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Ein Jahr nach der Transplantation sind die Funktionsraten in Europa und den USA noch gleich gut, dann werden sie in den USA sukzessive schlechter.
 
Transplantationen 27. Oktober 2012

Nierentransplantate funktionieren in Europa länger als in den USA

Große Unterschiede nach fünf und zehn Jahren.

Nierentransplantationen sind in Europa langfristig deutlich erfolgreicher als in den USA: Während die Funktionsraten nach einem Jahr mit rund 90 Prozent übereinstimmen, funktionieren nach fünf Jahren in Europa noch 77 Prozent der Spendernieren, in den USA sind es bei weißen Amerikanern dagegen nur 71 Prozent.

Nach zehn Jahren sind es 56 Prozent gegenüber 46 Prozent. Die niedrigeren Langzeitüberlebensraten im Vergleich zu Europa betreffen auch spanischstämmige US-Amerikaner, bei denen nach 10 Jahren 48 Prozent der transplantierten Nieren noch funktionieren, und insbesondere Afroamerikaner mit 33 Prozent.

Weltweite Datenauswertung

Die Collaborative Transplant Study CTS der Abteilung Transplantationsimmunologie am Universitätsklinikum Heidelberg sammelt seit 30 Jahren Daten von Transplantationen weltweit und wertet sie wissenschaftlich aus. Für den Vergleich der Langzeitüberlebensraten in den USA und Europa konnten Daten der US-amerikanischen Organisationszentrale für Organaustausch UNOS genutzt werden. In den USA werden sämtliche Daten von Transplantationen gesammelt und sind öffentlich verfügbar, im Gegensatz zu den meisten europäischen Länder, in denen in der Regel kein vergleichbares nationales Register vorhanden ist.

Die Teilnahme an der CTS-Studie ist freiwillig. „Da aber ein hoher Prozentsatz der europäischen Zentren teilnehmen, sind die Daten für Europa repräsentativ“, so Prof. Dr. Gerhard Opelz. Insgesamt wurden rund 23.500 Nierentransplantationen in Europa für die aktuelle Auswertung herangezogen, in den USA waren es rund 32.000.

Besondere Diskrepanz bei Kindern

Die Ergebnisse des systematischen Vergleichs zeigen besonders große Unterschiede beim Funktionsverlust des Nierentransplantats bei Kindern und jungen Erwachsenen. Ein Grund für die schlechteren Ergebnisse in den USA könnte sein, dass Medikamente gegen die Transplantat-Abstoßung in der Regel nur für drei Jahre von der staatlichen Krankenversicherung erstattet werden, während in Europa die lebenslange Kostenübernahme durch die Krankenkassen gesichert ist. In den USA müssen die transplantierten Patienten nach drei Jahren oft selbst dafür aufkommen. Jährlich fallen durchschnittlich rund 20.000 Dollar an.

„Die Ursachen für die Diskrepanz zwischen USA und Europa sind durch die hier durchgeführten statistischen Analysen nicht endgültig ermittelbar“, sagt Dr. Adam Gondos, Epidemiologe am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Doch weise die Tatsache, dass die Ergebnisse im ersten Jahr gleich gut sind, danach aber in der USA sukzessive schlechter würden, darauf hin, dass die Betreuung nach einer Transplantation im Allgemeinen und die Versorgungssituation mit Immunsuppressiva im Besonderen hier eine gewisse Rolle spielen könnte.

Im Februar hatten bereits kanadische Nierenexperten eindringlich diese aktuelle US-Praxis kritisiert (NEJM 2012; 366;7). Die Rückkehr an die Dialyse schränkt die Lebenserwartung der Patienten ein, selbst wenn ein neues Organ zur Verfügung steht. Diese Rationierung sei weder ethisch verantwortbar noch ökonomisch sinnvoll, da die Dialyse mit rund 75.000 Dollar pro Jahr zu Buche schlage – mehr als dreimal so viel wie die Kosten der immunsuppressiven Behandlung. Bisher sind jedoch alle politischen Bemühungen in den USA um die Fortführung der Behandlung mit Immunsuppressiva nach Nierentransplantation über drei Jahre hinaus gescheitert.

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