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Neurochirurgie 11. November 2012

Hörgerät am Hirnstamm implantiert

Bei einem Patienten mit zerstörten Hörnerven wurde ein Hörimplantat direkt am Nucleus cochlearis angebracht.

Im AKH Wien/MedUni Wien wurde erstmals ein Hörimplantat am Hirnstamm implantiert. Dieser Eingriff war der erste dieser Art in Österreich und wurde an einem 23-jährigen Patienten vorgenommen. Die Operation wurde interdisziplinär von den Universitätskliniken für Neurochirurgie und Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten durchgeführt.

Zerstörter Hörnerv

Völlig taube Patienten können grundsätzlich mit Cochlea-Implantaten versorgt werden, solange der Hörnerv funktioniert und die Taubheit durch Funktionsverlust des Innenohres bedingt ist. Nun war es erstmals notwendig, bei einem ertaubten Patienten, bei dem auch der Hörnerv durch einen Tumor beidseits zerstört war (Neurofibromatose Typ II) ein Hörimplantat (Auditory Brainstem Implant) an den Hörnervenkern (Nucleus cochlearis) zu implantieren. Voraussetzung war, dass das Akustikusneurinom entfernt werden konnte.

Patienten mit Neurofibromatose leiden häufig unter multiplen Neurinomen im Gehirn und im Rückenmark. Oft liegen auch Akustikusneurinome beidseits vor, bei denen durch langsame Zerstörung des Hörnervs eine vollständige Taubheit eintritt. Die einzige Möglichkeit, diesen Patienten wieder Höreindrücke zu vermitteln, ist ein Hirnstammimplantat. Die stimulierende Elektrode wird dabei an die Oberfläche des Hirnstammes im 4. Ventrikel, direkt an den Hörnervenkern platziert. Intraoperativ wird dabei ein Stimulationstest durchgeführt (Hirnstammaudiometrie, E-Bera), um die Lokalisation der Hirnstammelektrode zu optimieren.

Erfolgreiche Inbetriebnahme

Die Operation ist komplikationslos verlaufen, der Patient war bereits am nächsten Tag wieder voll ansprechbar und mobil. Er hat die Implantation gut toleriert, sodass er bereits nach einer Woche die Klinik verlassen konnte.

Ähnlich wie bei Cochlea-Implantaten, kann das Hirnstammimplantat einige Wochen nach dem operativen Eingriff erstmals aktiviert werden. Da dabei eine elektrische Stimulation direkt am Hirnstamm durchgeführt wird, wurde diese Erstinbetriebnahme (sogenannte Erstanpassung) auf einer Intensivstation in Anwesenheit eines Anästhesisten durchgeführt.

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