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Eine Nase kann nicht nur auf ihr Äußeres reduzieren werden, sie hat auch eine wichtige Aufgabe.
 
Chirurgie 29. Mai 2013

Ein gesundes Maß an Schönheit

Zusammenspiel von Schönheit und Organfunktion stärker berücksichtigen.

Schönheitschirurgie ist ein aktuelles und gleichzeitig brisantes Thema, wie eine neue, von AFIAS beauftragte Gallup-Studie zeigt. So ist die oft mangelhafte Information und Verunsicherung der Patienten alarmierend, ebenso das schlechte Image der Schönheitschirurgen. Diese Ergebnisse sieht der neu gegründete fachärztliche Dachverband AFIAS als Auftrag, zu handeln: Neben einer Versachlichung der Diskussion setzt AFIAS auch auf einen neuen Zugang zur ästhetischen Chirurgie: interdisziplinäre Zusammenarbeit statt Konkurrenzdenken.

Ästhetische Chirurgie ist in Österreich alles andere als ein Randthema: Immerhin jede fünfte Frau unter 50 Jahren hat schon darüber nachgedacht, an ihre Schönheit Hand anlegen zu lassen. Dabei fehlt es aber an sachlicher und glaubwürdiger Information. Zwar weiß ein Viertel aller Befragten, dass es hierzulande seit Anfang dieses Jahres ein neues Gesetz zum Thema ästhetische Chirurgie gibt, darüber hinaus haben aber nur etwa zehn Prozent das Gefühl, ausreichend über Schönheitsoperationen informiert zu sein. Die Mehrheit der Befragten bewertet die ihnen zur Verfügung stehenden Informationen als widersprüchlich oder von Sensationslust geprägt. Nur drei Prozent geben an, über das Thema sehr gut Bescheid zu wissen.

Fehlendes Wissen über Kompetenzen

Unzureichendes Wissen gibt es auch darüber, wer in Österreich ästhetische Operationen durchführen darf. Für 78 Prozent der Befragten sind das die plastischen Chirurgen, 39 Prozent nennen die Fachärzte für den jeweiligen Organbereich. Hier will AFIAS zuerst ansetzen. Das Gesetz schaffe hier ein Stück dringend notwendiger Klarheit und Transparenz. „Dies müssen wir nun auch den Patienten vermitteln“, betonte Doz. Dr. Sanja Schuller-Petrovic, Präsidentin der AFIAS und Delegierte der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie, vom VENEX – Zentrum für minimal invasive Venentherapie und ästhetische Dermatologie in Wien. Unterstützung erwartet man sich dabei von der Ärztekammer, auf deren Website es noch dieses Jahr einen vollständigen Nachweis darüber geben soll, welche Fachärzte in Österreich für welche ästhetischen Operationen qualifiziert und zugelassen sind.

Wenig Vertrauen in Schönheitschirurgen

Ebenfalls in krassem Gegensatz zur großen Relevanz des Themas steht laut der Studie das geringe Vertrauen der Patienten in den Berufsstand der ästhetischen Chirurgen. „Ärzte genießen in Österreich traditionell ein sehr hohes Vertrauen“, kommentiert Ingrid Lusk vom österreichischen Gallup-Institut das Ergebnis, „für Schönheitschirurgen scheint das aber nicht zu gelten.“ Während 78 Prozent der Befragten angeben, Ärzten generell zu vertrauen, sind es bei Schönheitschirurgen nur 41 Prozent. Ästhetische Chirurgen gelten zwar zu 39 Prozent als sehr gut und zu 35 Prozent als gut ausgebildet, aber 17 Prozent der Befragten sehen hier Ärzte am Werk, denen es vor allem darum geht, viel Geld zu verdienen.

Nach Meinung von AFIAS sei das Thema ästhetische Chirurgie durch in der öffentlichen Diskussion immer wieder auftauchende Schlagworte wie „Pfusch“ und „Geldgier“ insgesamt in ein schiefes Licht geraten. Dadurch sei es an der Öffentlichkeit offenbar vorbeigegangen, dass es in Österreich sehr wohl kompetente Spezialisten auf dem Gebiet der ästhetischen Chirurgie gebe. Es sei aber symptomatisch, dass sich gerade diese Gruppe bisher selten zu Wort gemeldet habe. Dies, so Schuller-Petrovic, müsse sich ändern: „Die Patienten haben Anspruch auf seriöse Information, die alle Aspekte – ästhetische, medizinische und ethische – berücksichtigt.“

Gesundheit und Schönheit

Laut AFIAS wurde beim Thema ästhetische Chirurgie das erforderliche Zusammenspiel zwischen Gesundheit und Schönheit bisher zu wenig vermittelt. Das sei das zentrale Anliegen der organspezifischen ästhetischen Chirurgie, jener Richtung, die von den AFIAS-Mitgliedern vertreten wird: Fachärzte seien auf ein Organ oder ein Organsystem spezialisiert und zu ihren Aufgaben gehöre auch die ästhetisch-chirurgische Versorgung der Patienten. Solche Fachbereiche seien etwa Dermatologie, Gynäkologie, Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopfchirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Ophthalmologie, sowie Urologie.

Aus Patientensicht liege der besondere Vorzug von Fachärzten in der Tatsache, dass sie als Spezialisten für ein Organ dessen Aussehen niemals getrennt von seiner Funktion betrachten. „Man kann eine Nase nicht auf ihr Äußeres reduzieren, sie hat ja auch eine wichtige Aufgabe“, so Prof. Dr. Josef Kainz, Vizepräsident der AFIAS und Delegierter der Österreichischen HNO-Gesellschaft, derzeit suppl. Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine HNO der Medizinischen Universität Graz. Das gelte zudem für fast jedes Organ. „Daraus leitet sich unser Anspruch ab, in der ästhetischen Chirurgie immer ein gesundes Maß an Schönheit anzustreben, das Funktion und Ästhetik verbindet, und jede Übertreibung abzulehnen, bei der die Ästhetik zulasten der organischen Funktion geht“, so Dr. Angelika Klein-Theyer, Vertreterin der Okuloplastischen Sektion der Österreichischen Ophthalmologische Gesellschaft in der AFIAS, von der Universitäts-Augenklinik der Medizinischen Universität Graz. Die meisten schweren Operationsfehler seien nicht zufällig das Resultat einer ästhetischen Chirurgie, die sich nur auf das Äußere konzentriere und die Funktion des Organs außer Acht lasse.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit sichert Qualität

In diesem Zusammenhang hob Prof. Dr. Ingeborg Watzke, AFIAS-Vertreterin und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Vorstand des Instituts für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Zahnheilkunde im SMZ Ost- Donauspital in Wien auch den interdisziplinären Ansatz der organspezifischen ästhetischen Chirurgie hervor. „Ein medizinisches Problem tangiert in vielen Fällen nicht nur ein Organ beziehungsweise einen Fachbereich. Überschneidungen zwischen Disziplinen sind eher die Regel als die Ausnahme“, so Watzke. Ein interdisziplinärer Ansatz gewährleiste daher auch in der ästhetischen Medizin, dass Spezialisten zum Wohle des Patienten zusammenwirken.

AFIAS geht damit in der ästhetischen Medizin den Weg der Kooperation zwischen den medizinischen Fachbereichen, der in der kurativen Medizin selbstverständlich ist. Die Meinung, alles Selbst am besten zu können, wäre ein Rückschritt auf Kosten der Patienten. „Hier darf es kein kleinliches Konkurrenzdenken geben, das Patientenwohl hat im Mittelpunkt zu stehen. Auch in der ästhetischen Medizin ist es notwendig, miteinander zu arbeiten und voneinander zu lernen“, so Schuller-Petrovic.

Quelle: Pressekonferenz „Ästhetische Chirurgie in Österreich: zwischen Boulevard und Verantwortung“, 16. Mai 2013, Wien

Noch dieses Jahr soll es auf der Website der Ärztekammer einen vollständigen Nachweis darüber geben, welche Fachärzte in Österreich für welche ästhetischen Operationen qualifiziert und zugelassen sind.

Positionspapier: Organspezifische ästhetische Chirurgie

AFIAS ist ein Dachverband organspezifischer wissenschaftlicher Fachgesellschaften, derzeit im Bereich der Dermatologie, der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, der Kopf- und Halschirurgie, der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und der Augenheilkunde. Diese Gesellschaften vertreten gemeinsam etwa 2.500 Fachärzte, die nun durch AFIAS auf dem Gebiet der ästhetischen Chirurgie interdisziplinär vernetzt werden.

Da bei den ästhetischen Operationen immer auch die Funktion des betreffenden Organs berücksichtigt werden muss, ist eine fundierte organspezifische Ausbildung von größter Bedeutung. Deswegen haben die Fachärzte der organspezifischen Spezialfächer höchste Kompetenz in ihrem Gebiet. Nach der sechsjährigen, sehr spezialisierten Fachausbildung sind sie Topspezialisten, und zwar nicht nur auf dem Gebiet der kurativen, sondern auch im Bereich der ästhetisch-chirurgischen Versorgung der Patienten. Der Gesetzgeber hat deswegen die organspezifischen Spezialfächer auch im ÄsthOP-Gesetz berücksichtigt.

Ziele der AFIAS sind die interdisziplinäre Koordination und Kooperation zwischen den Gesellschaften in allen Fragen der Forschung, der Diagnostik und der Therapie im Bereich der organspezifischen ästhetischen Chirurgie. Ebenso ist AFIAS die Förderung von Ethik, fachlicher Kompetenz, Qualitätssicherung und Fortbildung im Bereich der organspezifischen ästhetischen Chirurgie und die Erstellung von Leitlinien für die Diagnostik und Behandlung und deren regelmäßige Aktualisierung sowie die Koordination von ästhetisch-chirurgischen Tagungen und Fortbildungsveranstaltungen der einzelnen Gesellschaften ein Anliegen. Ein wichtiger Bereich der Aktivitäten ist aber auch die Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit der Aufklärung über Therapie und Diagnostik in der organspezifischen ästhetischen Chirurgie.

Informationen: www.afias.at

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