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Prof. Dr. Reinhold Függer Vorstand der Chirurgischen Abteilung am KH der Elisabethinen Linz und Präsident des 56. Österr. Chirurgenkongresses.©
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Chirurgie 26. Mai 2015

Chirurgische Infektionen

Unabhängig von der Genese besteht die Therapie in der Herdsanierung.

Chirurgische Infektionen haben entscheidenden Einfluss auf den Behandlungserfolg und sind damit für den Patienten von großer Bedeutung. Die Thematik steht beim diesjährigen 56. Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie im Mittelpunkt.

Nach der Genese sind postoperative Infektionen von jenen, die schon bei der Aufnahme ins Krankenhaus bestehen, zu unterscheiden. Zu Letzteren sind u. a. die akute Cholezystitis, die Appendizitis, die schwere Divertikulitis, perforierte Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre und Abszesse zu zählen. Wundinfektionen (Surgical Site Infection, SSI) und Sepsis mit Multiorganversagen sind neben nosokomialen Infektionen wie Pneumonie und Harnwegsinfektionen im postoperativen Verlauf von Bedeutung.

Therapie

Unabhängig von der Genese besteht die Therapie in der Herdsanierung, wobei die Infektionsquelle beseitigt wird. Dies geschieht vor allem durch einen chirurgischen Eingriff, der insbesondere bei schweren, lebensbedrohlichen Infektionen, wie einer postoperativen Peritonitis oder der Perforation eines abdominalen Hohlorganes (z. B. Darmperforation bei Divertikulitis), dringlich notwendig ist. Eine erfolgreiche Herdsanierung ist bei schweren Infektionen mit begleitendem Organversagen entscheidend für das Überleben der Patienten. Jede Verzögerung oder der Misserfolg einer Herdsanierung steigern das Mortalitätsrisiko signifikant.

Im geeigneten Fall, z. B. bei abgegrenzten intraabdominellen Abszessen, wird heute die perkutane Drainage, entweder CT- oder ultraschallgezielt, bevorzugt angewendet. Dadurch ist es möglich, die Notwendigkeit von teils sehr aufwändigen Reoperationen zu vermindern.

Bei weniger schweren Infektionen kann eine Antibiotikatherapie einer Operation vorzuziehen sein. Ob im Einzelfall eine Operation nötig ist oder konservativ vorgegangen werden kann, wird auf der Grundlage einer chirurgischen Begutachtung entschieden.

Auswirkungen auf den postoperativen Verlauf

Postoperative Infektionen sind mit einer beträchtlichen Morbidität für den Patienten, einem verlängerten Krankenhausaufenthalt und natürlich mit erhöhten Kosten verbunden. Je nach Schweregrad haben chirurgische Infektionen signifikanten Einfluss auf die perioperative Sterblichkeit.

Trotz deutlicher Senkung der Mortalitätsraten nach großen chirurgischen Eingriffen ist das septische Multiorganversagen z. B. bei Peritonitis nach Anastomoseninsuffizienz eine lebensbedrohliche Komplikation. Aber auch banal imponierende Wundinfektionen können durch Immobilität zu Folgekomplikationen wie Pulmonalembolie führen, die dann als infektassoziiert zu betrachten sind. Wissenschaftliche Daten über den Anteil von Infekten an der postoperativen Sterblichkeit sind rar. In einer eigenen Studie waren 20 Prozent der Todesfälle durch postoperative Infektionen bedingt.

Prophylaxe

Die Entwicklung einer Infektion ist von Risikofaktoren wie Alter und Begleiterkrankungen des Patienten und der Art der Operation abhängig. Die Verminderung des Operationstraumas durch schonende Operationstechniken, frühzeitige Mobilisierung und frühen Kostaufbau, Vermeidung bzw. möglichst kurzfristige Anwendung von Sonden, Kathetern, Drains und eine gezielte Antibiotikaprophylaxe (Single Shot) sind evidenzbasierte wirkungsvolle Maßnahmen zur Senkung von postoperativen Infektionen. Registerstudien, z. B. zur Erhebung der Anzahl ungeplanter Reeingriffe und von Todesursachen, sind aktuelle wissenschaftliche Strategien zur Aufdeckung von Verbesserungsmöglichkeiten.

Mehr dazu am 56. Österreichischer Chirurgenkongress: Freitag, 5. Juni 2015, 09:00 – 10:30 Uhr (Veranstaltungssaal)

Reinhold Függer, Ärzte Woche 22/2015

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