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Chirurgie 24. Juni 2013

Erstmals in Oberösterreich Lungenflügel mittels Schlüssellochchirurgie entfernt

Weniger Schmerzen, Komplikationen und Kosten.

Im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz ist erstmals in Oberösterreich einem Patienten ein Lungenflügel mittels Schlüssellochchirurgie entfernt worden. In einer Pressekonferenz am Montag wurde der Eingriff von Direktor Stefan Meusburger, dem Chirurgen Florian Tomaselli und dem Lungenfacharzt Michael Schumacher vorgestellt. Mit dabei hatten sie einen sichtlich erleichterten, schon wieder recht fit wirkenden Patienten.



"Einen Marathon werde ich nicht mehr laufen", sagte der 58-jährige Herbert Pilgerstorfer, bei dem heuer Lungenkrebs diagnostiziert worden war. Das habe er aber ohnehin vorhin auch nicht getan, räumte er augenzwinkernd ein. Der begeisterte Hobbyfischer geht allerdings bereits wieder täglich zu Fuß einen halben Kilometer zu seinem Teich, praktisch beschwerdefrei, wie er betont. "Es wird jeden Tag besser", Medikamente brauche er nicht mehr. Er musste nach dem dreistündigen Eingriff Mitte Mai nur fünf Tage im Spital bleiben. Nun folgt noch eine Reha und eine Chemotherapie, um den Erfolg der OP abzusichern.

Die herkömmliche Operation, bei der die Rippen auseinandergespreizt werden, ist für den Patienten mit einem weit größeren Trauma, viel stärkeren Schmerzen und einem höheren Komplikationsrisiko verbunden, erklärte Tomaselli. Beim minimalinversiven Eingriff hingegen gibt es nur drei kleine Schnitte - zwei Öffnungen für Kamera und Instrumente sowie eine sieben Zentimeter lange, durch die das Organ entfernt wird. Der Lungenflügel wird abgeklemmt, in einen Sicherungsbeutel gepackt und langsam herausgezogen, so der Chirurg. Zerschnitten werde es nicht.

HD-Monitorbild statt Lupenbrille

Auch wenn es noch keine Untersuchungen dazu gebe, hält Tomaselli die Methode sogar für genauer als die klassische Operation, weil man mit der Kamera und einem HD-Monitorbild in entsprechender Vergrößerung exakter arbeiten könne als mit den herkömmlichen Lupenbrillen. Ein weiterer Vorteil: Dass der Aufenthalt auf der Intensivstation entfallen kann, macht die Sache nicht nur für den Betroffenen angenehmer, sondern auch für die Spitalskassen billiger.

Vor fünf Jahren wurde bei den Elisabethinen ein Thorax-Board eingeführt. Das ist eine interdisziplinäre Konferenz, bei der Diagnosen und Therapien für einzelne Patienten von Spezialisten verschiedener Fachrichtungen besprochen werden. Das erhöhe die Qualität, so die Ärzte, und beim Lungenkrebs auch die Zahl der Operationen. Wie wichtig das ist, schilderte Schumacher: Ein chirurgischer Eingriff sei beim Lungenkarzinom nämlich die einzige Chance auf Heilung, aber nur 30 bis 35 Prozent seien operabel. Pro Jahr werden in Oberösterreich 600 Neuerkrankungen verzeichnet.

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