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Histopathologie eines Lipoms: uniformes Bild aus gruppierten großen Fettzellen.
Fotos (Abb. 1, 2 und 4): Stieber, Derma, Graz

Abb. 1: Lipom an der Schulter.

Abb. 2: Symmetrische Lipomatose, Madelung‘scher Fetthals.

Abb. 4: Granular-Zell-Lipom (syn. Hybernom) im Nacken; bestehend aus primitivem fetalen braunen Fett.

 
Dermatologie 4. September 2009

Lipome – Ursachen und Behandlungsoptionen

Die chirurgische Totalexzision bleibt State of the Art.

Die gutartigen Geschwulste aus Fettzellen können in unterschiedlichen Varianten auftreten. Zur Behandlung von Lipomen bestehen mehrere Optionen, die abhängig von Größe, Lage und funktioneller Beeinträchtigung durch das Lipom individuell gewählt werden können.

Lipome sind gutartige, aus reifen Fettzellen bestehende Tumore, die sich an verschiedenen Körperstellen meist im subkutanen Fettgewebe befinden. An sich verursachen Lipome keinen Schmerz, jedoch lagebedingt oder durch mechanische Alteration kann Druckschmerz auftreten. Funktionelle Störungen ergeben sich in Abhängigkeit von Größe und Lokalisation.

Arten von Lipomen

Die Pathogenese von Lipomen ist ungeklärt, ein isolierter Verlust von regulierenden Negativ-Feedback-Kontroll-Enzymen als eine mögliche Kausalität wird diskutiert.1 Faktum ist, dass die Entwicklung von Lipomen nicht mit der Höhe der Blutfettwerte korreliert.

Es gibt verschiedene Arten und Varianten von Lipomen. Darunter findet sich das Granular-Zell-Lipom (Hybernom, Abb. 4), das aus primitivem fetalen braunen Fett besteht und vor allem im Erwachsenenalter auftritt, bevorzugt im Bereich des Nackens.

Weitere Varianten sind Angiolipome und Neurofibrolipome, die außer Fettzellen jeweils einen gewissen Anteil an Blutgefäßen bzw. Nervenfasern aufweisen.

Mehr oder weniger generalisiert treten multiple Lipome in Form der symmetrischen oder unsymmetrischen Lipomatose auf. Ein eindrucksvolles Bild zeigt eine Sonderform der symmetrischen Lipomatose, auch Madelung´scher Fetthals genannt (Abb. 2).

Darüber hinaus wird selten eine kongenitale diffuse Lipomatose beobachtet.

Die Entwicklung von Lipomen ist nicht an ein bestimmtes Lebensalter gebunden und dauert normalerweise Jahre. Die Konsistenz der subkutan gelegenen, die Haut vorwölbenden Fettgewebsgeschwülste ist meist mehr oder weniger weich und gummiartig. Sie können singulär oder multipel auftreten und sind von variabler Größe.

Histopathologisch bieten Lipome ein uniformes Bild aus gruppierten, großen Fettzellen, die von einer fibrösen Kapsel umgeben sind, die manchmal gekammert sein kann (Abb. 3). Xanthomatöse und muzinöse Veränderungen werden gelegentlich beobachtet, ebenso, wie schon im klinischen Teil erwähnt, das Vorkommen von angiomatösen Anteilen und Nervengewebe. Maligne Entartung kommt bei Lipomen sehr selten vor.

Individuelle Therapieoptionen

Zur Behandlung von Lipomen bestehen mehrere Optionen, die abhängig von Größe, Lage und funktioneller Beeinträchtigung durch das Lipom individuell gewählt werden können.

Die chirurgische Exzision ist sicher die radikalste Methode, die den Tumor samt Kapsel beseitigt, ist aber nicht ohne zurückbleibende Narbe zu bewerkstelligen.

Um dem Wunsch der Patientinnen und Patienten nachzukommen, das Lipom möglichst narbenfrei zu entfernen, kann auf eine Fettabsaugung ausgewichen werden, die jedoch nicht in der Lage ist, die fibröse Kapsel des Lipoms mit zu entfernen. Diese Methode ist also nicht ganz radikal.

Von der Injektionslipolyse hat man sich vor einigen Jahren noch sehr viel versprochen, in der Zwischenzeit hat sich aber gezeigt, dass diese Methode nicht den propagierten „fettverdauenden“ Effekt zeigt, also nicht zur zufriedenstellenden Behandlung bzw. Verkleinerung von Lipomen geeignet ist.2

Neuere, noch nicht etablierte und entsprechend geprüfte Methoden wie Ultraschalllipolyse3 und Lipolyse mit Radiofrequenz4 oder Laserlicht5 befinden sich im Teststadium.

Fazit

Die Ursache für die Entstehung von Lipomen ist unbekannt. Die chirurgische Totalexzision ist nach wie vor State-of-the-Art-Behandlung. In kosmetisch heiklen Arealen mag die Fettabsaugung Stellenwert gewinnen, jedoch mit dem Manko, die fibröse Kapsel des Lipoms nicht entfernen zu können. Weitere Behandlungsalternativen wie Lipolyse mittels Injektion verschiedener Lösungen, Ultraschall, Radiofrequenz oder Laserlicht sind derzeit noch nicht etabliert und die bisherigen Ergebnisse nicht entsprechend dokumentiert bzw. ist der Behandlungserfolg nicht zufriedenstellend.

 

1 Atkinson, J. N. C. et al.: Regulatory defect of glycolysis in human lipomas. British Medical Journal 1974, i: 101–2

2 Kopera, D. et al.: Intralesional lipolysis with phosphatidylcholine for the treatment of lipomas: pilot study. Archives of Dermatology 2006; 142: 395–6

3 Miwa, H. et al.: Effect of ultrasound application on fat mobilization. Pathophysiology 2002; 9: 13

4 Kaplan, H.; Gat, A.: Clinical and histopathological results following TriPolar radiofrequency skin treatments. Journal of Cosmetic and Laser Therapy 2009; 30: 1–7

5 Reynaud J. P. et al.: Lipolysis using a 980-nm diode laser: a retrospective analysis of 534 procedures. Aesthetic Plastic Surgery 2009; 33: 28–36

Korrespondenzadresse:
Prof. Dr. Daisy Kopera
Universitätsklinik für Dermatologie
Medizinische Universität Graz
Auenbruggerplatz 8
8036 Graz

Prof. Dr. Daisy Kopera, Graz, hautnah 3/2009

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