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Chirurgie 25. Jänner 2016

Selbst ist der Chirurg

Schweizer setzen erstmals Knöchelprothese mit 3D-gedruckten Hilfsmitteln ein.

Zum ersten Mal in der Schweiz hat ein Spezialistenteam des Universitätsspitals Genf eine Knöchelprothese mit Hilfsmitteln aus dem 3D-Drucker eingepflanzt. In Europa ist diese Technik bisher nur in Großbritannien, Deutschland und Italien zum Einsatz gekommen.

Im Vergleich zu konventionellen Verfahren hat die Verwendung von Hilfsmitteln aus dem 3D-Drucker mehrere Vorteile: Unter anderem eine starke Reduktion der Operationsdauer, größere Präzision, einen weniger invasiven Eingriff und ein geringeres Infektionsrisiko, wie die Hôpitaux universitaires de Genève (HUG) am Dienstag mitteilten.

Der Eingriff wurde durch den Mediziner Dr. Victor Dubois-Ferrière durchgeführt, der die Technik von einer Weiterbildung an der Université McGill in Montreal mitbringt. Zunächst wird dabei durch ein Scan-Verfahren eine virtuelle Nachbildung der Knochen des Patienten erzeugt. Das erlaubt, eine 3D-Rekonstruktion seiner Anatomie und die perfekte Position für die Prothese zu bestimmen.

Anhand dieser Rekonstruktion stellen die Spezialisten anschließend Positionierungs- und Schnittführungshilfen mit einem 3D-Drucker her. Diese Hilfen sind auf den Millimeter genau und können bei der Operation eingesetzt werden. Direkt auf Schien- und Sprungbein platziert erlauben die Hilfen ein rasches und präzises Setzen der nötigen Schnitte im Knochen.

Dauer des Eingriffs stark reduziert

Auf diese Weise lässt sich der Knochen sehr präzise und individuell auf den Einsatz der Prothese vorbereiten. Mit den 3D-gedruckten Schnittführungshilfen reduziert sich die Dauer des Eingriffs stark; wahrscheinlich sogar bis um die Hälfte. Dies weil sie alle zuvor nötigen Schritte vor der Platzierung der Hilfen unnötig macht.

Auch die Röntgenaufnahmen während der Operation werden so reduziert, was die Strahlenbelastung für den Patienten vermindert. Zudem kann der Chirurg jeden Schritt des Eingriffs präzise planen, bevor er den Operationssaal betritt – dank des virtuellen 3D-Modells des Knöchels.

Auf diese Weise kann der Chirurg das Gelenk und die nötigen Knochenschnitte genauestens visualisieren, bevor er oder sie zu operieren beginnt. So lassen sich zudem Hindernisse voraussehen, wie zum Beispiel chirurgische Schrauben, die bei einer früheren Operation eingesetzt wurden.

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