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Diagnostik von Gerinnungsstörungen bei Patienten mit Tonsillenspätblutung

EINLEITUNG: Die Tonsillektomie ist die häufigste Operation der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Im Durchschnitt werden an der Universitätsklinik für HNO in Wien etwa 500 Tonsillektomien pro Jahr durchgeführt. Bei 1,8 % der Patienten trat eine erhebliche Tonsillenspätblutung auf. Diese Inzidenz stimmt mit der von anderen Autoren berichteten Rate von 2–4 % überein. Derzeit wird eine routinemäßige präoperative Gerinnungsdiagnostik zur Prävention postoperativer Blutungen ohne Einzelfaktorenanalyse durchgeführt. MATERIAL UND METHODEN: Innerhalb des Jahres 2007 wurde in 3 Patienten mit präoperativ erhobenen unauffälligen Gerinnungsparametern aber rezidivierend auftretender Tonsillenspätblutungen (2 bis 7 mal) ein kompletter Gerinnungsstatus durchgeführt. RESULTATE: Nach Auftreten von rezidivierenden Spätblutungen zeigte die Einzelfaktoranalyse einen Faktor XIII, einen Faktor XII Mangel sowie bei einem Patienten einen Willebrand Faktor Mangel. Nach Verabreichung eines Gerinnungsfaktorsubstituts konnten die rezidivierenden Spätblutungen gestoppt werden. SCHLUSSFOLGERUNG: Die Ergebnisse zeigen, daß die derzeit durchgeführte routinemäßige präoperative Gerinnungsdiagnostik eine Lücke bei der Erfassung eines erhöhten Blutungsrisikos aufweist. Die Untersuchung von Einzelfaktoren bei Auftreten einer postoperativen Spätblutung trotz eines normalen präoperativen Gerinnungsbefundes dient zur Diagnostik von versteckten Gerinnungsstörungen, die eine spezifische Therapie ermöglichen. Die Einschließung dieser Analysen in die präoperative Diagnostik könnte daher auch das postoperative Blutungsrisiko senken.

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