zur Navigation zum Inhalt
Foto: Archiv
Prof. Dr. Klemens Rappersberger, Leiter der Dermatologischen Abteilung der Wiener Krankenanstalt Rudolfstiftung
 
Dermatologie 4. September 2009

Aktinische Keratose neu

Neue Nomenklatur, neue Typeneinteilung, neue Therapie

Etwa 30 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen über 70 Jahre leiden an der aktinischen Keratose, einer Form des weißen oder hellen Hautkrebses. In Australien sind es bereits 50 Prozent der Bevölkerung. Prof. Dr. Klemens Rappersberger, Vorstand der Hautabteilung in der Wiener Rudolfstiftung, informiert über das frühe Plattenepithelkarzinom.

Die seit über 25 Jahren gebräuchliche Bezeichnung „aktinische Keratose“ für eine bestimmte Form des weißen oder hellen Hautkrebses wurde in den letzten zwei Jahren neu definiert.

Entsprechend der molekularen Veränderung in der Epidermis, die ein malignes Potenzial in sich birgt, lautet die neue Bezeichnung nunmehr „Plattenepithelkarzinom in situ“. Auch die Einteilung in drei Typen (Typ I–III) ist neu definiert und bezieht sich auf die Verteilung atypischer Keratinozyten in der Epidermis:

  • Beim Typ I finden sich maligne Zellen basal und subbasal oder auch im unteren Drittel der Epidermis;
  • beim Typ II sind die unteren zwei Drittel der Epideremis betroffen, beide werden als Plattenepithelkarzinom in situ, frühe Form, bezeichnet;
  • und schließlich der Typ III, bei dem die Epidermis in ihrer gesamten Breite von atypischen Keratinozyten durchsetzt ist, Plattenepithelkarzinom in situ.

„Diese Bezeichnung ‚Karzinom‘ ist insofern berechtigt, als bestimmte molekulare Veränderung, wie sie typisch für maligne Entartungen sind, vorliegen. So zum Beispiel Mutationen des Tumorsuppressors P 53 oder eine erhöhte Aktivität der Telomerase“, erklärt Prof. Dr. Klemens Rappersberger, Vorstand der Hautabteilung in der Wiener Rudolfstiftung.

Überzeugungsarbeit

Die Diagnose „Karzinom“ kann für den Patienten eine böse Überraschung bedeuten – er leitet daraus vielleicht sogar eine bedrohliche Erkrankung ab. „Umso wichtiger ist es daher, den Patienten aufzuklären, ihm seine unbegründete Angst zu nehmen, ihn aber auch zu überzeugen, dass eine Behandlung unbedingt notwendig ist“, betont Rappersberger. Immerhin werden etwa zehn Prozent der Plattenepithelkarzinome invasiv. Bei immunsuppressiven Patienten sind es sogar 30 Prozent, insbesondere bei der chronischen lymphatischen Leukämie. Bei Organtransplantierten ist das Plattenepithelkarzinom etwa 65-mal häufiger als bei Immunkompetenten.

Regelmäßige Kontrolle

„Eine regelmäßige Kontrolle, etwa drei- bis viermal im Jahr, ist daher unbedingt notwendig, dem niedergelassenen Dermatologen kommt daher eine wichtige Aufgabe zu“, fordert Rappersberger, der auch in seiner jetzt neu eingerichteten Ambulanz in der Rudolfstiftung zunehmend mehr Fälle sieht. Denn UV-induzierte DNA-Schäden betreffen immer größere Hautareale, z. B. Handrücken, Stirne usw., wir sprechen von der Feld-Kanzerisierung („field-cancerization“), weshalb auch nach Entfernung von Tumoren damit zu rechnen ist, dass in der umgebenden Haut immer wieder Läsionen auftreten werden.

Therapie ist Pflicht

Es gibt eine Fülle von Therapiemöglichkeiten, aber randomisierte und placebokontrollierte Studien sind selten, die Evidenzebene ist immer noch unbefriedigend, bedauert Rappersberger. Je nach Lokalisation, Ausdehnung und Ausprägung muss die Auswahl der Therapie individuell getroffen werden.

Besonders zu empfehlen ist eine Stufentherapie: Entfernung des betroffenen Hautareals mit dem scharfen Löffel, Kryotherapie, Kaustik, flüssigem Stickstoff, chemischem Peeling, Laser oder photodynamischer Therapie. Bei unklaren Fällen sollte eine Biopsie entnommen werden.

Nach der Abheilung dieser Eingriffe bewährt sich eine topische Therapie, etwa mit Diclofenac/Hyaluronsäure-Gel. „Der Patient muss aber aufmerksam gemacht werden, dass als Indikator für die Wirksamkeit der Behandlung Rötungen und Entzündungen als Nebenwirkungen auftreten. Die Anwendung erfolgt zweimal täglich drei Monate hindurch. Das verlangt vom Patienten eine Therapietreue, die ihm der Arzt vermitteln muss“, betont Rappersberger. Diclofenac/Hyaluronsäure-Gel eignet sich besonders für frühe In-situ-Tumoren.

Zu den wirksamen Cremetherapien zählt auch Imiquimod, eine neue Klasse der Immune Response Modifier. Es wird jeden zweiten Tag aufgetragen, die Wochenenden bleiben therapiefrei. Auch bei dieser Behandlung entstehen Hautreaktionen, die dem Patienten erklärt werden müssen.

Starke Wirkung wird nach wie vor mit topischem 5-Fluorouracil erzielt , das sich, wie auch Imiquimod, auch für Typ III des Plattenepithelkarzinoms in situ eignet. Es wird zweimal täglich zwei bis vier Wochen hindurch aufgetragen.

Nachdem die Sonneneinwirkung meist großflächig ist, können immer wieder neue Schädigungen auftreten. Es handelt sich also um eine Langzeitbehandlung, die vor allem auch eine Vertrauensbasis zwischen Patient und Arzt voraussetzt.

Dr. Gerta Niebauer, hautnah 3/2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben