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© Davorin Wagner/Chirurgie im Bild
Das tatsächliche Ausmaß der Appendizitis kann meistens erst während des operativen Eingriffs geklärt werden.
 
Chirurgie 3. Juni 2014

Minimal-invasiv oder offen?

Eine Mehrschicht-Computertomografie hilft Chirurgen bereits vor dem Eingriff, den Schweregrad der Appendizitis besser abzuschätzen.

Bei Patienten mit Blinddarmentzündung zeigt bisher oft erst die Operation, was genau im Bauchraum Sache ist. Mithilfe der Multidetektor-CT (MDCT, Mehrschicht-CT) kann bereits vor der Operation geklärt werden, ob die Entzündung durch die Darmwand hindurchgebrochen ist. Das hilft den Chirurgen, sich für das optimale Operationsverfahren zu entscheiden.

Patienten mit starken rechtsseitigen Unterbauchschmerzen werden üblicherweise als Erstes per Ultraschall untersucht. Liefert die Ultraschalluntersuchung Hinweise auf eine Blinddarmentzündung – streng genommen handelt es sich um Entzündungen des sogenannten Wurmfortsatzes („Appendix“) des Blinddarms – dann greift der Chirurg rasch zum Messer, um lebensgefährliche Komplikationen zu verhindern. Häufig zeigt sich erst während der Operation das genaue Ausmaß der Erkrankung. Das ist nicht ideal, weil Patienten mit Blinddarmentzündung heute meist minimalinvasiv operiert werden. Bei einem ausgedehnten Befund muss dann zu einer offenen Operation gewechselt werden.

MDCT zeigt Schweregrad der Entzündung schon vor der Op

Moderne Schnittbildverfahren wie MDCT oder Kernspin (MRT) sind dem Ultraschall diagnostisch überlegen und erlauben eine bessere Abschätzung des Schweregrades der Entzündung, sagt der Radiologe Murat Karul vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. In einer Studie hat sich Karul 76 Patienten, bei denen der Pathologe nach der Operation anhand des entfernten Appendix das Vorliegen einer Blinddarmentzündung bestätigt hat, genauer angesehen.

Bei 22 (28,9 %) dieser Patienten lag eine besonders schwere Blinddarmentzündung vor, die der Pathologe als Grad 3 einstufte. Das bedeutet, dass die Entzündung bereits durch die Darmwand hindurch gewandert ist und dort eine eitrige Absiedlung gebildet hat (perityphlitischer Abszess). 49 Patienten (64,5 %) hatten eine leichte Blinddarmentzündung (Grad 1). Bei den übrigen fünf Patienten (6,6 %) wurde vom Pathologen eine Grad-2-Blinddarmentzündung diagnostiziert.

Bei allen Patienten wurde vor der Operation eine Niedrigdosis MDCT mit Gabe von Kontrastmittel durchgeführt. Wir konnten zeigen, dass sich bei einem Großteil der Patienten das Ausmaß der Blinddarmentzündung durch die MDCT-Untersuchung zuverlässig darstellen lässt, so Karul. Die Entdeckungsquote (Sensitivität) betrug 86,4 % bei Patienten mit Grad-3-Appendizitis und 85,7 % bei Patienten mit Grad-1Appendizitis.

Auch CRP-Wert dient als Marker

Noch besser wird die Vorhersagequote, wenn zusätzlich zur MDCT ein Entzündungsmarker im Blut mit einbezogen wird, in diesem Fall das C-reaktive Protein (CRP). Je höher der CRP-Wert, umso höher die Wahrscheinlichkeit einer höhergradigen Blinddarmentzündung, betont Karul. Als ideal hat sich dabei in der Hamburger Studie ein Schwellenwert von 72 mg/l erwiesen. Die Ärzte empfehlen deswegen, bei allen Patienten mit Verdacht auf eine akute Blinddarmentzündung, bei denen der CRP-Wert die Schwelle von 72 mg/l überschreitet, eine MDCT anzufertigen. Zeigt sich dabei eine Grad-3-Entzündung, kann der Chirurg einen offenen Eingriff in Erwägung ziehen.

Die Patienten in Karuls Studie waren im Mittel etwa 58 Jahre alt. Für eine Blinddarmentzündung ist das ein eher fortgeschrittenes Alter. Bei jungen Patienten und insbesondere bei schwangeren Frauen sollte aufgrund der Strahlenbelastung statt einer Mehrschicht-CT eher eine Magnetresonanztomografie (MRT) erfolgen, rät der Radiologe: Denn auch in der MRT sind die typischen Zeichen einer Appendizitis nämlich gut zu sehen.

 

Deutsche Röntgengesellschaft e.V., Ärzte Woche 23/2014

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