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Antikörper
 
Transplantationen 2. November 2012

Antikörper aus dem Blut gefiltert

Ein neues Behandlungskonzept verhindert bei Hochrisikopatienten die schnelle Abstoßung der Niere.

Bei rund einem Drittel der potenziellen Lebendspender passen Blutgruppe oder Gewebeverträglichkeitsmerkmale nicht zum Empfänger. Transplantationen über diese Barrieren hinweg sind mithilfe komplexer Immuntherapien heute dennoch möglich.

Noch schwieriger wird es, wenn das Immunsystem des Patienten bereits vor der Transplantation sensibel auf die HLA-Merkmale des Spenders reagiert, wie es z. B. nach Schwangerschaften, Bluttransfusionen oder vorangegangenen Transplantationen der Fall sein kann. Abwehrreaktionen lassen sich dann kaum verhindern. Für diese Hochrisiko-Patienten kam bisher eine Transplantation nach Lebendspende nur sehr selten infrage.

Gleiche Chancen

Im Rahmen einer Studie kam ein neues Konzept bei zehn Patienten mit sehr hohem Abstoßungsrisiko zum Einsatz. Drei Wochen vor dem geplanten Transplantationstermin wurde mit Immunadsorptionen begonnen. Dabei wird das Blut extrakorporal über einen Filter geleitet, der Antikörper abfängt. Zusätzlich erhielten die Patienten Anti-CD20-Antikörper, um die Bildung neuer Antikörper zu vermindern. Hierdurch konnte bei den Patienten die Menge der Antikörper gegen die HLA-Merkmale des Organspenders um 98 Prozent gesenkt werden. Damit hatten sie zunächst einmal die gleiche Ausgangssituation wie Patienten ohne HLA-sensibilisiertes Immunsystem.

Bei allen zehn Patienten verlief die Transplantation erfolgreich. Neun Nieren sind bis heute voll funktionsfähig, eine Patientin verlor ihr Transplantat im dritten Jahr nach der Transplantation aufgrund einer Autoimmunerkrankung. Bei sieben Patienten bildeten sich erstaunlicherweise auch nach Abschluss der Immunadsorptionen keine Antikörper gegen die HLA-Merkmale des Spenderorgans mehr.

Morath C et al.: Transpl Int 2012; 25 (5): 506-17

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