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Chirurgie 30. Juni 2005

Dogma der Transplantations-Mediziner wackelt

Toronto. Säuglinge können Organe von Spendern erhalten, die nicht die gleiche Blutgruppe haben wie die Empfänger. Das haben kanadische Forscher belegt, indem sie zehn Kindern mit schweren angeborenen Herzfehlern mangels passender Organe blutgruppeninkompatible Herzen übertrugen - zum Beispiel einem Kind mit Blutgruppe 0 das Organ eines Spenders mit Blutgruppe A.

Acht Kinder überlebten die Transplantation

Zwei Kinder starben, ohne dass die Blutgruppendifferenz dafür die Ursache gewesen wäre. Acht überlebten bereits zwischen elf Monaten und knapp fünf Jahren. Die Säuglinge waren bei der Organübertragung zwischen zwei und 14 Monate alt. Voraussetzung für die Transplantation entgegen der Blutgruppenkompatibilität ist jedoch, dass die Organempfänger keine präformierten Antikörper gegen die Blutgruppe des Spenders haben.

Zu lange Wartelisten

Mit diesen Ergebnissen haben Professor John G. Coles von der Klinik für Chirurgie an der Universität und seine Mitarbeiter ein Dogma in der Transplantationsmedizin gebrochen (NEJM 344, 2001, 793). Die in Toronto behandelten Kinder kamen mit schweren angeborenen Herzfehlern auf die Welt wie dem Linksherzhypoplasie-Syndrom. Sie hatten ohne Herztransplantation eine extrem schlechte Prognose. Die Hälfte der Kinder, die in einem Alter bis zu einem Jahr auf die Warteliste kommen, sterben, weil passende Organe fehlen, bevor ihnen ein Herz transplantiert werden könne, berichten die Wissenschaftler. Durch die Übertragung auch blutgruppeninkompatibler Herzen konnte die Sterberate der Kinder auf sieben Prozent gesenkt werden. Wichtigste Vorbedingung ist jedoch, dass die jungen Patienten nicht schon Antikörper gegen die fremde Blutgruppe haben.

Kinder erhielten die übliche Prophylaxe

Außerdem haben die Ärzte eine Plasmapherese zum Zeitpunkt der Transplantation vorgenommen, um möglichst alle gegen das Transplantat gerichteten Antikörper zu entfernen. Nach der Organübertragung erhielten die Kinder die übliche Abstoßungsprophylaxe, berichten die Forscher. Im weiteren Verlauf bildeten sich keine Antikörper gegen die Blutgruppe des Spenders. "Diese ermutigenden Ergebnisse beziehen sich auf eine relativ kleine Gruppe von Patienten", gibt Professor Mark M. Bouck in einem Editorial derselben Ausgabe des "New England Journal of Medicine" zu bedenken. "Die Ergebnisse müssen jetzt mit weiteren Daten untermauert werden, um tatsächlich eine Empfehlung geben zu können. Aber es ist jetzt klar, dass mit den Herztransplantationen Kinder haben gerettet werden können, die sonst gestorben wären."

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