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Dermatologie 1. Juli 2009

Evidenz-basierte Kosmetika: Konzept und Anwendung bei den Zielstellungen Licht-geschädigte Altershaut und Xerosis

Wie bei Dermatika erscheinen auch bei Kosmetika Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit erforderlich, die den Ansprüchen der Evidenz-basierten Medizin (EBM) genügen. Obwohl das Konzept einer Evidenz-basierten Kosmetik bislang nur in Ansätzen entfaltet worden ist, gibt es doch bereits Präparate, die als Evidenz-basiert gelten können. Daten aus verschiedenen Studien werden dargestellt, welche den Anspruch erheben, die Wirksamkeit kosmetischer Zubereitungen zur Behandlung einiger ausgewählter Hautprobleme wie Lichtschädigung und Altershaut sowie solare Lentigo und Melasma nach EBM-Kriterien zu dokumentieren. Weitere wissenschaftlich fundierte Studien sind notwendig, um alle wichtigen Einsatzgebiete von Wirkkosmetika abzudecken. Als Evidenz-basierte Substanzen zur Minderung der Hautalterungszeichen können Retinol und Antioxidantien wie Vitamine oder Coenzyme, die über verschiedene Mechanismen einen positiven Effekt auf den Kollagenstoffwechsel ausüben, bezeichnet werden. Entsprechend den gleichen Kriterien wurde auch die präventive Wirkung eines regelmäßigen Gebrauchs von dermokosmetischen Sonnenschutzmitteln auf die Entwicklung aktinischer Keratosen gezeigt. Ein beträchtlicher Bleich-Effekt, größenordnungsmäßig 0,1%igem Tretinoin entsprechend, kann mit einem 10%igen All-trans-Retinol-Gel erzielt werden. Dermokosmetische Sonnenschutzmittel sollen durch eine geeignete Kombination von organischen und/oder mineralischen Filtern eine ausreichende Schutzwirkung im UV-B- und im UV-A-Bereich und eine gute Hautverträglichkeit aufweisen. Außerdem können sie ergänzende Wirkstoffe wie Antioxidantien, DNA-Reparaturenzyme oder hautberuhigende Substanzen wie Dexpanthenol, Glycerin oder Hamamelis-Destilat enthalten. Als besonders gut charakterisierte und als wirksam belegte Substanzen zur Behandlung der trockenen Haut gelten entsprechend dem gewünschten Effekt unterschiedlich hoch konzen trierter Harnstoff, Ammoniumlaktat sowie Glycerin. Nach wie vor stellt der Wirksamkeitsnachweis eines dermokosmetischen Produkts auf Grund von Mangel an kontrollierten Studien, die die Überlegenheit der Applikation eines Wirkstoff-haltigen Mittels gegenüber der einer korrespondierenden Grundlage ein Problem dar. Umso mehr gilt es in der Zukunft, die Wirksamkeit weiterer Wirkstoffe nach EBM-Prinzipien zu erfassen und weitergehende Fragen zu beantworten wie die nach der Nachhaltigkeit erzielter Wirkungen sowie anerkannte Richtlinien zur Wirksamkeits- und Sicherheitsprüfung von Dermatokosmetika zu etablieren.

Tatjana Pavicic, Stephanie Steckmeier, Martina Kerscher, Hans Christian Korting, Wiener klinische Wochenschrift 13/14/2009

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