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Neurochirurgie 17. Mai 2011

Eingreifen oder nicht eingreifen? Das ist die Frage!

Wann Gefäßfehlbildungen im Gehirn behandelt werden müssen.

Seit Computer- und Magnetresonanztomografie detaillierte Einblicke in das menschliche Gehirn ermöglichen, werden Gefäßfehlbildungen häufiger entdeckt. Ihre rechtzeitige Behandlung kann das Leben der Betroffenen retten. Es gibt jedoch auch weniger gefährliche Varianten, bei denen eine Therapie nicht unbedingt notwendig ist. Wann Gefäßfehlbildungen behandelt werden müssen und welche Therapiemöglichkeiten es gibt, diskutierten Experten im Rahmen der 62. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) in Hamburg (7.-11. Mai 2011).

 

„Die meisten Gefäßfehlbildungen im Gehirn sind angeboren. Manche Varianten werden aber auch durch einen Bluthochdruck oder Rauchen begünstigt”, erklärte Prof. Dr. Volker Seifert, Direktor der Klinik für Neurochirurgie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Neben Kopfschmerzen können die Fehlbildungen zu Krampfanfällen oder Lähmungen führen. In der Regel bleiben sie jedoch lange Zeit unbemerkt und werden zufällig entdeckt, wenn Ärzte aus anderen Gründen eine Computer- oder Magnetresonanztomografie durchführen.

Eingriffe sind nicht risikolos

Eine Behandlung von Gefäßfehlbildungen ist mittels Katheter, durch eine Operation oder eine Strahlentherapie oft möglich. Eingriffe am Gehirn sind jedoch niemals ohne Risiko. Ob und wie dringend die Patienten behandelt werden müssen, richtet sich nach Art und Gefährlichkeit der Fehlbildung. Das größte Risiko geht von einem sogenannten Aneurysma aus. Dabei handelt es sich um blasenförmige Aussackungen der großen Hirngefäße an der Schädelbasis. „Jede Blutung ist hier ein hochdramatisches Ereignis, das häufig tödlich verläuft oder schwere Behinderungen hinterlässt”, warnte Seifert. Ob diese Gefahr droht, hängt von Größe und Lage des Aneurysmas ab, wie internationale Studien gezeigt haben. Ist eine Therapie notwendig, wird fächerübergreifend entschieden, ob eine Operation oder eine Katheterbehandlung günstiger ist. Bei der Operation verschließen die Ärzte das Aneurysma durch einen Titan-Clip im Rahmen eines mikrochirurgischen Eingriffs. Bei der Katheterbehandlung wird das Aneurysma von innen über den Gefäßweg mit Platinspiralen ausgefüllt.

Eine weitere Gefäßfehlbildung stellen die arteriovenösen Angiome dar. Bei diesen Gefäßmissbildungen aus knäuelartig verschlungenen Blutgefäßen gelangt das Blut über die Arterien direkt in die häufig erweiterten Venen. Auch hier kann es zu einer Blutung kommen. Im Gegensatz zum Aneurysma besteht bei dieser jedoch nur selten unmittelbare Lebensgefahr. Haben Angiome geblutet, so müssen sie behandelt werden, um eine erneute Blutung zu verhindern. Auch wenn nicht blutende Angiome Symptome verursachen, zum Beispiel eine Epilepsie, ist eine Therapie angezeigt.

Blutungen im Kavernom

Aus den sogenannten kavernösen Hämangiomen oder Kavernomen, einer weiteren Gefäßfehlbildung, blutet es nur selten. Häufig kommt es jedoch über kleinste Blutungen im Kavernom selbst zu einer Größenzunahme, die dann zu neurologischen Ausfällen führen kann. Weil sich kavernöse Hämangiome häufig in tiefer gelegenen Hirnbereichen befinden, kann die Operation schwierig sein. „Bei dem insgesamt geringen Blutungsrisiko muss die Behandlungsnotwendigkeit daher sorgfältig gegenüber den Risiken abgewogen werden“, so Seifert.

Bei allen Gefäßfehlbildungen entscheiden Neurochirurgen, Neuroradiologen und Neurologen gemeinsam, welches Vorgehen im Einzelfall am besten ist. „Die Behandlung sollte nur in einem Hirngefäßzentrum mit einem großen Patientenaufkommen und einer umfassenden Erfahrung der Ärzte durchgeführt werden“, betonte Seifert. 

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