Der Transplantationsimmunologe Fritz Bach starb in den USA im Alter von 77 Jahren. In den späten 60er Jahren gelang ihm mit einer speziellen Technik die Optimierung der Spenderauswahl für Knochenmarkspender. Seine immunologischen Forschungserkenntnisse führten zu einer rasanten Verbesserung der Transplantationsergebnisse. Er war einer der Pioniere in der Untersuchung von Möglichkeiten tierische Organe so zu konditionieren, dass der Mensch sie bei einer Transplantation nicht abstoßen würde – und letztlich ein Warner vor einer frühzeitigen Anwendung dieser Methode. Seine Neugierde und wissenschaftliche Brillanz verknüpfte er mit einer ebenso begeisterten und ansteckenden Lebensfreude und kulturellen Offenheit. Am 14. August ist der gebürtige Österreicher und Harvard Professor Fritz Bach mit 77 Jahren in den USA gestorben. Bachs Verfahren "/>
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Transplantationen 22. August 2011

Ein begeisterter Forscher und ein liebenswürdiger Mensch

Der Transplantationsimmunologe Fritz Bach starb in den USA im Alter von 77 Jahren. In den späten 60er Jahren gelang ihm mit einer speziellen Technik die Optimierung der Spenderauswahl für Knochenmarkspender. Seine immunologischen Forschungserkenntnisse führten zu einer rasanten Verbesserung der Transplantationsergebnisse.

Er war einer der Pioniere in der Untersuchung von Möglichkeiten tierische Organe so zu konditionieren, dass der Mensch sie bei einer Transplantation nicht abstoßen würde – und letztlich ein Warner vor einer frühzeitigen Anwendung dieser Methode. Seine Neugierde und wissenschaftliche Brillanz verknüpfte er mit einer ebenso begeisterten und ansteckenden Lebensfreude und kulturellen Offenheit. Am 14. August ist der gebürtige Österreicher und Harvard Professor Fritz Bach mit 77 Jahren in den USA gestorben.

Bachs Verfahren

Die Technik, die Fritz Bach zur bestmöglichen Spender-Empfänger-Übereinstimmung entwickelte, bestand in der systematischen Vermischung von Zellen des Empfängers mit jenen des potentiellen Spenders, bis er jenen Spender fand, dessen Zellen keine Abwehrreaktion auf jene des Empfängers zeigte. So ließ sich bereits im Vorhinein feststellen, ob die Antikörper des Spenders und Empfängers kompatibel sind. Zum ersten Mal wurde diese Vorgangsweise 1968 eingesetzt: Von Dr. Robert A. Good, dem „Vater der Immunologie“ bei einer Knochenmarktransplantation eines fünf Monate alten Buben mit einem Knochenmarkschaden.

Spender-Empfänger-Kompatibilität

Fritz Bach selbst führte ein Team, das einen zweijährigen Buben mit einer Blutungsstörung und wiederholten Infektionen operierte. Einige Jahre später gelang es Bach das Verfahren zu beschleunigen. Anstatt nach Tagen, erhielt man nun nach Stunden das Ergebnis der Analyse und konnte so das Instrument auch für die Spender-Empfänger-Kompatibilität bei Nierentransplantationen einsetzen. Darüber hinaus beschrieb er, wie die weißen Blutzellen klassifiziert und eingefroren werden können, um bei vielen potentiellen Spendern als Screening verwendet zu werden.

Arbeiten zu Immunität und Abstoßreaktionen

Seine Arbeiten zur Kompatibilität von Spendern führten letztlich auch zu Experimenten, die die Identifikation des Major Histocompatibility Complex ermöglichten, ein System von Oberflächenproteinen, das die einzigartige Immunität jedes Menschen definiert. Seine Arbeiten über die Immunität und Abstoßungsreaktionen führten ihn in den 90er Jahren auch in das Feld der Xenotransplantation. Allerdings warnte er nachdrücklich vor den möglichen Gefahren, die durch eine Krankheitsübertragung von einem tierischen Organ auf den Menschen entstehen könnten.

Neueste Forschungen

Seine neuesten Forschungen beschäftigten sich einerseits mit der Vermeidung von lebenslanger immunsuppressiver Medikation nach Transplantationen durch eine bessere Transplantattoleranz und er fand Hinweise, dass sehr niedrige Konzentrationen von inhaliertem Kohlenmonoxid helfen könnten, den Schaden von zerstörten Arterien zu minimieren.

Zur Person

In einer jüdischen Familie am 5. April 1934 geboren, wurde Fritz Bach mit seinem um zwei Jahre älteren Bruder 1939 nach der Reichskristallnacht nach England verschickt, wo ihn eine britische Familie aufnahm. Mit der eigenen Familie trafen die beiden Kinder später in Bath zusammen und sie emigrierten mit finanzieller Unterstützung nach Amerika.

Schule, Universität und Medizinische Universität absolvierte er in den USA in Burlington, Vermont und in Harvard und unterrichtetet schließlich selbst an der Universität von Wisconsin, an der Universität von Minnesota und kehrte nach Harvard zurück. 2004 erhielt Fritz Bach die österreichische Staatsbürgerschaft zurück und 2005 wurde er Ehrendoktor der Universität Wien, wo er auch ein Forschungslaboratorium gründete.

Ein charismatischer Mensch

„Die Beiträge von Fritz Bach veränderten mehr oder weniger die Immunologie, wie wir sie kannten“, zitierte The Boston Globe Leo Otterbein, einen Professor von Harvard Medical School: „Er war wahrscheinlich auch der charismatischste Mensch, den ich je getroffen habe und es war ein großes Vergnügen ihn um sich zu haben und immer sehr unterhaltsam.“

Seinen Humor offenbarte er auch in der Beschreibung seines Hauses in Manchester-by-the-Sea: „Das Haus liegt am Strand am Atlantischen Ozean und die Aussichten und die Klänge und Geräusche des Ozeans bewahren mich davor, was wahrscheinlich sonst die Rechnungen eines Vollzeitpsychiaters wären.“

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