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Chirurgie 11. März 2016

Konservativ versus Modern

Mögliche Operations-Techniken beim Leistenbruch.

Die Operation des Leistenbruchs ist einer der häufigsten chirurgischen Eingriffe. Bis auf wenige Hochrisikosituationen sollte heutzutage allen Betroffenen dazu geraten werden. Dabei setzen sich immer häufiger moderne Operationstechniken durch.

„Ich glaube, ich hab mir einen Bruch gehoben!“ – so klingt es, wenn Patienten beschreiben, dass sich bei ihnen ein Leistenbruch entwickelt hat. Die Operation des Leistenbruchs ist einer der häufigsten chirurgischen Eingriffe, wobei sich seit Jahren zunehmend moderne Operationsverfahren wie die laparoskopische Technik und die Verwendung von neu entwickelten Kunststoffmaterialien und auch Spezialkleber zur Netzfixierung etabliert haben.

Diagnose mit dem Finger

Meist ist die Diagnose eines Leistenbruchs einfach und sicher durch eine Untersuchung der Leiste mit dem Finger möglich. Oft stellen die Patienten selbst die richtige Diagnose – sie bemerken, dass sich in der Leiste eine Vorwölbung zeigt. Gelegentlich ist eine exakte Diagnose aber erst mithilfe eines erfahrenen Ultraschalluntersuchers möglich. Heutzutage sollte bis auf ganz wenige Hochrisikosituationen allen Patienten zur Operation geraten werden, schon um die zwar seltene, dann aber gefährliche Komplikation, die Einklemmung des Bruches, zu verhindern.

„Klassische Methode“

Bei der „Klassischen Methode“ nach Shouldice wird die Lücke im Leistenkanal mit direkter Naht verschlossen. Es wird kein Kunststoffnetz verwendet, der Zug der Naht bereitet etwas mehr Schmerzen. Angeraten wird das Verfahren bei jüngeren Patienten, Frauen, bei denen ein Kinderwunsch besteht, und bei Patienten, die Vorbehalte gegenüber einem Kunststoffnetz haben.

Laparoskopische Hernienplastik

Seit etwa 20 Jahren setzen sich weltweit immer mehr minimal-invasive Operationstechniken durch wie die sogenannte „TAPP“. Dabei wird in Vollnarkose der Bauch wie eine Traglufthalle aufgeblasen, von drei kleinen Einstichen aus wird der Bruchsack mit Spezialinstrumenten wieder in den Bauchraum hineingezogen und die Bruchlücke mit einem Kunststoffnetz überdeckt. Dieses Netz wird von innen an der Bauchdecke befestigt, bisher oft mit Metall- oder Kunststoffclips, in letzter Zeit zunehmend mit Spezialklebern, die einen noch schmerzärmeren postoperativen Verlauf gewährleisten. Die Patienten können nach wenigen Tagen ihren Alltag normal bewältigen – nach etwa zwei Wochen ist auch leichter Sport wieder möglich. Diese Technik ist ideal für Patienten mit beidseitigen Leistenbrüchen oder Rezidivbrüchen.

Eine Variante ist die „TEP“-Technik, bei der nur innerhalb der Bauchdeckenschichten mit dem Laparoskop gearbeitet wird, diese hat sich aber in Österreich nicht durchgesetzt.

Angepasstes Kunststoffnetz

Bei der Lichtenstein-Operation wird der Bruch mit einem relativ kleinen Schnitt in der Leiste abgetragen und die Bruchlücke mit einem genau angepassten Kunststoffnetz überdeckt. Dieser Eingriff lässt sich sehr gut mit Kreuzstich oder auch in örtlicher Betäubung durchführen und eignet sich daher vor allem für ältere Patienten oder solche mit erhöhtem Narkoserisiko.

Peter Jiru, Ärzte Woche 10/2016

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