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© Girish Menon / Shutterstock.com
 
Chirurgie 10. Jänner 2014

Mit der Mikrokanüle gegen das Lipödem

Hüften und Beine erhalten wieder ein wohl geformtes, schlankes Aussehen.

Das Lipödem ist eine chronische Funktions- und Verteilungsstörung des unter der Haut liegenden Fettgewebes. Betroffen sind fast ausschließlich Frauen. Die Liposuktion stellt eine Therapie mit dauerhaftem Erfolg dar.

Während der Oberkörper normal geformt und schlank ist, weisen Hüften und Beine übermäßige, symmetrische Ansammlungen von Fettgewebe auf. Darum spricht man auch von Ägyptischen Säulen oder Türkischen Pluderhosen-Beinen. „Das Lipödem ist eine schmerzhafte, behindernde und manchmal sogar bewegungseinschränkende Erkrankung, die nur Frauen betrifft. Diese subkutanen Fettansammlungen können zu Ödemen und Schmerzen führen, wobei charakteristischerweise die Vorfüße von der Fettgewebsvermehrung nicht betroffen sind“, beschreibt Prof. Dr. Sanja Schuller-Petrovic, Präsidentin der Austrian Federation for Interdisciplinary Aesthetic Surgery (AFIAS) die Krankheit.

Die Ursache für die Fehlverteilung des Fettgewebes ist bis jetzt nicht geklärt, aber es gibt deutliche Hinweise, dass die genetische Disposition eine große Rolle spielt. Die Krankheit tritt meist ab der Pubertät auf und kann auch die Arme betreffen.

Die Patientinnen stoßen bei ihren Mitmenschen oft auf Unverständnis, „iss nicht so viel, mach´ mehr Bewegung“, lauten die Ratschläge. Doch eine Diät hilft hier nicht und körperliche Bewegung ist mit diesen Beinen kaum zu schaffen. Auch Bandagen oder Lymphdrainagen bringen keine Erleichterung. Selbst die Wahl der Kleidung und der Schuhe ist schwierig. Eine deutsche Studie hat gezeigt, dass die Lebensqualität bei Lipödem-Patientinnen deutlich einschränkt, ist.

Verwechslung mit Lymphödem

Leider wird das Lipödem oft fehldiagnostiziert und mit dem Lymphödem, Venenödemen oder Fettleibigkeit verwechselt. Dabei gibt es grundlegende Unterschiede, die es dem Arzt in den meisten Fällen schon während der klinischen Untersuchung leicht machen, die richtige Diagnose zu stellen.

Das Erscheinungsbild der Patientinnen mit Lipödemen ist aufgrund der meist symmetrischen auftretenden Fettwülste an Knöcheln und Knien und dem gegenüber schlanken Vorfuß sehr charakteristisch.

Ödeme sind selten vorhanden und die für das Lymphödem typischen Zehenödeme fehlen auch bei sehr ausgeprägten Fällen von Lipödemen. Das Lymphsystem ist nicht erkrankt, lediglich bei sehr adipösen Patientinnen kommt es zusätzlich zu statischen Ödemen im Fettgewebe, die dann weitere Beschwerden, wie etwa Spannungsgefühle, verursachen können. Da der Großteil der Patientinnen nicht an einem klassischen Ödem leidet, sind Lymphdrainagen oder Kompressionsstrümpfe nicht erfolgreich.

Liposuktion bringt dauerhaften Erfolg

„Die einzige Therapie, die wirklich einen andauernden Erfolg bringt, ist die Liposuktion“, spricht Schuller-Petrovic aus ihrer Erfahrung. Sie wendet ein spezielles Verfahren an, das sie auf dem Weltkongress der Phlebologie (UIP) in Boston vorgestellt hat. In Tumenszen-Lokalanästhesie wird eine Mikro-Vibrationskanüle in das Fettgewebe eingeführt, die das Fett geradezu schüttelt und dadurch leichter absaugt. Diese Methode schont Blutgefäße, Nerven und Lymphbahnen. Es werden oft zwischen 1,5 l bis 7 l Fettgewebe pro Sitzung abgesaugt. Hüften und Beine erhalten wieder ein wohlgeformtes, schlankes Aussehen. „Jetzt kann ich wieder Hosen und Stiefel anziehen“, drückte eine Patientin ihr Erfolgserlebnis aus. Es ergaben sich keine Komplikationen nach dem Eingriff, der ambulant durchgeführt werden kann. Nur Ödeme treten postoperativ vorübergehend auf.

Es wird mit dieser Methode ein dauerhafter Erfolg erzielt, die Fettzellen wachsen nicht nach und werden auch nicht neu gebildet. Bei übergewichtigen Personen ist jedoch die Liposuktion keine Lösung des Übergewichtes, in diesem Fall hilft nur eine strenge Reduktionsdiät.

G. Niebauer, Ärzte Woche 1/3/2014

  • Frau senel Dogan, 01.06.2014 um 23:54:

    „Leide sehr darunter trotz Strümpfe laufe 1-2std.jeden Tag. Sehr starke Schmerzen warum die Krankenkassen diese op nicht zahlen .das ist sehr traurig .“

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