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Neurochirurgie 15. Juni 2015

Neuer Hirnschrittmacher bei Morbus Parkinson

Eine Studie zeigt deutliche Verbesserung der Lebensqualität.

Die Therapie des Morbus Parkinson besteht aktuell vor allem aus Medikamenten. Diese ist bei vielen Patienten nicht ausreichend und die Lebensqualität verschlechtert sich zunehmend. Eine neue Studie, die auch in Kooperation mit Wiener Neurochirurgen durchgeführt wurde, berichtet erstmalig über Ergebnisse eines neuartigen Hirnschrittmachers.

2010 wurde an der Uniklinik Köln weltweit erstmals ein neuartiger aufladbarer Hirnschrittmacher mit acht Kontakten eingesetzt, der es den Ärzten ermöglicht, an jeder Kontaktstelle den Strom genau auf Wirkung und Nebenwirkung des Patienten anzupassen (sogenanntes „Current Steering“). Dieses System wurde nun bei 40 Parkinson-Patienten in Spanien, Österreich, England, Frankreich, Italien und Deutschland in einer Multicenter-Studie untersucht. Prof. Dr. Lars Timmermann, Uniklinik Köln, sein Wiener Kollege Prof. Dr. Francois Alesch und Kollegen berichten im Lancet Neurology, dass bereits drei Monate nach der Operation eine erhebliche Verbesserung der Beweglichkeit zu bemerken war: Nach sechs Monaten waren die Patienten bis zu 62,4 Prozentpunkte besser beweglich als vor der Operation. Ein Jahr nach der Implantation waren die Ergebnisse immer noch auf gleichbleibendem Niveau.

Ähnlich starke Verbesserungen konnten die Ärzte bei den Aktivitäten des täglichen Lebens nachweisen: Die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich nach zwölf Monaten um 33,8 Prozent vor allem in der Mobilität der Patienten, den Alltagstätigkeiten und dem körperlichen Wohlbefinden. Damit waren insbesondere die Veränderungen der Motorik deutlich besser als in allen bislang durchgeführten Studien zu Hirnschrittmachern bei Morbus Parkinson. Gleichzeitig konnten die bisher eingenommenen Medikamente bei den Patienten um 58,1 Prozent reduziert werden. Die beobachteten Nebenwirkungen, wie beispielsweise Sprechstörungen, waren dagegen mit vorangegangenen Studienergebnissen vergleichbar.

Originalpublikation: L. Timmermann et al. The Lancet Neurology 2015; 14 (7):693–701

Uniklinik Köln, Ärzte Woche 25/2015

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