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Schema der Transplantation des kompletten Kehlkopfs.
 
Transplantationen 2. Februar 2011

Kehlkopf verpflanzt

Komplexer Eingriff gibt Patientin nach elf Jahren Stimme und Atmung zurück.

Es handelt sich um eine der kompliziertesten Operationen, die jemals durchgeführt wurden, und es ist erst der zweite dokumentierte derartige Fall. In einem 18-stündigen aufwändigen Eingriff transplantierte ein internationales Team von Chirurgen am UC Davis Medical Center, Kalifornien, USA, der 52-jährigen Brenda Charett Jensen einen Kehlkopf samt Schilddrüse und Luftröhre. Mit Erfolg: die Patientin kann nun wieder sprechen, wie sich Journalisten bei einer Pressekonferenz in Sacramento Ende Jänner überzeugen konnten. Jensen begrüßte die Anwesenden glücklich mit einem herzhaften „Good morning“.

 

Nur 13 Tage nach dem chirurgischen Eingriff konnte die Patienten ihre ersten Worte nach fast elf Jahren wieder sprechen. Davor konnte sie aufgrund der Folgen einer Operationskomplikation weder sprechen noch normal atmen. Die Atemwege der Patientin waren narbig verschlossen, die Atmung erfolgte durch den Tracheotomie-Tubus. Mehr als zehn Jahre lang war Jensen bei der Kommunikation auf einen elektronischen Sprachgenerator angewiesen, der ihr eine etwas schwer verständliche, roboterartige Maschinenstimme verlieh.

Für die Transplantation wurde zuerst der Spender-Kehlkopf im angrenzenden Operationssaal herausoperiert, und zwar der gesamte Larynx, die Schilddrüse und ein sechs Zentimeter langes Segment der Luftröhre. Die Schilddrüse ist innig mit dem Larynx „verwoben“ und stellt die Blutzufuhr für das transplantierte Organ aus Kehlkopf und Luftröhre sicher. Das Transplantat wurde daraufhin in eine Salzlösung gelegt, damit das Gewebe vital bleibt, und getestet. Bis zur Transplantation wurde der Larynx-Trachea-Komplex schließlich in einer eiskalten Salzlösung gelagert.

Blutgefäße und Nerven korrekt wieder zu verbinden, war der Schlüssel für den Erfolg. Schluckvorgang, Bewegung der Stimmlippen und Atmung erfordern extrem komplexe und koordinierte Bewegungen, benötigen eine gute Durchblutung und funktionsfähige Nerven. Zwei Jahre lang übten die Operateure den Eingriff an tierischen und menschlichen Kadavern, bis sie ein detailliertes Operationsprotokoll entwickelt hatten, bevor sie den Eingriff wagten. Ein großer Teil der diffizilen Arbeiten wurde unter einem doppelseitigen Mikroskop durchgeführt, was ein gleichzeitiges und beidseitiges Arbeiten ermöglichte. Das Team musste fünf Nerven, drei Arterien und zwei Venen im Lauf der Operation verbinden.

Die Transplantation des Kehlkopfs war ein elektiver Eingriff. Die Operation ist keine Option für alle, die keinen funktionsfähigen Larynx haben, weil jede Organverpflanzung eine lebenslange Immunsuppression nötig macht. Jensen war jedoch bereits wegen einer Nierentransplantation unter immunsuppressiver Behandlung.

13 Tage nach der Operation wurde Jensen erstmals erlaubt, ihre Stimmbänder zu verwenden. Sie äußerste ihre ersten Wörter heiser, aber verständlich. Die Rekonvaleszenz verläuft sehr zufriedenstellend. Das tägliche Schlucktraining hilft, die Sensibilität des Rachens wieder herzustellen. Bevor die Ärzte ihr das Essen und Trinken erlauben können, muss noch eingehend getestet werden, ob das Schlucken auch sicher ist. Wenn alles gut geht, wird die Patientin den Tracheotomie-Tubus los werden und zu einem normalen Leben zurückkehren.

 

Quelle: Pressemeldung des UC Davis Health System, Sacramento, Kalifornien, USA

http://www.ucdmc.ucdavis.edu/

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 5 /2011

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