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Chirurgie 21. Februar 2013

Erhöhte Mortalität bei OP blander Appendix

Die Appendektomie gilt als relativ harmloser Eingriff. Glaubt man den Ergebnissen einer schwedischen Studie, gilt das aber nur bedingt – und zwar vor allem dann, wenn sich die angeblich entzündete Appendix als bland erweist.

Patienten mit Verdacht auf Appendizitis, denen ein gesunder Wurmfortsatz entfernt wird, tragen ein fast neunmal so hohes Risiko, in den ersten 30 Tagen nach der Operation zu sterben, wie es für Zeitgenossen gleichen Alters und Geschlechts aus der Allgemeinbevölkerung zu erwarten wäre. Und auch über die folgenden fünf Jahre hinweg bleibt ihre Mortalität um rund ein Drittel erhöht. Herausgefunden hat das Roland Andersson von der Universität Linköping, nachdem er sich einen Überblick über die Resultate von mehr als 220.000 Appendektomien aus den Jahren 1987–2006 verschafft hatte.

Selektionseffekte

Über die Gesamtheit der Daten betrachtet, hätte man indes annehmen können, es sei sogar gesund, sich die Appendix herausschneiden zu lassen. Denn die Fünf-Jahres-Sterblichkeit der Operierten lag niedriger als für die Allgemeinpopulation errechnet. Besonders galt dies für die größte Gruppe von Patienten, jene nämlich, deren Diagnose schließlich auf „nicht perforierte Appendizitis“ lautete – ihre Mortalität lag knapp 30 Prozent unter dem Erwartungswert. Geschuldet ist dies vermutlich einem Selektionseffekt, da es sich wohl um ein insgesamt gesünderes Kollektiv handelte – wer in schlechterem Zustand ist, wird eher konservativ und seltener operativ behandelt. Das galt im Übrigen auch für die günstigen Resultate nach laparoskopischer Appendektomie, die eher den Gesünderen unter den Patienten zuteil wird.

Einfluss des Alters

Erhöht ist die 30-Tages-Mortalität auch nach Entfernung einer perforierten Appendix, und zwar etwa um das Sechsfache. Das Alter wirkte sich ebenfalls auf die Mortalität aus. So lag die 30-Tages-Mortalität von Kindern nach Appendektomie mehr als 30-fach und jene von über 70-Jährigen 7,5-fach über den erwarteten Raten.

Die höhere Sterblichkeit – kurz- wie langzeitig – nach negativer Appendektomie führt Andersson auf unerkannte Komorbidität zurück. „Das spornt dazu an, die präoperative Diagnostik zu verbessern“, schreibt er. Denn auch das anästhesiochirurgische Trauma eines unnötigen Eingriffs könne zur Sterblichkeit beitragen.

Quelle: springermedizin.de

Originalpublikation: Andersson RE et al. World J Surg 2012; online 29. November; doi: 10.1007/s00268-012-1856-x

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