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Chirurgie 13. Juni 2013

Die Chirurgie wird immer schonender

Funktionserhalt und Rekonstruktion im Fokus der Österreichischen Chirurgen

Bei 80 Prozent der Brustkrebspatientinnen kann heute eine Amputation der betroffenen Brust vermieden werden. Bei 90 Prozent der Rektumkarzinompatienten ist es möglich den natürlichen Darmausgang zu erhalten. Die Fortschritte der Chirurgie konzentrieren sich heute nicht nur auf die Entfernung pathologischer Strukturen sondern auch auf den Funktionserhalt. Dieser stellt beim diesjährigen Österreichischen Chirurgenkongress vom 30. Mai bis 1. Juni in Wien einen der Schwerpunkte dar.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die Behandlung und Methodenwahl aus Sicht des Patienten sind für Univ.-Prof. Manfred Frey, den Kongresspräsidenten und Vorstand der Klinische Abteilung für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie an der Univ.-Klinik für Chirurgie Wien, auch für den Chirurgen wesentliche Entscheidungskriterien: „Startpunkt der Überlegungen muss sein, möglichst wenig Begleitschaden anzurichten.“ Ist der Organerhalt nicht möglich, so kann die Rekonstruktion in Absprache mit dem Patienten bereits in das Operationskonzept miteinbezogen werden. Die zunehmende Spezialisierung bedürfe jedenfalls mehr denn je der interdisziplinären Zusammenarbeit, um beispielsweise in der onkologischen Behandlung in einem Tumorboard alle Sichtweisen zusammenzubringen, so Frey. Denn die wesentlichen Erfolge der Krebsbehandlung seien zwar immer auch Erfolge der Krebschirurgie, wie Univ.-Prof. Michael Gnant, Leiter der Brustambulanz am AKH Wien, feststellte, aber „der gute Chirurg ist heute nicht nur im OP gut sondern auch in der Fallbesprechung“.

Erfolgreiche Forschung – erfolgreiche Behandlung

Die Forschungserkenntnisse, die die ABCSG – die Austrian Breast- and Colon Cancer Study Group – erzielen kann, sind immer durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht: Konzepte wie die neoadjuvante medikamentöse Therapie bei Brustkrebs, um den Tumor präoperativ zu verkleinern, haben maßgeblich zur erhöhten Brusterhaltungsrate beigetragen. Andererseits kann das Ansprechen oder Nichtansprechen des Tumors auf eine neoadjuvante Therapie radiologisch bzw mittels Gewebeanalyse beurteilt werden. Eine der aktuellen ABSCG-Studien untersucht derzeit bei Patienten mit fortgeschrittenem Rektumkarzinom die Kombination von Chemo-, Antikörper- und Strahlentherapie, um die bestmögliche Therapie zu finden.
In der Bio-Marker-Forschung, die bereits vor der Chemotherapie feststellen kann, ob die Therapie positive Wirksamkeit haben wird, ist es an der Universitätsklinik für Chirurgie Wien gelungen, ein neues, hoch sensitives Verfahren für die Routineanwendung zur exakten Bestimmung des Tumorsuppressor Gens p53 zu entwickeln. Pilotstudien zum Stellenwert des p53 Status bei Lebermetastasen, bei Speiseröhrenkrebs und bei Dickdarmkrebs bestätigen den Zusammenhang zwischen Marker und Ansprechen auf eine Chemotherapie. Dabei zeigte sich auch, dass bei mutiertem p53-Status eine Chemotherapie zu schlechteren Ergebnissen führen kann als keine Chemotherapie. Die Konsequenzen für die klinische Praxis werden derzeit untersucht.    

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