zur Navigation zum Inhalt
Brüche der Handwurzelknochen werden erst später durch die Entstehung chronischer Schmerzen zum Problem. Die chirurgische Rekonstruktion ist schwierig.
 
Chirurgie 2. Oktober 2013

Kleine (Knochen)Brüche - Große Wirkung

Tagung der Unfallchirurgen in Salzburg: Fußwurzel-, Fersenbein- und Kahnbeinfrakturen unterschätzt.

 
"Hals und Beinbruch!", heißt es oft. Während zumindest Frakturen der Beinknochen oft ziemlich problemlos zusammenwachsen, sind Brüche von kleinen Knochen erheblich "lästiger". Mit Frakturen der Fußwurzelknochen, des Fersenbeins bzw. des Kahnbeins (Hand) befassen sich die österreichischen Unfallchirurgen bei ihrer Jahrestagung  vom 3. bis 5. Oktober bei ihrer Jahrestagung in Salzburg.



"Aufgrund des medizinischen Fortschritts überleben heute immer mehr Schwerverletzte. Allerdings machen sogenannte kleine Brüche immer mehr und immer gravierendere Probleme. Sie werden oft übersehen, Symptome treten erst mit Verspätung auf - und sie sind oft mit erheblichen Folgewirkungen verbunden", erklärte Andreas Pachucki, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie (ÖGU), aus Anlass der Tagung gegenüber der APA.

Von 2001 bis 2010 wurden in Österreichs Unfallspitälern 29.121 Frakturen an Fußwurzel-Knochen, Fersenbein und Kahnbein behandelt. Laut den Daten der AUVA waren das 10.373 Fersenbein-Frakturen, 7.166 Fußwurzel-Frakturen und 11.582 Kahnbein-Brüche. Brüche bzw. Verletzungen an diesen kleinen Knochen betreffen fast doppelt so viele Männer (18.986) als Frauen (10.135).

Pachucki: "Ober- oder Unterschenkelbrüche sind natürlich viel schwerwiegendere Frakturen, können aber im Bedarfsfall auch genagelt oder verplattet werden und heilen gut aus. Bei den Frakturen der kleinen Knochen, also zum Beispiel der Hand-, Fußwurzelknochen oder des Fersenbeins bleiben fast immer Invaliditäten zurück."

Problemfeld Handwurzelknochen

Wobei die Situation je nach Bruch sehr unterschiedlich ist. Der Unfallchirurg, Chef der entsprechenden Abteilung in Amstetten in Niederösterreich: "Brüche der Handwurzelknochen sind am Anfang oft wenig schmerzhaft. Sie werden häufig mit einer Prellung verwechselt. Doch die Schmerzen werden dann oft chronisch. Die Betroffenen bekommen nach ein bis zwei Jahren massive Probleme." Die Ursache sind ursprünglich zumeist Freizeit- und Sportunfälle, klassisch sind diese Verletzungen bei Snowboardern, aber auch bei älteren Menschen nach Stürzen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Problem Fußwurzelknochen und Fersenbein

Anders ist die Situation zum Beispiel bei Frakturen von Fußwurzelknochen und des Fersenbeins. Pachucki: "Sie sind zumeist die Folge von Stürzen, zum Beispiel beim Obstpflücken auf der Leiter oder im Rahmen von Arbeitsunfällen." Hier sind unter den Patienten wiederum häufiger Männer die Opfer. Die Folgen sind ausgesprochen unangenehm. Der Spezialist: "Fersenbeinbrüche heilen zum Beispiel zumeist nur mit massiver bleibender Invalidität aus."

Für die Unfallchirurgen stellen alle diese Verletzungen eine enorme Herausforderung dar. Der Grund dafür: Trotz immer mehr zur Verfügung stehender Systeme zur Wiederherstellung einer möglichst korrekten anatomischen Situation (Schrauben, Platten etc.) ist es ausgesprochen schwierig, die exakt "richtige" Positionierung zu rekonstruieren.

Schwierige chirurgische Rekonstruktion

Pachucki: "Die Rekonstruktion ist sehr schwierig. Beim Fersenbein gibt es so viele Gelenksbereiche, dass das kaum gelingt. Einen Fortschritt gibt es mit der Möglichkeit von 3D-Röntgen- oder Computertomografie-Geräten direkt im Operationssaal." Damit ergibt sich die Chance, dass der Unfallchirurg während des Eingriffs fast live die Positionierung der Knochenteile mitverfolgen kann. Jedenfalls, bei Verdacht auf solche Verletzungen sollte am besten möglichst schnell eine Unfallambulanz aufgesucht werden. Zuwarten hilft nicht wirklich.

An der Tagung in Salzburg nehmen rund 500 Spezialisten teil. In Österreich gibt es rund 1.200 Unfallchirurgen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben