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© Prof. Dr. Dr. H. Eufinger(3)
Ebbe Sand 1999 mit der ersten individuell gefertigten Maske im Profifußball. Wichtig: Bei der Anfertigung muss berücksichtigt werden, dass die Maske über dem Nasenbein hohlgelegt wird.
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Ebbe Sand 1999 mit der ersten individuell gefertigten Maske im Profifußball. Wichtig: Bei der Anfertigung muss berücksichtigt werden, dass die Maske über dem Nasenbein hohlgelegt wird.

Die Maske auf dem angefertigten Gipsmodell.

 
Chirurgie 10. November 2015

Maskenmänner als Torjäger

Spezialmasken ermöglichen Profi-Fußballern ein rasches Comeback nach Gesichtsverletzungen.

Nach Verletzungen an den unteren Extremitäten stehen Kopf-und Gesichtsverletzungen bei Profifußballern in der Häufigkeit an zweiter Stelle. Frakturen betreffen dabei vor allem das Nasen- und das Jochbein.

Ein Beispiel ist FC-Bayern Stürmer Robert Lewandowski, der sich in einem Pokalspiel beim Zusammenprall mit dem gegnerischen Torwart den Oberkiefer und das Nasenbein brach. „Mit den Möglichkeiten der modernen MKG-Chirurgie können diese Frakturen rasch versorgt werden, Spielfähigkeit würde aber normalerweise erst mit sicherer Abheilung nach drei bis sechs Wochen wieder erlangt“, sagt Prof. DDr. Gerd Gehrke von der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG).

Die individuell gefertigten Gesichtsmasken können die zu versorgenden Bereiche absolut sicher schützen und ermöglichen damit auch den raschen Spieleinsatz des Sportlers. Prof. DDr. Harald Eufinger, Chefarzt der Klinik für MKG-Chirurgie Klinikum Vest Recklinghausen, ist „Erfinder“ dieser maßgefertigten Masken, die aus dem modernen Profi-Fußball nicht mehr wegzudenken sind. So macht es eine Spezialanfertigung möglich, dass Robert Lewandowski bereits nach einer Woche wieder fürs Champions League Spiel einsatzbereit ist.

Das Debüt der Gesichtsmasken am grünen Rasen erfolgte schon im Jahr 1999 in der deutschen Bundesliga: „Ebbe muss am nächsten Samstag wieder spielen!“ Diese klare Forderung des Mannschaftsarztes noch während der ambulanten Reposition einer Nasenbeinfraktur von Ebbe Sand – damals dänischer Legionär im Dienste von Schalke 04 – unter Lokalanästhesie am Abend des Unfalls galt es zu erfüllen. Unmöglich wäre dies aber ohne absolut sicheren mechanischen Schutz, auch für das Selbstvertrauen des Stürmers.

Die Lösung eröffnet sich einem Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen aus seiner nicht nur ärztlichen, sondern auch zahnärztlichen Ausbildung: Wie eine Zahnprothese über einem empfindlichen Kieferbereich könnte auch eine individuelle Maske über dem gesamten Nasenbein hohlgelegt sein. Dafür muss sie sich aber neben und über der Nase an drei Punkten sicher abstützen und in dieser eindeutigen Position mit Gurten über den Kopf fixiert sein − wie manche kieferorthopädischen Geräte bei Kindern. Nach Abnehmen des Nasengipses wurde eine solche Maske erstmals für Ebbe Sand innerhalb von einem Tag angefertigt. Eine Woche später erzielte der dänische Stürmer das 1 : 0 im Bundesligaspiel gegen Unterhaching. Und die deutsche Sportpresse erfreute sich an der Phrase, dass Ebbe Sand so (tor)gefährlich sei, wie er aussehe.

Bedrohlich, aber sicher

Das „gefährliche Aussehen“ mag bis heute ein wesentliches Merkmal der Maskenmänner sein. Bis zum Spielanpfiff war es unklar, ob der Schiedsrichter beim Spiel Schalke gegen Unterhaching den Einsatz von Ebbe Sand überhaupt erlauben würde. Dass er es ohne Zögern tat, war nach der Anforderung durch den Mannschaftsarzt und der Problemlösung durch den MKG-Chirurgen die dritte ganz wesentliche Voraussetzung, die Verbreitung der Schutzmasken einzuleiten. Verletzungen von Gegenspielern durch diese Masken sind bis heute nicht bekannt geworden, so dass die prospektiv sicher sehr gewagte Schiedsrichterentscheidung rückblickend als völlig richtig bestätigt wird. Übrigens wurden im gleichen Jahr beim FC Schalke 04 noch der tschechische Nationalspieler Radoslav Latal nach einer Jochbogenfraktur und ein Vertragsamateur nach einer Jochbeinfraktur mit einer solchen Maske versorgt. Die Kosten von heute knapp 1.000,– Euro trägt die Berufsgenossenschaft, auch bei Verletzungen ausländischer Spieler bei einem Einsatz in ihrer Nationalmannschaft.

In der Folge brach die Nase von Ebbe Sand noch zwei Mal, 2004 und 2006. Beide Male wurde er mit einer faserverstärkten Karbonmaske versorgt, wie sie heute allgemein üblich sind. Dieses Material ist leichter, bruchfest und angenehmer zu tragen. Auch werden die Masken nicht mehr in einem zahntechnischen Labor hergestellt, sondern von Orthopädietechnikern.

Wie bei der ersten Maske von Ebbe Sand wird aber in der Regel eine Abformung mit Gipsbinden genommen, um ein Gipsmodell zur Maskenanfertigung zu gewinnen. In den Jahren 2011/2012 waren allein vom FC Schalke 04 die Spieler Metzelder und Huntelaar (Nasenbeinfraktur) sowie Höwedes (Jochbeinbruch) betroffen. Der bekannteste Maskenmann in der österreichischen Bundesliga war Franz „Fränky“ Schiemer, der seine Karriere wegen zahlreicher Kopfverletzungen 2014 beenden musste (zuletzt bei RedBull Salzburg).

DGMKG/IS/KK, Ärzte Woche 46/2015

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