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Dermatologie 14. Oktober 2008

Leber und Haut – eine innige Verbindung

Die medizinische Literatur beschäftigte sich bereits in den frühen 1940-er Jahren mit dem Zusammenspiel von Leber und Haut. Auch heute noch halten Leber-Haut-Zeichen den Anforderungen der Evidence Based Medicine stand.

„Bereits in der Renaissance beobachtete man kombinierte Hauterscheinungen wie Ikterus, Spider naevi, Gynäkomastie und Caput medusae“, berichtete Prof. Dr. Maximilian Schöniger-Hekele von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie am AKH Wien im Rahmen eines Vortrags anlässlich einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema Leber und Haut im Mai im Wiener Billrothhaus und demonstrierte dies an einem alten Gemälde. „Natürlich wusste man damals noch nicht, dass dieser Kombination von Hauterscheinungen eine Lebererkrankung zugrunde liegen kann.“

Heute noch gültig?

In den 1940er Jahren beschäftigten sich Wissenschafter mit dem Thema Leber-Haut-Zeichen, wie etwa dem Palmarerythem und den Spider naevi (Perera GA. A note on Palmar erythema. JAMA 1942; 119(17):1417-8; Bean W. Aquired palmar erythema and cutaneus vascular spiders. Am Heart J 1943; 25:463-77).
„Die Frage ist, ob diese Forschungserkenntnisse den heutigen Anforderungen an eine Evidence Based Medicine noch standhalten?“, so der Hepatologe. Eine ganze Reihe von Leber-Haut-Zeichen sind bekannt: Die Palette reicht vom bereits erwähnten Ikterus, den Spider naevi und dem Palmarerythem über Weißnägel und Uhrglasnägel bis hin zur Dupytrenschen Kontraktur und der Lackzunge.
„Alle diese Hauterscheinungen sind isoliert betrachtet allerdings zumeist nicht spezifisch für Lebererkrankungen, sondern treten auch im Rahmen anderer Erkrankungsbilder auf“, erläuterte Prof. Dr. Schöniger-Hekele. So findet man Weißnägel etwa auch bei Nierenerkrankungen, das Palmarerythem tritt bei zwei Dritteln der schwangeren kaukasischen Frauen im ersten Trimenon auf, und auch Spider naevi finden sich ebenso bei Schwangeren. Die Dupuytrensche Kontraktur wiederum tritt auch bei Diabetikern auf.

Prognostischer Wert

Aber auch wenn Hautzeichen nicht allein auf eine Lebererkrankung hindeuten, so weisen sie doch einen erheblichen prognostischen Faktor für bereits diagnostizierte Lebererkrankungen auf. Dies zeigen die Ergebnisse einer rezenten Studie einer deutschen Studiengruppe rund um den Gastroenterologen Prof. Dr. Claus Niederau, die sich mit dem prognostischen Wert von Leber-Haut-Zeichen bei Fibrose und Leberzirrhose beschäftigt (Niederau C et al. Cutaneous Signs of liver disease: Value for prognosis of severe fibrosis und cirrhosis. Liver Int 2008 May;28(5):659-66). In dieser Studie wurden über vier Jahre alle Hautveränderungen an Patienten mit Leberbiopsie evaluiert. 744 Patienten konnten in die Studie eingeschlossen werden. Etwa die Hälfte davon waren Frauen. Zwei Drittel der Patienten waren an chronischer Hepatitis C erkrankt. 80 Prozent der Studienteilnehmer wiesen keine oder nur leichte fibrotische Veränderungen an der Leber auf. „Die Erklärung dafür ist einfach“, so Prof. Dr. Schöniger-Hekele. „Patienten mit fortgeschrittener dekompensierter Leberzirrhose brauchen üblicherweise keine Leberbiopsie.“

Erst bei schwerer Fibrose

Leber-Haut-Zeichen – so das Ergebnis der Studie – treten meist erst bei schwerer Fibrose oder einer Leberzirrhose auf. Dies gilt insbesondere für Spider naevi und Palmarerythem. Ausnahmen bilden Juckreiz, Kratzspuren und Haarveränderungen: Diese beginnen bereits bei einer geringgradigen Fibrose und nehmen im Krankheitsverlauf stark zu. Bezüglich des prognostischen Werts von Leber-Haut-Zeichen kamen die Studienautoren zum Ergebnis, dass dieser ähnlich gut wie Routinelaborparameter zum Erheben einer schweren Fibrose oder einer Leberzirrhose sind. „Leber-Haut-Zeichen sind isoliert betrachtet zumeist nicht spezifisch für Lebererkrankungen“, fasste Prof. Dr. Schöniger-Hekele seinen Vortrag zusammen. „Die physikalische Krankenuntersuchung mit dem Erheben der Leber-Haut-Zeichen ist allerdings ähnlich gut wie Routinelaborparameter, um Patienten mit schwerer Fibrose oder Leberzirrhose zu identifizieren“ so Prof. Dr. Schöniger-Hekele weiter, der zum Ergebnis kam: „Daher haben diese Zeichen jedenfalls auch noch heute ihren Stellenwert in der täglichen Routine.“

Sabine Fisch, Ärzte Woche 42/2008

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