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Heinz Gulle, PhD und Prof. Dr. Günther Laufer bei der Präsentation des neuen blutstillenden Patches.
 
Chirurgie 15. Jänner 2014

Neues Vlies soll Blutstillung bei Operationen erleichtern

"Kollagen-Pflaster" zum Aufkleben - Produkt von Baxter in Österreich entwickelt.

Immer mehr Patienten mit krankheitsbedingt gestörter oder durch medikamentöse Therapie verzögerter Blutgerinnung kommen auf den OP-Tisch. Das bedeutet eine höhere Blutungsgefahr. Der Pharmakonzern Baxter hat mit einem neuen "Pflaster" für Chirurgen ein Mittel zum Bannen dieser Gefahr entwickelt.

"Wir sehen unser Produkt ("Hemopatch") in allen chirurgischen Disziplinen. Es beruht auf zwei Säulen: einem speziellen Kollagen-Vlies, das eine sehr hohe Saugfähigkeit hat und die Blutgerinnung auslöst, und einer Beschichtung mit einem speziellen Polyäthylenglykol (NHS-PEG), das zum starken Anlegen an der Wunde führt. (...) Das Vlies wird später im Körper binnen sechs bis acht Wochen wieder abgebaut", sagte Heinz Gulle von der FE-Abteilung (BioSurgery) von Baxter in Österreich, bei einer Pressekonferenz in Wien. Das Produkt wurde in Österreich entwickelt.

Der US-Pharma- und Biotechnologiekonzern betreibt nach der Übernahme der alten Immuno AG im Jahr 1997 in Österreich seinen größten Auslandsstandort mit Forschung und Entwicklung sowie Produktion. Baxter Healthcare-Geschäftsführer Andreas Kronberger: "Wir haben mehr als 4.400 Mitarbeiter und mehr als 40 Produkte in der 'Pipeline'. Einer davon ist rekombinant hergestellter Blutgerinnungsfaktor IX zur Behandlung der Hämophilie B, den wir im November 2013 zur Zulassung eingereicht haben." Seit Dezember vergangenen Jahres ist bereits das Medizinprodukt "Hemopatch" auf dem Markt.

Mit seinem Fibrinkleber "Tisseel" für leichte Blutungen und Wundverschluss und dem Produkt "Floseal" bei schweren Blutungen in der Chirurgie ist Baxter nach eigenen Angaben jeweils Marktführer. Das neue Produkt soll dieses Portfolio ergänzen. Nach der Entwicklung von mehr als 400 Prototypen ging es an die Produktion. Die Umsatzerwartungen reichen auf bis zu 150 bis 200 Millionen US-Dollar pro Jahr (derzeit vorhandenes Produktionsvolumen: bis zu 500.000 der "Pflaster").

Rasche Blutstillung

In Versuchen zum Wundverschluss und zur Blutungsstillung im Rahmen von quasi-chirurgischen Eingreifen zeigte sich - so Gulle - eine Blutstillungsrate von hundert Prozent binnen zwei Minuten. Bei einem Vlies der ersten Generation waren es 80 Prozent innerhalb von drei Minuten. Das Kollegen-"Pflaster" bringt die körpereigene Blutgerinnung des Operierten in Gang, indem an ihm Blutplättchen binden. Sie lösen ein Fibrin-Gerinnsel als Klebstoff aus.

Günther Laufer, Chef der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie an der Universitätsklinik in Wien im AKH: "Ein besonderer Vorteil ist, dass man mit dem Vlies Druck auf die Gewebefläche ausüben und damit eine feste Bindung herstellen kann, damit sich unterhalb des Pflasters keine Höhle bildet und in einem Hämatom Blut ansammelt." Das sei ein hoher Risikofaktor für spätere Infektionen. Mit dem neuen Produkt soll diese Hämatombildung - noch immer in zwei Drittel der Fälle bei bisherigen Produkten - auf eine Häufigkeit von rund 20 Prozent sinken und lässt sich durch seine Formbarkeit auch in der minimal-invasiven Chirurgie einsetzen.

APA/B&K/IS, springermedizin.at

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