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Chirurgie 4. November 2013

Raffung bei Hämorrhoidalleiden

Erweiterung des Behandlungsspektrums.

Die Nachfrage vieler Patienten mit Hämorrhoidalleiden nach sanften Behandlungsformen nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. Eine bereits seit 2000 durchgeführte Technik, die transanale Hämorrhoiden-Dearterialisation (THD), wurde dank Modifikationen der neueren Operationsgeräte optimiert, wodurch sich das Patientenspektrum erweiterte. Das diesjährige „Coloproctology - Exclusive Tutorial“ in Innsbruck widmet sich unter anderem dem Update der Behandlungsmethoden bei Hämorrhoidalleiden und dieser Methode.

Bei der minimal invasiv durchgeführten Variante wird kein Gewebe entfernt, sondern lediglich die Versorgungsarterien der Hämorrhoiden abgebunden. Die Gefäße werden dafür mit einer neuen, speziellen Ultraschallsonde (Doppler-Proktoskop) gezielt aufgespürt. Durch die Abbindung beginnen die Hämorrhoidalknoten allmählich zu schrumpfen und das Gewebe normalisiert sich wieder. „Auch herunterhängende, äußerlich sichtbare Hämorrhoidalknoten können nun durch eine Raffung gezielter in den Analkanal hochgezogen („Lifting“) werden, und zwar ohne, dass es eines Schnitts bedarf“, berichtet Prof. Carlo Ratto, Chirurgievorstand der renommierten Gemelli-Klinik in Rom und weltweit anerkannter Koloproktologe. Er wendet die Methode mit wachsendem Erfolg auch bei Grad 4- Hämorrhoiden an.

Vorteile der Weiterentwicklung

Ermöglicht wird dieses hochpräzise Arbeiten jetzt durch eine spezielle Ultraschall-Dopplersonde. Die exakte Führung des durchsichtigen High-Tech-Geräts ermöglicht dem Chirurgen, die betreffenden Arterien punktgenau zu finden und die Ligaturen mit hoher Präzision zu setzen. Damit fallen die Stiche nicht zu tief aus, was das Risiko einer Perforation vermindert.

In die Hände von Experten

Prof. Dr. Felix Aigner von der Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie der Medizinischen Universität Innsbruck und Dr. Friedrich Weiser, Medico Chirurgicum Wien, sind sich einig: „Zunächst sind konservative Methoden zu überlegen, erst bei hochgradigen Hämorrhoiden ist eine Operation das Mittel der Wahl. Und die soll dann von erfahrenen Experten durchgeführt werden.“

Studien zeigen, dass es nach THD zu einer signifikanten Verbesserung der Hämorrhoidalbeschwerden kommt. Eventuell bleibt in den ersten Wochen danach noch ein leichtes Knotengefühl. Nach rund vier Wochen ist dies zumeist verschwunden.

THD ist leicht erlernbar“, meint Aigner, „aber es braucht trotzdem eine gründliche Schulung.“ Diese Methode wird übrigens im Rahmen des Ausbildungspasses der Arbeitsgemeinschaft für Coloproktologie für die Europäische Facharztprüfung für Coloproktologie gelehrt.

Nach dem Eingriff mit der THD Methode verspürt der Patient ein Druckgefühl und etwas Unbehagen, was aber nach wenigen Tagen verschwindet. Weiser präferiert die tagesklinische Behandlung, in manchen Spitälern wird die Operation jedoch stationär durchgeführt, die Patienten bleiben eine Nacht zur Beobachtung in der Klinik. In jedem Fall kann der Patient seine alltäglichen Tätigkeiten innerhalb von 24 – 48 Stunden wieder aufnehmen.

Komplikationen

Es sind keine schweren Komplikationen bekannt: Es können leichte Blutungen auftreten, die sich nach wenigen Stunden legen, oder es tritt sofort nach dem Eingriff Stuhldrang auf, der durch das „Liften“ des Prolapses entstehen kann. Die Behandlung der Hämorrhoiden mit der THD-Methode ist in den meisten Fällen endgültig: das Risiko von Rezidiven ist gering.

ConsuMED/FH, Ärzte Woche 45/2013

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