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Prim. Prof. Dr. Christoph Papp

Facharzt für Allgemein-Chirurgie und Facharzt für Plastische, Ästhetische & Wiederherstellungschirurgie
www.chpapp.at

 

 
Transplantationen 16. Oktober 2009

Hermann Maiers Plastischer Chirurg: Meine Erinnerungen an die Stunden im OP

In jener Nacht dieses schweren Unfalles von Hermann Maier wurde ich um halb 12 Uhr von meinem Sohn aufgeweckt. Ich habe überhaupt nicht gewusst worum es geht und auf Nachfrage hat mir mein Sohn mitgeteilt, dass mich Herr Prim. Dr. Karlbauer bitten würde in den OP zu kommen, da Hermann Maier mit einer ausgedehnten Weichteilverletzung und Knochenverletzung im OP liegt.

Doppelhandflächengroßer Weichteildefekt

Ich bin dann unverzüglich ins UKH gefahren. Dort haben mich Herr Dr. Trost und Prim. Dr. Karlbauer erwartet. Nach Begutachtung des Patienten zeigte sich, dass ein relativ glatter Unterschenkelbruch bestand, der von Dr. Trost mit einem Unterschenkelnagel bereits versorgt wurde. Allerdings bestand ein etwa doppelhandflächengroßer Weichteildefekt mit Freilegung der gesamten - zum Teil zerschlissenen Wadenmuskulatur und freigelegtem bereits versorgtem Tibiaknochen.

"Eine rasche Entscheidung, welche Defektdeckung hier sinnvoll ist, war von mir gefordert."

Da es sich hier um einen ausgedehnten Defekt handelte, wäre sicher in vielen rekonstruktiv tätigen Abteilungen der M. latissimus zur Rekonstruktion dieses Defektes verwendet worden. Ich habe mich aber relativ rasch zu einer gefäßversorgten Hautfasziendefektdeckung entschieden, da ich der Meinung war, dass keine weitere Muskulatur bei diesem Rennläufer beschädigt werden sollte.

Hautfaszienlappen des Oberarms

Ich habe deshalb entschieden, nach Reinigung und Präparation des Defektes, sowie Darstellen guter Versorgungsgefäße - den sogenannten lateral-Armlappen zu nehmen. Das ist ein Hautfaszienlappen, welcher vom Oberarm entnommen wird und ein sehr gutes Gefäßsystem hat, das dann an ein anderes Gefäßsystem angeschlossen werden kann, um somit eine sofortige Durchblutung dieses transponierten Hautfasziengewebes zu gewährleisten.

Schwierig zu verschließen

Die Entnahme des Lappen ist relativ rasch erfolgt, der Defekt konnte mit diesem ausgedehnten Faszienlappen zur Gänze gedeckt werden. Das Gefäßsystem konnte unter dem Mikroskop relativ rasch angeschlossen werden, sodass insgesamt eine Operationszeit von etwa drei Stunden für diese Arbeit ausreichte.

Die Entnahmestelle am Oberarm war relativ schwierig zu verschließen, da Hermann Maier natürlich eine relativ stark ausgeprägte Oberarmmuskulatur hatte und daher der primäre Wundverschluß sich etwas schwierig gestaltete, aber trotzdem möglich war.

Nach einer Beobachtungszeit von rund 24 Stunden war für mich klar, dass dieser Lapen gut durchblutet ist und eine - wie so häufig kolportierte - Amputation dieses Beines sicher nicht mehr notwendig sein würde.

Keine einfache Hauttransplantation

Die Primärversorgung eines solchen Defektes mit einem vitalen gefäßversorgten Gewebe ist meines Erachtens die wichtigste Indikation gewesen. Es handelte sich hier nicht um eine einfache Hauttransplantation, das muss noch einmal klargestellt werden, sondern es handelte sich hier um einen wirklich diffizilen mikrochirurgischen Eingriff, da ansonsten eine Sanierung dieses Defektes überhaupt nicht möglich gewesen wäre.

Lebensrettende Intensivmedizin

Die Gefahr bei solchen Defekten ist eine Infektion und in Folge eine Superinfektion, wenn diese nicht sofort versorgt wird.

Die postoperative Problematik lag eher im Bereich der Intensivmedizin und wurde diese meines Erachtens mit größter Sorgfalt und hervorragender medizinischer Leistung von dieser Seite bewerkstelligt, diese hat eigentlich dem Mann das Leben gerettet. 

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