zur Navigation zum Inhalt
 
Dermatologie 1. Juli 2009

Pruritus und Hauttrockenheit bei chronischer Niereninsuffizienz und Dialysepatienten – eine Übersicht

Der urämische Pruritus betrifft etwa 22–74 % der chronischen Dialysepatienten. Die kausale Genese des urämischen Pruritus ist bis jetzt nicht geklärt. In den letzten 20 bis 30 Jahren wurden fünf pathophysiologische Hypothesen favorisiert: fördernde Einflüsse (z. B. Kalziumphosphatablagerungen in der Epidermis), Stimuli (z. B. s HPT), neuropathische Störungen (z. B. anomale kutane Innervation bei urämischer peripherer Neuropathie) sowie zentralnervöse Veränderungen (z. B. Kumulation von Endorphinen beim Urämiker mit Verstärkung des Pruritus) und immunologische Vorgänge. Letztere Immunhypothese gewinnt zunehmend an Bedeutung, da eine Besserung des urämischen Pruritus z. B. durch die Anwendung des topischen Calcineurininhibitors Tacrolimus zu beobachten ist. Allerdings konnte diese Tatsache in einer größeren prospektiven Placebo-kontrollierten Studie aus den USA nicht bestätigt werden [1]. Der urämische Pruritus ist letztlich nur durch eine suffiziente Nierentransplantation zum Sistieren zu bringen. Die derzeitigen topischen und systemischen Therapiemöglichkeiten beim urämischen Pruritus sind deshalb symptomatisch bzw. polypragmatisch. Für die Hydratation der Haut hat das "Feuchthalte-Komplex-System" eine große Bedeutung. Harnstoff ist einer der wichtigsten natürlichen Feuchthaltefaktoren (natural moisturizing factors). Die Harnstoffuntersuchungen im Stratum corneum ergaben, dass die Haut älterer Menschen einen erniedrigten, die Haut von Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz aber – trotz Trockenheit – paradoxerweise einen erhöhten Harnstoffwert hat (Normwert bei Hautgesunden um 25 µg/2,5 cm2). Die Bedeutung des Harnstoffs im "Feuchthalte-Komplex-System" der urämischen Haut ist deshalb nicht geklärt. Aktuelle Untersuchungen zeigen eine signifikante Wirkung von topisch applizierter 2,5 %iger L-Arginin-Salbe, einer semiessentiellen Aminosäure, auf die Symptome Hauttrockenheit und Pruritus bei Hämodialyse-Patienten.

Ulrike Durrant-Finn, Bernd Osten, Claudia Mügge, Pietro Nenoff, Wiener Medizinische Wochenschrift 13/14/2009

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben