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Dermatologie 4. September 2009

Mit Probiotika Ekzemen vorbeugen?

PandA-Studie: Wirkung bis zum dritten Lebensjahr

Zur Wirkung von Probiotika wird eifrig geforscht, aber noch vieles ist unklar. Was die Haut betrifft, dürfte der Nachweis einer Wirksamkeit gelungen sein.

Dr. Ger T. Rijkers von der medizinischen Universität Utrecht im niederländischen Nieuwegein zeigte anhand der PandA-Studie1 (Probiotics and Allergy), dass Probiotika bei Kindern mit einem erblich hohen Risiko für die Entwicklung von Ekzemen eine vorbeugende Wirkung haben.

Atopische und allergische Ekzeme haben in der letzten Jahrzehnten bei Kleinkindern deutlich zugenommen. Ein Grund wird darin gesehen, dass Kinder im frühen Lebensalter zu wenigen mikrobiellen Einflüssen ausgesetzt sind und das Immunsystem nicht entsprechend trainiert wird – die Hygiene-Hypothese. Tatsächlich zeigen sich Unterschiede der intestinalen Mikrobiota zwischen allergischen und nichtallergischen Kindern.

Weiters ist zu beobachten, dass im Verlauf von verschiedenen Krankheiten – etwa bei Durchfall oder bei toxischen Einflüssen – die Darmbarriere gestört wird und in der Folge verstärkt Ekzeme auftreten.

Der Aufbau einer funktionellen Darmflora ist daher für den Schutz der Haut ungemein wichtig: Ekzemreaktionen werden schon im Darm gestoppt. Eine Modifizierung der intestinalen Mikrobiota bietet sich auf Grund dieser Beobachtungen geradezu an. „Wir versuchten, vorbeugend schon bei Schwangeren mit einem hohen Risiko für die Entwicklung allergischer Reaktionen die Darmflora zu verändern“, berichtete Rijkers. Im Rahmen einer randomisierten, placebo-kontrollierten Studie erhielten Schwangere mit entsprechender Anamnese eine Mischung von ausgewählten probiotischen Bakterien (Bifidobacterium bifidum, Bifidobacterium lactis und Lactococcus lactis). Ihre neugeborenen Kinder erhielten ebenfalls während der ersten zwölf Monate diese Probiotika-Mischung.

Während der ersten drei Monate hatten Kinder mit Probiotika-Behandlung bedeutend weniger Ekzeme als die Placebo-Gruppe – sechs von 50 im Gegensatz zu 15 von 52. Auch im ersten und zweiten Lebensjahr ging es den behandelten Kindern im Vergleich zur Placebo-Gruppe wesentlich besser. Auffallend war, dass ihre Darmflora bedeutend mehr Lactococcus lactis aufwies.

Aus dieser Studie lässt sich schließen, dass eine Kombination von probiotischen Bakterien eine vorbeugende Wirkung bei Allergien im Kindesalter hat. Dieser Effekt scheint sich bereits innerhalb der ersten drei Lebensmonate zu etablieren und hält in den zwei ersten Lebensjahren an.

 

1 Niers, L. et al.: The effects of selected probiotic strains on the development of eczema (the PandA study). Allergy 2009; doi: 10.1111/j.1398-9995.2009.02021.x

Dr. Gerta Niebauer, hautnah 3/2009

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