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Transplantationen 3. April 2012

Großer Erfolg mit ex-vivo Perfusion

Beatmen und Durchbluten macht sonst inakzeptable Organe implantierbar: Bisher gab es nur sehr begrenzte wissenschaftliche Nachweise, wonach man durch eine spezielle Behandlung bisher für eine Transplantation als nicht mehr geeignet angesehene Spenderlungen "verbessern" konnte.

Wesentlich zum Nachweis beigetragen haben jetzt Transplantationschirurgen der MedUni Wien am AKH. Die Experten führten eine Studie durch, in der Spenderorgane außerhalb des Körpers beatmet und durchspült wurden. Der überwiegendste Teil der Organe konnte damit - ohne Gefahr für den Empfänger - optimiert werden.

ex-vivo Perfusion

Vergangenes Jahr gab es in Wien einen neuen Rekord bei Lungentransplantationen. 110 derartige Eingriffe wurden an der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie unter der Leitung von Walter Klepetko vorgenommen (2010: 98 Lungenverpflanzungen).

Damit zählte Wien weltweit zu den drei größten Zentren in Sachen Lungentransplantation. "Dieses Transplantationsvolumen (in Wien, Anm.) entspricht in etwa einem Drittel aller in ganz Deutschland durchgeführten derartigen Eingriffe", erklärte Klepetko Anfang des Jahres.

Einen wesentlich Anteil an diesem Rekord trug die Anwendung einer neuen Methode bei, der sogenannten "ex-vivo Perfusion". "Sie ermöglicht es, die Qualität von Spenderlungen außerhalb des menschlichen Körpers zu verbessern. Die Organe werden dabei in einer eigenen Maschine über mehrere Stunden beatmet, durchspült, in ihrer Qualität noch verbessert und anschließend transplantiert", sagte Klepetko. Damit sei es gelungen, 2011 mehr als zehn Lungen für die Transplantation verwendbar zu machen, die ansonsten nicht mehr dafür geeignet gewesen wären.

Ergebnisse überzeugend

Im angesehenen Fachjournal "American Journal of Transplantation" haben die Wiener Wissenschafter jetzt die Ergebnisse des Prozederes bei 13 Spenderorganen zwischen März 2010 und Juni 2011 belegt. Dabei zeigten vier der Organe keine Verbesserung im Rahmen der "ex-vivo Perfusion". Neun der Organe, die sonst nicht implantiert werden hätten können, zeigten aber eine so deutliche Steigerung ihrer Funktion, dass die Verpflanzung gelang. Bei keinem der Eingriffe stellte sich ein deutliches Organversagen binnen 72 Stunden ein, keiner der Patienten starb binnen 30 Tagen.

Die Wissenschafter: "Während des Beobachtungszeitraums gab es 119 andere standardmäßige Lungentransplantationen (ohne Verwendung der neuen Methode, Anm.). Die Ergebnisse waren ähnlich."

Die extrakorporale Perfusion von Spenderlungen wird mit einer blutlosen Lösung bei Körpertemperatur durchgeführt. Die Spenderlunge wird anfänglich wie bisher üblich gekühlt in den Operationssaal gebracht und dann nach einem genauen Schema an die Perfusion angeschlossen und über einen Zeitraum von 30 Minuten aufgewärmt. Die Beatmung wird erst begonnen, nachdem die Lunge auf Körpertemperatur aufgewärmt ist, um Schäden am Organ zu vermeiden.

Während der ex-vivo Perfusion werden laufend die entscheidenden Parameter wie Sauerstoffaufnahme, Elastizität der Lunge sowie Beatmungsdruck überwacht und damit die Organfunktion kontrolliert. Die Lunge wird durch eine spezielle Lösung mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt, der Flüssigkeitshaushalt optimiert. Dies kann vor allem das Aufkommen an Spenderorganen verbessern.

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