zur Navigation zum Inhalt
© Springer Verlag GmbH
Die ersten Symptome des Kompressionssyndroms des Nervus medianus im Bereich der Handwurzel sind Schmerzen oder Missempfindungen, die von der Hand in den gesamten Arm einstrahlen können. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einem Muskelschwund im Bereic
 
Chirurgie 14. Oktober 2013

Karpaltunnelsyndrom: Kortisonspritzen begrenzt wirksam

Laut einer Untersuchung ist ein chirurgischer Eingriff meistens nicht zu vermeiden.

Bei leichteren Formen des Karpaltunnelsyndroms können Kortisoninjektionen kurzfristig Besserung bringen. Längerfristig ist ihr Nutzen bescheiden. In einer randomisierten placebokontrollierten Studie konnten sie nur wenigen Patienten die Operation ersparen.

Zur Wirksamkeit von Kortikosteroidinjektionen in den Karpaltunnel lagen bislang nur zwei randomisierte placebokontrollierte Studien vor: Beide zeigen einen Nutzen, allerdings nur über einen Monat, länger wurden die Patienten nicht verfolgt. Ärzte aus Schweden haben deswegen eine randomisierte placebokontrollierte Studie mit einer Laufzeit von einem Jahr initiiert und durchgeführt. Beteiligt waren 111 Patienten mit leichtem bis mittelschwerem idiopathischem Karpaltunnelsyndrom (KTS), bei denen die Schienung des Handgelenks keine Besserung gebracht hatte. Jeweils 37 Patienten erhielten eine Injektion von 80 oder 40 mg Methylprednisolon oder Kochsalzlösung. Der Einstich erfolgte 1 cm proximal von der Handgelenkfalte.

Zehn Wochen später waren die typischen Beschwerden, erfasst mit dem CTS Symptom Severity Score, in beiden Verumgruppen stärker zurückgegangen als in der Placebogruppe: Von anfangs 3,0 um 0,90 (80 mg Methylprednisolon) bzw. 1,17 (40 mg Methylprednisolon) in Vergleich zu 0,30 mit Placebo. Den Studienautoren um Dr. Isam Atroshi zufolge handelt es sich dabei um eine „klinisch wichtige“ Verbesserung, die einer mittleren bis großen Effektstärke entspricht. Auch in den Punkten Behinderung von Arm, Schulter und Hand sowie Schmerz und Behandlungszufriedenheit schnitten die mit dem Steroid behandelten Patienten signifikant besser ab als die Kochsalzgruppe. Eine Subgruppenanalyse ergab außerdem, dass Patienten mit stärker beeinträchtigter Nervenleitfähigkeit eine größere symptomatische Besserung erfuhren.

Drei von vier Patienten operiert

Der Behandlungserfolg war aber häufig nicht von Dauer. Innerhalb eines Jahres wurde auch in den Steroidgruppen bei 73 Prozent bzw. 81 Prozent der Patienten eine Spaltung des Karpaltunnels vorgenommen. Damit lag die Operationsrate nur in der 80-mg-Methylprednisolon-Gruppe signifikant niedriger als in der Placebogruppe mit 92 Prozent. Die Zeit zwischen Spritze und Eingriff war jedoch in beiden Verumgruppen verlängert. Als Nebenwirkungen der Kortisonbehandlung wurden lediglich leichte Schmerzen und lokale Schwellungen registriert.

Den Studienautoren zufolge ist es fraglich, ob die geringen Unterschiede im Hinblick auf die Operation Steroidinjektionen als Routinebehandlung des idiopathischen KTS rechtfertigen können. „Methylprednisolon reduziert zwar Beschwerden und Operationsraten, dennoch müssen drei von vier Patienten innerhalb eines Jahres operiert werden.“

Originalpublikation: Atroshi I et al. Methylprednisolone Injections for the Carpal Tunnel Syndrome. Ann Intern Med. 2013; 159: 309–317; doi: 10.7326/0003-4819-159-5-201309030-00004

springermedizin.de, Ärzte Woche 42/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben