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Transplantationen 25. Mai 2010

Transplantation auch für Ältere

Ehemalige Risikogruppen vertragen Spenderorgane heute gut. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zu Organtransplantationen bilden eines der Hauptthemen anlässlich des 51. Österreichischen Chirurgenkongresses vom 2. bis 4. Juni 2010 im Design-Center Linz.

Für Patienten im Endstadium einer unheilbaren Lungen-, Leber- oder Nierenerkrankung wird eine Organspende oft zur Überlebensfrage. In Zeiten knapper Spenderressourcen mehrten sich früher die Überlegungen, potenzielle Empfänger nicht nur nach möglichen Abstoßungsreaktionen, sondern vermehrt auch nach Alter und Lebensstil zu evaluieren. Ethische Aspekte sowie klare wissenschaftliche Erkenntnisse sprechen allerdings längst gegen das „Zwei-Klassen-Dasein“ potenzieller Organempfänger.

Das Lebensalter des Organempfängers ist thematisch vom Tisch. Wurden etwa Lebertransplantationen bis vor 20 Jahren nur bis zu einem Alter von 50 durchgeführt, so ist heute fast ein Viertel der Patienten über 60. Jeder Dritte, der auf eine neue Niere wartet, ist im Pensionsalter. Da der Bedarf an Spenderorganen aufgrund der altersmäßigen Entwicklung unserer Gesellschaft kontinuierlich steigt, bietet die Eurotransplant-Zentrale seit einigen Jahren einen eigenen Senior-Service an. Dieser konzentriert sich darauf, geeignete Organe von Spendern über 65 Empfängern derselben Altersgruppe zukommen zu lassen. „Unseren langjährigen Beobachtungen nach gibt es bei Empfängern dieser Altersgruppe nicht mehr chirurgische Komplikationen als bei jüngeren Patienten. Auch die Überlebensrate ist mittlerweile vergleichbar“, berichtet Prof. Dr. Ferdinand Mühlbacher, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Chirurgie und Leiter der Abteilung Transplantation.

Postoperative Infektionen und Gefäßkomplikationen treten generell bei Älteren zwar etwas häufiger auf, dafür sind bei ihnen Abstoßungsreaktionen seltener.

Tumorerkrankungen im Griff

Im Prinzip hat sich das System „Alte Nieren für alte Empfänger“ bewährt. Prof. Mühlbacher: „Ein höheres Spenderalter verkürzt zwar die erwartbare Lebensdauer des Spenderorgans, aber dies ist wiederum bei jüngeren Empfängern problematischer.“ Auch das Restrisiko, dass mit einem älteren Spenderorgan eher eine bis dato unerkannte Tumorerkrankung mittransplantiert wird, habe man, so Prof. Mühlbacher, bereits besser im Griff. Das diesbezügliche Referat des ärztlichen Direktors der Berliner Charité, Prof. Dr. Peter Neuhaus, anlässlich des bevorstehenden Chirurgenkongresses in Linz wird bereits mit Spannung erwartet.

Ursache der Schädigung beeinflusst Ergebnis nicht

Auch bisheriger und möglicherweise erwartbarer Lebensstil des Empfängers haben auf den Erfolg einer Transplantation weit weniger Einfluss, als lange Zeit angenommen. „Die schon vor Jahren, etwa in England, erhobenen Forderungen, alkoholkranken Leberempfängern in Zeiten knapper Ressourcen weniger Priorität einzuräumen, sind weder ethisch noch wissenschaftlich begründet“, erklärt die Transplantationsmedizinerin Prof. Dr. Gabriela Berlakovich von der Wiener Universitätsklinik. Die Expertin verweist auf zahlreiche internationale Studien, die dokumentieren, dass der Erfolg in punkto Überlebensrate und Haltbarkeit des Implantats durchaus vergleichbar mit dem von Patienten ohne diesbezügliche Vorgeschichte ist. Selbst bei den wenigen Fällen, wo eine Rückfallstendenz auftritt, habe dies, so die Expertin in einer ihrer Publikationen, keinen Einfluss auf Lebenserwartung des Empfängers oder Haltbarkeitsdauer des gespendeten Organs. „Unabhängig von der Vorerkrankung leben fünf Jahre nach einer Lebertransplantation noch rund 80 Prozent unserer Patienten. Ihre Lebensqualität und Leistungsfähigkeit entsprechen auch durchaus denen gleichaltriger Gesunder“, sagt Prof. Berlakovich.

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