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Sechs Monate nach Transplantation beträgt die Therapieadhärenz lediglich etwa 50 Prozent.
 
Transplantationen 26. September 2013

Therapietreue nach Transplantation

Die Transplantationsmedizin ist eine Erfolgsgeschichte der Spitzenmedizin: Für etwa 700 Menschen jährlich in Österreich stellt eine Organtransplantation den lebensrettenden Eingriff dar, der zusätzlich in der überwiegenden Zahl der Fälle die Lebensqualität der Betroffenen beträchtlich erhöht. Eine der eher unangenehmen Folgewirkungen für die Organempfänger ist die lebenslange Medikamenteneinnahme, um eine Abstoßung des Fremdkörpers durch das Immunsystem zu vermeiden. Allerdings: Die Compliance der Patienten lässt manchmal zu wünschen übrig. Eine österreichweite Umfrage zeigt nun Häufigkeit und Gründe für „Therapieuntreue in der Transplantationsmedizin“ auf.

„Wir heilen den Patienten nicht“, stellte Prof. Dr. Andreas Zuckermann, Leiter des Herztransplantationsprogramms der Medizinischen Universität Wien bei der Präsentation der Umfrageergebnisse am 19. Juni in Wien fest: „Wir tauschen eine Erkrankung gegen den Zustand der Immunsupprimierung.“ Allerdings haben verbesserte Erfahrungen in der Langzeitbetreuung und verbesserte Medikamente zu einem verlängerten Überleben geführt. Das Phänomen, das sich für den Patienten ergibt: Je besser es ihm geht, desto „großzügiger“ wird er in seiner Medikamenteneinnahme. Mit der häufig fatalen Folgewirkung einer Abstoßungsreaktion. Sechs Monate nach der Transplantation lässt sich häufig ein starker Abfall der Therapietreue beobachten, sodass die Therapieadhärenz mit lediglich etwa 50 Prozent beträchtlich reduziert ist. Dabei sind die Gründe für die die Nichteinhaltung durchaus vielfältig. „Manche kommen nicht zur Kontrolle, manche lassen Medikamenten aus, manche reden nicht über ihre Nebenwirkungen“, berichtet Zuckermann. Zwei Drittel tun dies im vollen Bewusstsein. Es geht also darum, den Patienten von der Notwendigkeit der korrekten Medikamenteneinnahme zu überzeugen. Gemeinsam mit dem Patienten sollte ein akzeptables Regime erarbeitet werden, stellt Zuckermann fest. Dazu gehört auch die regelmäßige Überprüfung der tatsächlich notwendigen Medikamente und eventuelle Wechselwirkungen zwischen dem Immunsuppressivum und anderer Medikation: „Je weniger man verschreibt, desto eher wird es genommen“, so der Transplantationsmediziner.

Enorme Steigerung der Lebensqualität

Dreiviertel der Organempfänger bewerten ihre Lebensqualität nach der Transplantation mit „sehr gut“ bis „gut“, während vor der Transplantation knapp 70 Prozent ihre Lebensqualität als schlecht oder sehr schlecht bezeichnet hatten, berichtete Univ.-Prof. Dr. Rudolf Bretschneider eines der Ergebnisse der vom Institut GfK durchgeführten Befragung von etwas mehr als 100 Betroffenen. Beeinträchtigt fühlten sich die Befragten nach der Transplantation am ehesten in den Bereichen gesellschaftliches Leben, Ernährung und Sport und Bewegung, wobei es hier vor allem zu „einigen“ aber eher weniger „starken“ Einschränkungen kommt. Die stärksten Beeinträchtigungen werden im Bereich der Berufsausübung und des Studiums empfunden. Bezüglich Gesamtzufriedenheit, Verträglichkeit und Handhabung ist der überwiegende Anteil der Betroffenen sehr oder überwiegend zufrieden, 17 Prozent sind mit der Verträglichkeit und 15 Prozent mit der Handhabung der Therapie wenig bis gar nicht zufrieden.
Ein gewisser Optimierungsbedarf besteht offenbar hinsichtlich des Einnahmeschemas der Immunsuppressiva. 40 Prozent wünschen sich hier sehr stark oder stark flexiblere Möglichkeiten und 21 Prozent geben an, mit der Einhaltung des genauen Einnahmeschemas Schwierigkeiten zu haben. Immerhin zehn Prozent geben zu, ihre immunsuppressiven Medikamente nicht immer wie vorgeschrieben einzunehmen, wenn es ihnen gut geht. Daher, so Zuckermann, ist es wichtig, dass der Patient versteht, worum es geht, und das Betreuungsteam auf seine Sorgen und Bedürfnisse eingeht.

Quelle:
Presse Roundtable von Astellas Pharma Österreich: „.. denn sie wissen nicht, was sie tun! „Therapieuntreue" in der Transplantationsmedizin", 19. Juni 2013, Wien

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