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Neurochirurgie 7. Mai 2013

Fluoreszenzmarker bringt Gehirntumore zum Leuchten

Neue Methode erleichtert Biopsie und Operation.

Stereotaktische Nadel-Biopsien sind ein etabliertes Standardverfahren bei der Diagnosestellung von Hirn-Lymphomen und bestimmten hirneigenen Tumoren (Gliomen). Die entnommenen Gewebeproben mussten bisher während des Eingriffs an der Neuropathologie auf Tumorzellen untersucht werden. Um diagnostische Sicherheit zu erlangen, waren zudem oft mehrfache Biopsien und somit die mehrfache Entnahme von Gewebe nötig. Mit dem Fluoreszenzmarker 5-ALA kann die korrekte Entnahmestelle der Tumorbiopsie und damit die exakte Diagnose sofort im Operationssaal bestätigt werden. Das zeigt eine Studie der Universitätsklinik für Neurochirurgie der MedUni Wien.

Der Patient muss dafür die 5-Aminolävulinsäure (5-ALA), einen Fluoreszenzmarker in Pulverform, in Wasser aufgelöst rund vier Stunden vor der Operation zu sich nehmen. Durch die tumorbedingte Störung der Blut-Hirn-Schranke sowie vermutete Enzymdefekte in der Tumorzelle reichert sich 5-ALA dort selektiv an. Während der Operation wird dann ein Blaulicht vom Operationsmikroskop ausgesendet, das die Tumorzellen bei Verwendung von 5-ALA in roter Farbe fluoreszieren lässt.

Verkürzte Eingriffsdauer

Bisher wurde 5-ALA bei der neurochirurgischen Entfernung von aggressiven Hirntumoren (Glioblastomen) bereits erfolgreich eingesetzt. „Mit unserer Studie haben wir nachgewiesen, dass es auch bei der Biopsie nützlich und effizient ist“, sagt Studienautor Prof. Dr. Georg Widhalm. „Bei klarer 5-ALA Fluoreszenz der Tumorprobe kann nun die Biopsie beendet werden, ohne eine neuropathologische Untersuchung während des Eingriffes und eine Serienbiopsie durchführen zu müssen. Daraus resultiert eine deutlich verkürzte Eingriffsdauer und erhöhte Sicherheit des Eingriffs.“

Zusätzlich konnte erstmals nachgewiesen werden, dass nur die aggressiven Tumoranteile bei hirneigenen Tumoren leuchten. Das ermöglicht die Entnahme der Tumorprobe exakt an der richtigen Stelle, dem sogenannten Hot Spot – sowohl bei der Entfernung als auch bei der Biopsie von Tumoren. Dadurch wird eine exakte Bestimmung des Tumorgrades entsprechend der Klassifikation der WHO ermöglicht. Prof. Dr. Stefan Wolfsberger, Studienleiter, erklärt: „Liegt bereits ein WHO-Grad III und damit ein rasch wachsender Tumor vor, kann man sofort die richtige Therapie nach dem neurochirurgischen Eingriff veranlassen.“ Das reicht von der Chemo- bis hin zur Strahlentherapie mit dem Ziel der Maximierung der Lebenserwartung der Betroffenen.

CLINS

Die Studie basiert auf der interdisziplinären Kooperation zwischen Neurochirurgie, Neuropathologie, Onkologie, Strahlentherapie, Radiodiagnostik und Comprehensive Cancer Center (CCC) an der Medizinischen Universität Wien und im AKH Wien. Das Paper entstand im Rahmen des Doktoratsstudiums „Clinical Neurosciences“ (CLINS) an der Universitätsklinik für Neurochirurgie. Widhalm ist einer der vier ersten Absolventen des CLINS.

Originalpublikation: Widhalm G et al.: Neurosurg Rev. 2012; 35 (3): 381–91

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