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Dermatologie 7. Februar 2008

Ökonomische Impf-Entscheidung

Ein Gutachten des Ludwig Boltzmann Instituts für Health Technology Assessment (LBI-HTA) zur HPV-Impfung sorgte für Aufregung. Die Wissenschaftler konnten bei der Analyse von Kosten und Nutzen der Maßnahme bis zum Jahr 2060 keinen Quantensprung im Gesundheitseffekt erkennen und stellen drei Handlungsoptionen zur Diskussion.

Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky hatte sich schon vor Veröffentlichung der brisanten HTA-Studie gegen eine öffentliche Finanzierung der Impfung für Mädchen und Buben ausgesprochen. Grundlage ihrer Entscheidung war freilich die gesundheitsökonomische Analyse, wie Studienautorin Dr. Ingrid Zechmeister gegenüber der Ärzte Woche klarstellt: „Die Studie war von Beginn an als evidenzbasierte und unabhängige Entscheidungsunterstützung vorgesehen.“
Laut LBI-HTA-Modell verringert die österreichweite Impfung von Mädchen die Karzinominzidenz im beobachteten Zeitraum um durchschnittlich 13 Prozent, im besten Fall nach 52 Jahren die Inzidenz um 27 Prozent, die Todesfälle um 32 Prozent. Die Impfung von Mädchen kostet jährlich rund 15 Millionen Euro. Erste Effekte zeigen sich allerdings erst nach zwanzig Jahren. Und trotz Impfung würden in den nächsten 52 Jahren weiterhin 21.000 Frauen erkranken und 6.000 Frauen versterben.

Unabhängigkeit als Grundsatz

Die Kosten-Nutzen-Analyse beruhe auf den Ergebnissen von klinischen Studien der Anbieter zur Wirksamkeit und auf den administrativen Daten zu den Kosten, betont Zechmeister und verweist auf die Unabhängigkeit der Studie: „Meinungen von Anbietern, Impfexperten oder Kostenträger hatten weder Einfluss auf die Daten- und Methodenauswahl, noch auf die Ergebnisse der Studie. Sie wurde auf Basis wissenschaftlicher Daten mit möglichst hohem Evidenzgehalt und nach internationalen methodischen Standards erstellt.“
Drei mögliche Handlungsoptionen ergeben sich aus der Analyse. Die Optimierung von Vorsorgemaßnahmen: Kann ein ähnlicher Gesundheitseffekt auch durch eine Verbesserung der Früherkennung (Pap-Abstrich) mit vergleichsweise weniger Geld erreicht werden? Oder könnten niedrigere Preise für die Vakzination ausgehandelt werden? Oder etwa die Durchimpfung unter den derzeitigen Konditionen bei gleichzeitig hohem Unsicherheitsfaktor und hohen Kosten?
Eine Gewichtung dieser Optionen kann Zechmeister nicht ableiten: „Wichtig ist mir die Unterstützung eines rationalen Ressourceneinsatzes“, betont die Gesundheitsökonomin.
Um eine „rationale Impfpolitik“ künftig zu erleichtern, will das LBI-HTA eine Art Richtlinie erstellen. Ein erstes (englischsprachiges) Dokument wird in den nächsten Tagen veröffentlicht werden (Link: http://eprints.hta.lbg.ac.at/761/) und soll Grundlage für eine internationale Diskussion sein.

Quelle: Ökonomische Evaluation der Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV-Impfung) in Österreich. http://eprints.hta.lbg.ac.at/760/1/HTA-Projektbericht_09.pdf

Inge Smolek, Ärzte Woche 6/2008

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