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Transplantationen 14. November 2014

Auch Spenderlungen von Ertrunkenen kommen in Frage

Ersticken und Ertrinken sind nicht immer zwingende Gründe, eine Lunge für eine Transplantation auszuschließen.

Bei Lungentransplantationen haben Ersticken oder Ertrinken einer retrospektiven Analyse zufolge weder Einfluss auf das Langzeitüberleben des Empfängers, noch auf die Gefahr einer Abstoßung im ersten Jahr.

Wer auf eine Organspende angewiesen ist, wartet oft lange, bis ein passender Donor gefunden wird. Für viele Patienten ist es dann bereits zu spät. Deshalb lässt man nichts unversucht, den Kreis geeigneter Spender so groß wie möglich zu halten.

Bryan Whitson von der Ohio State University untersuchte mit US-amerikanischen Kollegen, ob Lungen von Menschen, die durch Ersticken oder Ertrinken verstorben sind, den Pool der Spenderorgane möglicherweise erweitern könnten.

Hierzu werteten sie Daten des „United Network for Organ Sharing (UNOS) / Organ Procurement and Transplantation Network (OPTN) Standard Transplant Analysis and Research (STAR)“-Registers der Jahre 1987 bis 2010 aus und verglichen anschließend die Todesursachen der Lungenspender und das Überleben der Patienten, denen die Organe eingesetzt worden waren.

Meist Hirnblutung oder Schlaganfall

Von den 18.250 registrierten Lungentransplantationen stammten 309 von einem Spender mit Erstickungs- oder Ertrinkungstod. Ihr Durchschnittsalter lag bei 25,7 Jahren. Die meisten der Organspender waren an einer Hirnblutung oder einem Schlaganfall verstorben, ihr Durchschnittsalter lag bei 31,8 Jahren. 37 Prozent der durchschnittlich 51-jährigen Empfänger benötigten die Spenderlunge wegen einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Empfänger von Lungen, deren Opfer erstickt oder ertrunken waren, überlebten ähnlich lange wie Patienten mit Spenderlungen von Menschen mit anderen Todesursachen. Im Gegenteil, erstere zeigten sogar eine niedrigere lungenspezifische Mortalitätsrate (5,8 % versus 9,5 %).

Die multivariate Risikoanalyse machte lediglich den negativen Einfluss einiger anderer Faktoren auf das Überleben deutlich, etwa wenn der Spender Raucher oder älter als 55 Jahre war.

Surfactants verbessern die Qualität

Bei der Auswahl der Spenderlungen von Ertrinkungs- und Erstickungsopfern gilt es dennoch, einige Zusatzfaktoren zu beachten, wie z. B. unbekannte Risiken für primäre Funktionsstörungen des Transplantats, mikrobiologische Probleme oder Schädigungen des Lungenparenchyms. Aspiriert der Ertrinkende beispielsweise Wasser und kommt dessen Lunge mit Meerwasser in Kontakt, kann es zur Kontamination mit Mikroorganismen und infolgedessen zu einer Schädigung des Organs kommen. Allerdings kommen zehn bis 15 Prozent der Ertrunkenen durch „trockenes Ertrinken“ zu Tode, sie aspirieren kein Wasser, sondern erleiden Laryngospasmen und ersticken.

Allein in den USA, so lautet die Rechnung von Whitson und seinen Kollegen, könnten Menschen, die auf diese Art und Weise ums Leben gekommen sind, die Zahl von potenziellen Spenderlungen um jährlich 600 bis 1.200 Organe erweitern. Auch spezielle Perfusionsmaßnahmen oder die Applikation von exogenen Surfactants nach einem Erstickungstod können die Qualität des Spenderorgans verbessern.

Die Ergebnisse der Studie, schreiben die Studienautoren, sollten die Ärzte jedenfalls dazu ermutigen, den Einsatz von Spenderlungen von Menschen, die durch Ersticken oder Ertrinken zu Tode gekommen sind, künftig nicht mehr automatisch auszuschließen.

Originalpublikation: Whitson BA et al.: Use of the DonorLung After Asphyxiation or Drowning: Effect on Lung Transplant Recipients; Anonual Thracic Surgery 2014; 98 (4): 1145–51.

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