive Hautschutzkomponente enthalten. Oft ist diesen Kamille/Bisabolol, Aloe barbadensis und verschiedene Dimethicone oder Dexpanthenol zur Hautpflege und als Verstärkung der flüssigkeitsabweisenden Barriere zugesetzt. Hydrophile Präparationen haben, wie die vorliegenden Daten zeigen, eine beschränkte Barrierefunktion im Windelbereich. Petrolatum-basierte Zubereitungen erwiesen sich hingegen als wirksame Unterstützung der Barrierefunktion der Haut, sogar bei Frühgeborenen.

Cremes oder Salben, die Antibiotika oder Antimykotika enthalten, sind ausschließlich der Therapie von Hauterkrankungen vorbehalten und dürfen nicht präventiv angewandt werden.

Die menschliche Haut

Die menschliche Haut durchläuft postnatal eine Reihe von Veränderungen, welche dazu führen, die strukturellen und funktionellen Reifungsvorgänge abzuschließen, welche im dritten Trimester der Schwangerschaft starteten. Bei der Geburt ist die Haut von Vernix caseosa bedeckt, einer lipophilen Substanz, welche zur epidermalen Reifung in utero und postnatal beiträgt. Bald nach der Geburt erfüllt das stratum corneum eines reifen Neugeborenen seine Schlüsselfunktionen, im Besonderen die Funktion einer semipermeablen Barriere zwischen der Außenwelt und dem Körper. Anatomisch und ultrastrukturell ist die Epidermis des Säuglings mit der des Erwachsenen ident. Auch die Anzahl der Zellschichten und die durchschnittliche Dicke des Stratum corneum sind in den beiden Altersgruppen vergleichbar. Die Kohäsion und Adhäsion der epidermalen Zellen sind allerdings bei Säuglingen schwächer, daher auch die epidermal-dermale Verbindung. Talgdrüsen sind zwar zahlenmäßig vergleichbar, nehmen allerdings ihre volle Funktion erst nach dem Säuglingsalter auf. Ekkrine Drüsen sind reif strukturiert, und beim Neugeborenen ist die Anzahl dieser pro Hautbezirk höher als bei Erwachsenen, da sie eine thermoregulatorische Funktion erfüllen. Apokrine Drüsen werden erst um die Pubertät funktionsfähig. – Insgesamt gehen Experten heute davon aus, dass das Stratum corneum zwar kurz nach der Geburt funktionsfähig scheint, seine volle Funktion, welche der eines Erwachsenen gleicht, aber erst mit Abschluss des ersten Lebensjahres erreicht.

Bei Frühgeborenen zeigt die Haut Zeichen der Unreife, anhängig vom Zeitpunkt der Frühgeburt. Aus der Perspektive der Histologie ist die Reifung der Epidermis mit der 34. Schwangerschaftswoche abgeschlossen. Die Zeit, welches ein Frühgeborenes zur Nachreifung benötigt, ist vom Zeitpunkt der Frühgeburt abhängig; sie kann einige Stunden, aber auch Wochen benötigen: je unreifer das Kind, umso länger die Nachreifungsperiode.

Adaptation der Haut des Neugeborenen

Die wissenschaftliche Literatur berichtet über eine Reihe von Adaptationsprozessen der Haut des Neugeborenen infolge der veränderten Umgebungs- bedingungen. Diese Veränderungen betreffen die meist verwendeten biophysikalischen Messmethoden, welche zur Charakterisierung der Haut herangezogen werden: dies sind der transepidermale Wasserverlust (TEWL), die Hydratation der Haut, Veränderungen im Reibungskoeffizienten, mikrobiologische Kolonisation sowie der pH der Haut.

In den vergangenen 15 bis 20 Jahren haben sich Untersuchungen mit den TEWL Werten des Windelbereichs befasst. Hier muss man unterscheiden, ob der Barrierestatus der von der Windel bedeckten Haut oder das Vermögen einer Windel, die Haut trocken zu halten, betrachtet werden soll (SSWL – skin surface water loss). Die meisten Autoren beschreiben bei der Haut Neugeborener TEWL Werte, welche niedriger oder vergleichbar mit erwachsener Haut sind. Die Fähigkeit der Haut, eine wirksame Barriere zu bilden, ist abhängig vom Gestationsalter und in der Regel ab der 34. Schwangerschaftswoche voll entwickelt.

Die Rolle der Hydratation der Haut wurde ebenfalls untersucht und zeigte gleiche Messwerte am ganzen Körper. Einzig die Anwendung einer Windel mit einem super-absorbierenden Kern bewirkte eine signifikante Reduktion der Hautfeuchtigkeit im Windelbereich, wie eine Serie von Windelstudien in den späten 80er Jahren zeigte. Rezente Studien zeigen, dass sich dieser Trend fortsetzt.

Die Mikrobiologie des Windelbereichs wurde meist im Zusammenhang mit genereller Hygiene untersucht, weiters die mikrobiologische Beteiligung an dermatologischen Erkrankungen sowie der Einfluss von Hautreinigungsmitteln bzw. deren pH Wert auf die Mikroflora der Haut.

Windeln

Das Ziel von Windeln ist, Exkrete aufzunehmen und eine Verschmutzung der darüber liegenden Kleidung zu verhindern. Der superabsorbierende Kern moderner Windeln nimmt die Körperflüssigkeiten rasch auf und schließt diese fern der Haut ein. Eine weitere, weiter außen gelegene Schicht dieser Windeln besteht aus wasserdichtem Material, das ein wirksames Einschließen der Exkrete bewirkt. Elastische Bündchen sowie Barrieren im Bereich der Beinausschnitte verhindern das Auslaufen des Windelinhalts.

Reinigung des Windelbereichs

Unter Dermatologen herrscht die Meinung vor, dass es regelmäßig zu Windeldermatitiden, im Besonderen zu Dermatitiden durch Candida albicans, kommt. Die Prävention dieser sollte daher im Vordergrund aller Reinigungs- und Pflegehandlungen im Windelbereich stehen.

Die Reinigung der Haut im Windelbereich erfolgt traditionell in Europa mit einem mit Wasser angefeuchteten, ggf. mit Seife versehenen Waschlappen. In der letzten Dekade haben sich jedoch Einmal-Waschtücher („Baby-Feuchttücher“) als gute Alternative zur gängigen Reinigungsmethode erwiesen. Die meisten Baby-Reinigungstücher bestehen aus einem nicht-gewebten Vlies, das mit einer Emulsion oder mit reinem Öl getränkt wurde. Einige Produkte wurden speziell für empfindliche Haut konzipiert.

Seife ist zur Reinigung des Windelbereiches nicht geeignet, da klassische Seifen einen hohen pH Wert (um 10) haben und zu einer anhaltenden pH Verschiebung mit negativen Folgen für die Haut im Windelbereich führen können. Die Calcium- und Magnesium-Salze der Seifen sind schlecht wasserlöslich und können durch Präzipitation zu Hautirritationen führen.

Baby-Reinigungstücher* zeigten sich in Untersuchungen vergleichbar oder verträglicher als Waschlappen plus Wasser. Einige Produkte erwiesen sich sogar als verträglich bei irritierter Haut, bei Neugeborenen (neonatal intensive care unit - NICU) oder an Kindern mit atopischer Disposition.

Der pH der Hautoberfläche hat eine Schlüsselrolle in der Prävention der Windeldermatitis. Er beeinflusst die Barrierefunktion, aber auch die Mikroflora. Wie Untersuchungen zeigten, kann durch die Reinigung der Windelregion mit Reinigungstüchern der natürliche pH Wert der Hautoberfläche wirksamer wiederhergestellt werden als mit Wasser allein. Dies wird von den Studienautoren mit der pH-Pufferkapazität der Feuchttuchlotion begründet.

Status quo und Ausblick

Zusammenfassend kommen die Experten zu der Ansicht, dass die Ätiologie der Windeldermatitis zwar als wissenschaftlich geklärt gilt, es aber darüber hinaus zahlreiche Fälle von Hautirritationen des Windelbereichs gibt. Diese wurden durch die Einführung moderner Einmalwindeln und spezieller Pflege- und Reinigungsprodukte bereits signifikant reduziert.

Weiterführende Studien an Windeln und an Reinigungstüchern sollten sich mit einer Verbesserung der Fernhaltung der Exkrete von der Haut sowie mit der Möglichkeit einer pH Stabilisierung durch Feuchttücher auseinandersetzen.

 

Mit freundlicher Unterstützung von Procter & Gamble. Quellen:

 

1) Adam R (2008) Skin Care of the Diaper Area. Pediatric Dermatology Vol. 25, No. 4, 427-433,

2) Nikolovski J et al (2008) Barrier Function and Water-Holding and Transport Properties of Infant Stratum Corneum Are Different from Adult and Continue to Develop through the First Year of Life. Journal of Investigative Dermatology advance online publication, 17 Jan 2008

3) Book chapter: Handbook of Cosmetic Science and Technology 3rd ed. 2009

4) Opinion from SCCP on the calculation of the margin of safety of cosmetic ingredients for children

5) Pampers NICU Study (2008) Improved Diaper Skin Care in NICU Provided by Pampers® Sensitive Wipes

 

* Pampers® Sensitive Wipes

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