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Foto: SALK/Unterhauser
Gerade bei den kleinen Patienten mit LKG-Fehlbildungen kommt neben der schulmedizinischen Behandlung auch der psychologischen Betreuung der Betroffenen und deren Angehörigen ein besonderer Stellenwert zu.
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Neben Vererbung können auch äußere Einflüsse in der Schwangerschaft mögliche Ursachen für die Entwicklung der LKG-Spalte des Neugeborenen sein.

 

LKG-Spalten: häufige angeborene Fehlbildung weltweit

Heute kann in den meisten Fällen schon sehr früh eine Korrektur der Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte vorgenommen werden, sodass eine Normalisierung der Funktion und Rehabilitation der Patienten erreicht wird.

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (LKG-Spalten) zählen zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen weltweit. In Österreich kommen pro Jahr zirka 120 bis 130 Neugeborene mit einer dieser Fehlbildungen zur Welt, das heißt, dass derzeit in Österreich eine Spalt-Fehlbildung pro zirka 600 Geburten auftritt. Die Ursachen dafür sind noch nicht geklärt.

Bei den Lippen-Kiefer-Gaumen-(LKG)-Spalten sind unterschiedlichste Ausprägungsgrade möglich – von der Minimalvariante einer Spaltbildung, nämlich einer Spaltung des Gaumenzäpfchens oder einer verdeckten Spalte des weichen Gaumens, über durchgehende Gaumenspalten mit zusätzlicher Beteiligung von Lippe und Kiefer bis zu doppelseitigen vollständigen Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Diese Spaltbildungen entstehen durch eine unvollständige oder ganz ausbleibende Verwachsung bestimmter Gewebsstrukturen während der Kindesentwicklung im Mutterleib im zweiten Schwangerschaftsmonat.

Die Ursachen für diese Fehlbildung sind noch nicht definitiv geklärt. Neben Vererbung sind auch äußere Einflüsse in der Schwangerschaft wie z. B. Virusinfektionen und Erkrankungen in den ersten beiden Schwangerschaftsmonaten, medikamentöse, aber auch schädliche Substanzen wie Alkohol, Nikotin, Drogen usw. mögliche Ursachen.

„Bei den kompletten Spaltformen können neben dem Aussehen auch wichtige Funktionen wie Atmung, Ernährung, Sprache und Gehör gestört sein. Weiters kommt es neben der psychischen Belastung für Eltern und Kind auch oft zu Problemen im sozialen Umfeld (Familie, Kindergarten, Schule, Beruf, Freunde), so dass immer eine Behandlung durch mehrere Spezialisten in einem interdisziplinären Behandlungsteam nötig ist“, sagt Dr. Peter Schachner, Leiter des Interdisziplinären Zentrums für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten an der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Salzburger Landeskrankenhaus. „Dazu gehören neben der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie auch die HNO, die Kieferorthopädie, die Kinderheilkunde, ebenso die Logopädie und die Zahnheilkunde. Besonders wichtig ist dabei auch die psychologische Arbeit mit den betroffenen Patienten sowie mit deren Familien, da die Diagnose der Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte für Betroffene und Angehörige oft mit unterschiedlichen Ängsten und Sorgen verbunden ist.“

Gute Behandlungsergebnisse erzielbar

In Salzburg werden an der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie jährlich 300 Patienten regelmäßig behandelt und 80 bis 100 Operationen bei Patienten mit LKG-Spalten durchgeführt. Durch eine umfassende Betreuung im Interdisziplinären Behandlungszentrum für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten an der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Salzburg sowie eine Behandlungsoptimierung auf dem medizinischen Sektor im Laufe der letzten Jahre lassen sich im Normalfall beachtliche Ergebnisse erzielen.

Umfassende Betreuung wichtig

„Ein Neugeborenes mit einer Spaltbildung sollte bereits in den ersten Lebenstagen dem Behandlungsteam, vor allem Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Kieferorthopädie und Still- und Ernährungsberatung, vorgestellt werden. Die Eltern soll-ten in einem ausführlichen Ge-spräch über diese Fehlbildung und ihre Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt werden, auch psychologische Betreuung und Unterstützung sollte ihnen angeboten bzw. ermöglicht werden – oft schon bei Diagnosestellung in der Schwangerschaft“, betont Schachner, der seit 2005 auch Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und Kraniofaziale Anomalien ist.

Ist der Gaumen von der Spaltbildung mitbetroffen, so fehlt die Trennung von Mund- und Nasenraum. Damit können Trinken, Schlucken, Atmen, die Zungenmotorik, Lautbildung und Mimik beeinträchtigt sein. Um dies positiv zu beeinflussen, ist in vielen Fällen eine frühzeitige Behandlung mit einer Gaumenplatte sinnvoll.

Operative Korrekturen bereits im Säuglingsalter

Die operativen Korrekturen beginnen im 4. bis 6. Lebensmonat mit dem Verschluss der Lippenspalte, Gaumen- und Kieferspalte werden meist etwas bzw. deutlich später operativ verschlossen. Für die Wahl des richtigen Operationszeitpunk-tes sind das individuelle Wachstum und ein entsprechend abgestimmtes Behandlungskonzept des gesamten Behandlungsteams entscheidend. Ziel muss eine normale Eingliederung der Betroffenen im sozialen Umfeld sein. In vielen Behandlungszentren haben sich auch Eltern zu Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen, in denen durch den Erfahrungsaustausch Betroffener oft wertvolle Hilfe im Umgang mit dieser Erkrankung geleistet werden kann. „Eine gut aufeinander abgestimmte Betreuung durch mehrere Fachdisziplinen macht es heute möglich, in den meisten Fällen schon sehr früh eine weitgehende Korrektur der Fehlbildung und Normalisierung der Funktionen und damit eine möglichst frühzeitige Rehabilitation von Patienten mit LKG-Spalten zu erreichen“, so Schachner. KK

Quelle: Presseaussendung der Salzburger Landeskliniken, SALK, anlässlich des 9. Internationalen Kongresses „European Craniofacial Congress“, der vom 14.–17. September 2011 in Salzburg stattgefunden hat.

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