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Foto: Privat
Dr. Dolores Wolfram-Raunicher, Assistenzärztin für Plastische Chirurgie an der Universitätsklinik für Plastische und Wiederherstellungschirurgie und Mitglied der Gruppe Rekonstruktive Transplantationschirurgie Innsbruck
 
Transplantationen 2. Februar 2011

Rekonstruktive Transplantation

Innsbrucker Forscher arbeiten an zielgerichteten Therapien gegen Abstoßungsreaktion.

Bei der Übertragung von komplexen Gewebeeinheiten wie zum Beispiel bei Hand- und Gesichtstransplantationen werden intensive Abwehrreaktionen hervorgerufen. Diese machen es notwendig, die Patienten mit einer lebenslangen Immunsuppression vor der Abstoßung des Transplantats zu schützen. Ein Forschungsprojekt an der MedUni Innsbruck will nun neue Wege finden, die Abstoßungsreaktion hintanzuhalten.

 

Die teils schwerwiegenden Nebenwirkungen der immunsuppressiven Therapie sind mit ein Grund, warum solche Eingriffe derzeit noch nicht zum Behandlungsstandard zählen.

Schlüsselmechanismen gesucht

Dr. Dolores Wolfram-Raunicher, Assistenzärztin für Plastische Chirurgie an der Universitätsklinik für Plastische und Wiederherstellungschirurgie und Mitglied der Gruppe Rekonstruktive Transplantationschirurgie der MedUni Innsbruck, sucht nun in einem Forschungsprojekt nach den Schlüsselmechanismen der Abstoßungsreaktionen, um ein neues Therapiekonzept zu entwickeln. Die Leiterin des Projekts: „Wenn unterschiedliche Gewebeeinheiten wie Haut, Muskulatur, Blutgefäße und Knochen verpflanzt werden, treten die stärksten und schnellsten Abstoßungsreaktionen im Bereich der Haut auf, da sie äußerst immunogen ist. Wir haben unseren Forschungsschwerpunkt daher auf dieses Organ gelegt. Ziel unserer Studie ist es, die Zusammenhänge der Hautabstoßung besser zu verstehen, die Schlüsselmechanismen, die dazu führen, zu analysieren und in weiterer Folge wirksame zielgerichtete Therapien dagegen zu entwickeln.“

Patientenbezogene Therapien

Die Idee der Studie ist es, lokale Therapien zu entwickeln, die zum Beispiel in Form von Salben gezielt an den betroffenen Stellen des Körpers angewendet werden. Die Studie wird in zwei Phasen ablaufen. In einem ersten Schritt wird mittels Computermodellen versucht, die komplexen Zusammenhänge der Hautabstoßung besser zu verstehen, die Schlüsselmoleküle zu identifizieren und neue Therapieansätze zu entwickeln. In einem zweiten Schritt sollen dann diese Schlüsselelemente blockiert und auf diese Weise der Therapieansatz überprüft werden. Wolfram-Raunicher: „Es geht hier um Cytokine, also Proteine, die eine regulierende Funktion für das Wachstum und die Differenzierung von Zellen ausüben. Wir versuchen biotechnologische Antworten zu finden, die eine zielgerichtete Behandlung ermöglichen.“ Die Forscherin sieht ihre Studie und die zu erwartenden Ergebnisse als den Beginn eines langen, zukunftsträchtigen Wegs und erklärt: „Unsere Vision ist es, in Zukunft patientenbezogene Therapien zu entwickeln. Dazu werden wir Abstoßungsprofile der Betroffenen erstellen, um die akute Abstoßung individuell therapieren zu können.“

Fischill/IS, Ärzte Woche 5 /2011

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